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Prominenz bei der Unterzeichnung der Kulinarik-Charta: v. l. Michael Blass (AMA), Oskar Wawschinek (Kuli- narisches Erbe), Franz Windisch (LWK), Reinhold  Mitterlehner, Gastgeberin  Birgit Reitbauer, Minister Andrä Rupprechter, Mario Pulka (WKÖ), Klaus  Buttenhauser (Koch-Campus), Petra Stolba (ÖW), Ferry Maier (Kulinarisches Erbe) und Heinz Reitbauer.

Staatsvertrag für die heimische Kulinarik

19.05.2016

Die Bedeutung der Gastronomie sowohl für die heimische Landwirtschaft wie auch für den Tourismus ist unbestritten. Im Rahmen einer kulinarischen Charta soll diese Rolle in Zukunft stärker vermarktet werden.

Gleich zwei Bundesminister, diverse Branchenvertreter und Spitzenköche haben am 7. Mai im Wiener Steirereck die „Charta Kulinarisches Österreich“ unterzeichnet. Es war sogar von einem „Staatsvertrag für den Genuss“ die Rede. Im Gegensatz zum echten Staatsvertrag, der Österreich 1955 die Freiheit brachte, sind die zehn Punkte der Kulinarik-Charta zwar wohlklingende, jedoch weitgehend unverbindliche Absichtserklärungen, in denen es um die Förderung einer regionaltypischen Küche auf Grundlage heimischer Produkte geht (im Wortlaut hier). 

Basis für einen Masterplan

Er wisse nicht, wieso er eine derartige Charta erst heute unterschreiben dürfe, sagte Vizekanzler Reinhold Mitterlehner, denn eigentlich vereine sie Werte, die für das ganze Land wichtig sind: „Wenn unsere Köche aus regionalen Zutaten traditionelle Gerichte zubereiten, profitieren nicht nur die Gäste und die Landwirte, sondern aufgrund der kurzen Lieferwege auch die Umwelt“, so der Vizekanzler weiter.Landwirtschaftsminister Andrä Rupprechter erklärte: „In Österreich ist das Bewusstsein für regional hergestellte Produkte in den letzten Jahren stark gestiegen. Jetzt ist es an der Zeit, das auch für die internationale Vermarktung im Außenhandel und im Tourismus stärker zu betonen.“ Petra Stolba, Geschäftsführerin der Österreich Werbung, nahm den Ball auf und versprach, die Gastronomie bei künftigen Kampagnen stärker zu berücksichtigen.

Dass im Landwirtschaftsministerium ein mit über zehn Millionen Euro dotierter Fonds für eine bessere Koordinierung verschiedener Vermarktungsinitiativen zur Verfügung stehen wird („Netzwerk Kulinarik“), verleiht der Charta eine gewisse Schubkraft. Details dazu werden im Herbst präsentiert. Die heimische Gastronomie soll bei Auslandspräsentationen stärker in die Vermarktung österreichischer Lebensmittel eingebunden werden, so wie das die Skandinavier – Stichwort „Nordic Cuisine“ – seit Jahren vormachen. Mit dem Koch-Campus gibt es eine Plattform, bei der sich unsere besten Köche mit der Weiterentwicklung heimischer Küchentraditionen beschäftigen. Aber auch österreichische Küchenchefs, die im Ausland Karriere gemacht haben, sollen als Botschafter für Genusskultur made in Austria verstärkt herangezogen werden.

Ein Campus für die Köche

Auf Initiative von Klaus Buttenhauser gründeten vor knapp drei Jahren die besten Köche Österreichs den „KochCampus“. Neben dem fachlichen Austausch stand von Anfang an auch die Schärfung des Profils einer eigenständigen österreichischen Spitzengastro-nomie im Fokus. Buttenhauser hat auch entscheidend an der Formulierung der Charta mitgewirkt. Auf eindrucksvolle Art und Weise haben Thomas Dorfer (Landhaus Bacher), Josef Floh (Gastwirtschaft Floh), Paul Ivic (Tian), Philip Rachinger (Mühltalhof), Richard Rauch (Steirerwirt), Josef Steffner (Mesnerhaus), Max Stiegl (Gut Purbach) und Hubert Wallner (Seerestaurant Saag) bei der Präsentation der Charta gezeigt, wie eine moderne, unverkitschte Form der österreichischen Küche jenseits von Wiener Schnitzel und Salzburger Nockerl aussehen kann.

Um die Ideen des Koch-Campus auch institutionell voranzutreiben, hat sich Ferry Maier, der dem Kuratorium Kulinarisches Erbe Österreich vorsteht, daran gemacht, das offizielle Österreich für diese Themen zu begeistern. Denn ohne einen zentralen Masterplan und entsprechende finanzielle Unterstützung durch die öffentliche Hand bleiben die Auswirkungen einer Kulinarik-Charta natürlich beschränkt.

Tourismusmagnet Kulinarik

Jeder vierte internationale Gast, der nach Österreich kommt, tut dies laut einer Befragung durch die Österreich Werbung in erster Linie, weil hierzulande so gut gekocht wird. Auch all jene, die unser Land aus anderen Gründen besuchen, wissen es zu schätzen, dass man in Österreich in jedem Preissegment hervorragend und vor allem auch landestypisch essen kann. Zu Recht ist man in Österreich stolz darauf, dass unsere weitgehend klein-strukturierte Landwirtschaft den höchsten Bio-Anteil weltweit aufweist. Und doch fehlte bislang ein Masterplan, um die Rolle der Gastronomie als glaubwürdiger Mittler zwischen Produzenten und Konsumenten entsprechend zu würdigen und auch touristisch zu nutzen.

Der föderalen Struktur Österreichs folgend, gibt es bei uns zahlreiche regionale Initiativen, wie etwa die nach Bundesländern organisierten Wirtshauskulturen. Die AMA (Agrar Markt Austria Marketing) zeichnet Betriebe, die überwiegend mit heimischen Produkten kochen, mit einem eigenen Gastro-Siegel aus. Der Verein Genuss Region Österreich vergibt an Betriebe, die nachweislich mit regionalen Genussregions-Produkten kochen, den Titel „Genusswirt“. Darüber hinaus lassen manche Gastronomen ihre Betriebe als Bio- oder Slow-Food-Lokale auszeichnen. Auch die BÖG (Beste Österreichische Gastlichkeit) versorgt ihre Mitgliedsbetriebe mit Logos, die den Gästen signalisieren, dass hier bodenständig und gleichzeitig ambitioniert gekocht wird. 
Alles wunderbar – doch gehen derartige Botschaften oft im Vielklang ähnlich lautender Marketingslogans unter. Sollte es tatsächlich im Rahmen des Netzwerkes Kulinarium samt dazugehöriger Charta gelingen, daraus einen harmonischen Chor zu machen, der auch international gehört wird, wäre die Übung gelungen. 

Autor/in:
Wolfgang Schedelberger
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