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Spontane Betriebsprüfung

29.01.2010

Gerüstet für eine überraschende Betriebsprüfung! Bei Berndt Querfelds erstem Kaffeesiederstammtisch im neuen Jahr gab Manuela Slucik von der M.S. Wirtschaftstreuhand GmbH Tipps rund um Tischrechnungen, Null-Bons und Reservierungsbücher.

Immer öfter kommt es in letzter Zeit vor, dass sich Prüfer einen Kaffee bestellen, sich den Kassazettel aushändigen lassen und wenige Tage danach die jeweiligen Tagesumsatzaufstellungen sehen wollen. Die Barbewegungsverordnung bis zu einem Jahresumsatz von 150.000 Euro pro Betrieb sieht vor, dass alle Umsätze in der Kassa registriert und dann natürlich auch versteuert werden müssen. „Diese sieht vor, dass jeder Geschäftsfall einzeln mit Datum und Uhrzeit aufgezeichnet wird. Die Endkontrolle erfolgt am Ende des Tages mit dem Kassasturz, der mit dem Kassenbericht übereinstimmen muss. Im Falle einer Prüfung erkundigt sich der Prüfer, wie das interne Controlling funktioniert“, erklärt Manuela Slucik, M.S. Wirtschaftstreuhand GmbH. Bei fehlerhaften Angaben kann es seitens der Finanzprüfer zu Umsatzschätzungen mit Zuschlägen von bis zu 30 Prozent kommen, wie Slucik bestätigt.

Alles archivieren
Weiters gab es die Frage der Cafetiers, wie mit Tischrechnungen, die Rechnungsnummer und Mehrwertsteuer enthalten, umzugehen ist, wenn die Gäste am Tisch getrennt bezahlen wollen. „Hier kann nur eine Rechnungskopie ausgestellt werden und keine neue Rechnung, weil nur eine einmalige Lieferung oder Leistung erbracht wurde“, sagt Slucik und ergänzt, dass Trinkgelder seit zwei Jahren wieder steuerfrei sind. Das auf einer Kreditkartenrechnung zusätzlich vom Gast hinzugefügte Trinkgeld ist somit ein Durchlaufposten, wofür keine Steuer fällig ist, und kann dem Mitarbeiter am Abend bar ausbezahlt werden. „ Für das Trinkgeld das auf Kreditkartenrechnungen vom Gast hinzugefügt wird, müssen wir Arbeitgeber den Disagio bezahlen“, meint ein Cafetier.
Hier ergänzt Slucik, dass der Unternehmer auch dafür Sorge zu tragen hat, dass Rechnungen auch fünf oder sechs Jahre nach Ausstellung noch lesbar sind. „Von Kassen, die dies nicht können, sprich Thermodrucker, sollte man besser die Finger lassen. Es geht hierbei auch um die richtige Archivierung der Daten auf Festplatten. Jeder Kalender, jedes Reservierungsbuch oder Kassenjournal muss sieben Jahre aufgehoben werden. Fehlt nur ein Jahr aus den gesammelten Reservierungsbüchern, darf der Prüfer den Umsatz schätzen und den Prüfungszeitraum ausdehnen“, sagt Slucik.

Null-Bons
An dieser Stelle erklärt ein Cafetier, dass auch die Null-Bons archiviert werden müssen. Es ist usus, dass Personal Essen und Getränke auf Null-Bons konsumiert; ebenso abgelaufene oder verdorbene Ware aus der Vitrine, die weggeworfen wird. „Dies sagt aber nicht aus, dass die Ware nicht doch unter der Hand verkauft wurde. Daher empfehle ich, dass das Personal seine Null-Bons immer unterschreibt. Gleiches gilt bei Einladungen von Gästen auf ein Glas Sekt anlässlich eines Geburtstages. Hier immer den Anlass und den Namen des Kunden darauf vermerken, unterschreiben und archivieren. Die Finanz toleriert maximal fünf Prozent Schwund“, erläutert Manuela Slucik.
Zum Abschluss gab es noch ein paar Infos betreffend einiger Neuerungen, die mit 1. Jänner 2010 in Kraft getreten sind:

• der Beitragssatz der Pensionsversicherung in der gewerblichen Sozial­ver­si­cherung wird von 16 auf 16,25 Prozent angehoben.
• Verpflichtung zur Führung von Einzelaufzeichnungen für Bareinnahmen und -ausgaben bei Überschreitung der Umsatzgrenze in den Jahren 2008 und 2009.
• Leistungsort in der Umsatzsteuer: Im B2B-Bereich gilt grundsätzlich das Empfängerortprinzip, im B2C-Bereich ist der Ort des Unternehmens der Leistungsort (mehr dazu im Caféjournal 2/2010)
• Sozialversicherungswerte 2010:
• Geringfügigkeitsgrenze monatlich Euro 366,33
• Geringfügigkeitsgrenze täglich Euro 28,13
• Höchstbeitragsgrundlage monatlich (laufender Bezug) Euro 4.110,-.

Red.: Irene Stelzmüller

Info: Der nächste Kaffeesiederstammtisch findet am 9. Februar 2010 um 14 Uhr im Café Landtmann statt. WKW-Präsidentin KR Brigitte Jank wird an diesem Stammtisch teilnehmen. Auf Ihr Kommen freut sich Berndt Querfeld.

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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