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Statistik wie Tag und Nacht

05.08.2010

Die Anzahl der Nächtigungen hat im ersten Halbjahr erfreulich zugelegt. Was allerdings wenig über den unternehmerischen Erfolg aussagt – der RevPar gibt Auskunft

RevPar 2000 - 2009

Wenn die monatlichen Nächtigungsbilanzen in den Medien Einzug halten, steigt bei so manchem Hotelier der Blutdruck, insbesondere, wenn dann die erfolgreiche Performance der 4- und 5-Sterne-Hotellerie hervorgehoben wird. „Vielleicht sollten sie in ihrer Statistik einmal berücksichtigen, warum die 4-Sterne-Hotels boomen. Weil sie ihre Zimmer zu Billigstpreisen verschleudern und uns kleine Betriebe kaputt machen. Ein Zimmer mit allen Annehmlichkeiten an ein Billigreisebüro zu verkaufen, ist keine Kunst“, gibt sich etwa die Betreiberin eines Pitztaler Beherbergungsbetriebs höchst kritisch und appelliert, die Hotellerie nicht nur anhand von unbedeutenden Nächtigungszahlen, sondern von Umsätzen und Bilanzen zu untersuchen. Nun, so ganz ohne Aussagekraft sind die Nächtigungszahlen wohl nicht (siehe auch unser Überblick auf Seite 2). Zur Einschätzung der Wertschöpfung tragen sie allerdings tatsächlich nichts bei. Diese lässt sich am besten aus Umsatz pro verfügbarem Zimmer, Zimmerauslastung und tatsächlich erzieltem Preis analysieren, eine Formel, die im „Revenue per room“, oder Rev Par mündet.

Diese betrieblichen Kennzahlen werden von der Österreichischen Hotel- und Tourismusbank (ÖHT) bei allen Kreditnehmern erhoben und ermöglichen damit bis zu einem gewissen Grad die Erstellung von Branchenbenchmarks. In die verfübare Statistik für 2009 fließen etwa die RevPars von 4- und 5-Sterne-Betrieben ein. „Da bei diesen im Vergleich zur Grundgesamheit aller Hotels auch hinsichtlich Nächtigungen eine große Übereinstimmung herrscht, kann man davon ausgehen, das dieser so erhobene RevPar zumindest die Wertschöpfung in der Ferienhotellerie dieser Kategorien gut widerspiegelt“, erläutert Dr. Franz Hartl, Direktor der ÖHT. Die Stadthotellerie sei ein eigenes Kapitel. Hier verfüge die ÖHT kaum über Kunden und daher auch nicht über aussagekräfitge Daten. Angesichts der Preiseinbrüche durch die Krise, sei der RevPar hier unter Druck geraten.

Die aktuell 64 ÖHT-Kunden in der 3-Sterne-Kategorie wiederum sorgten hingegen eher für ein ins Positive verfälschtes statistisches Bild von überdurchschnittlich guten Betrieben.

Die ÖHT-Daten belegen eindrucksvoll, dass der RevPar in den vergangenen zehn Jahren deutlich im 4-/5-Sterne-Bereich zugelegt hat: von 57 auf 76. „Diese Entwicklung ist höchst erfreulich. Freilich darf man auch den RevPar nicht losgelöst von anderen Faktoren als Maßstab heranziehen. Auch die Kosten sind zum Teil stark gestiegen. Personalkosten, Wareneinsatz und Energieaufwand sind zumindest im gleichen Ausmaß wie der RevPar nach oben geklettert. Auch der Marketingaufwand hat sich vervielfacht. Lag er vor zehn Jahren bei einem Prozent des Umsatzes, so sind es heute bereits vier“, erläutert Tourismusbänker Hartl. Das führt in Summe zu einem sinkenden GOP (Gross Operative Profit) von 25 auf 22 Prozent im beobachteten Zeitraum.

Die Daten zeigen freilich auch, dass die Annahme von einem über die ganze Branche grassierenden Preisdumping keine Rede sein kann. „Auch wir kennen Fallbeispiele, wo etwa ein Betrieb auf die Zusammenarbeit mit einem Billigreiseanbieter setzt, damit tatsächlich die Auslastung nach oben fährt, unterm Strich aber Verluste einfährt. Solche Konstellationen sind allerdings die Ausnahme und nicht die Regel“, ist Hartl überzeugt.

Städte sind anders
Gänzlich anders als in der Ferienhotellerie stellt sich die Wertschöpfung in der Stadthotellerie dar. Hier geben ganz aktuelle Erhebungsdaten von großen Buchungsplattformen interessanten Einblick in die Performance. Der Hotelpreisbarometer für Österreich von www.hotel.info etwa sieht im Juli Klagenfurt als teuerste Stadt Österreichs mit einem durchschnittlichen Zimmerpreis pro Nacht von € 95,53, gefolgt von Wien mit € 92,61. Klagenfurt liegt damit um 1,8 € unter dem Vorjahreswert, Wien gleich um 10,82 € darüber. In einem Städteranking von 30 weltweiten Metropolen rangiert Wien damit am 18. Platz. Freilich sind auch diese Benchmarks relativ: Laut www.hrs.de kostete im zweiten Quartal die Nacht in Wien 94,88 € und damit praktisch gleich viel wie im Vergleichszeitraum 2009. Im Vergleich dazu verrechnete die teuerste Stadt der Welt, New York, im Schnitt 164 € pro Zimmer, laut www.hotel.info sogar 194,49 €.

-kof-

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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