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Stille Wasser sind „in“

02.09.2005

Mit dem richtigen Marketing lässt sich auch in kühlen Sommern der Mineralwasserumsatz steigern.

Der Mineralwasserkonsum der Österreicher hat im ersten Halbjahr 2005 nahezu stagniert. Der Absatz erhöhte sich nur geringfügig um 0,4 Prozent auf 322,6 Mio. Liter, nachdem er von Jänner bis Juni 2004 von 355 auf 321,2 Mio. Liter deutlich gesunken war. Hauptgrund für den Konsumrückgang des Vorjahres war der wechselhafte Sommer gegenüber den Hitzeperioden des Jahres 2003. Insofern sind auch die Aussichten für das heurige Jahr nicht allzu optimistisch.
Ganz abgesehen davon, dass der Trend zum Leitungswasserkonsum in der Gastronomie weiter anhält.
2-Phasen-Plan
Grund genug also für den heimischen Mineralwasser-Marktführer Vöslauer mit einer gezielten Marketing-Kampagne den heimischen Wirten unter die Arme zu greifen. Konkret werden von Mitarbeitern eines so genannten V-Teams zwischen Anfang Mai und Anfang November rund 7.000 Gastronomen (Kunden aller Mineralwasserabfüller) in ganz Österreich besucht – vom Würstelstand bis zum Haubenlokal. „Die ganze Aktion passiert in zwei Wellen. Phase eins der Erstbesuche ist abgeschlossen, dieser Tage beginnt Phase zwei, bei der wir die Gastronomen, die unsere Tipps beherzigen wollen, ein zweites Mal besuchen, um den Erfolg zu überprüfen“, erklärt Wanda Schulte, die gemeinsam mit ihrer Teamleiter-Kollegin Melanie Tichowitsch österreichweit 15 V-Team-Mitglieder managt.
Welche Aufklärungsarbeit bei diesem Thema nötig ist, sahen die V-Team-Mitarbeiter im Zuge ihrer Besuche bald. „Im Durchschnitt haben die Betriebe rund 30 Prozent Leitungswasser ausgeschenkt und damit auch verschenkt“, so Schulte, „wobei der ‚Rekord‘ bei 60 Prozent Leitungswasser lag“. Zu einem Verkauf von Leitungswasser rät Schulte aber trotzdem nicht. Der Aufwand, der dem Wirten auch bei Leitungswasser entstehe, sei dem Gast kaum zu vermitteln, die Geld-für-Leitungswasser-Diskussion sei für die meisten Gäste auch keine Preisfrage, sondern ein prinzipielles Problem.
Preisfrage
Allerdings gebe es sehr wohl Mittel und Wege den Mineralwasserabsatz um bis zu 20 Prozent zu steigern, und das wollten die V-Teams den Gastronomen eben vermitteln. Dazu gehöre etwa überhaupt das Anbieten von Mineralwasser ohne Kohlensäure. Gerade in manchen Betrieben auf dem Land sei das noch lange nicht gang und gäbe und dadurch hätte der Gast, der kein CO2 mag, gar keine Alternative zum Leitungswasser. Aber auch Kombiangebote, bei denen etwa eine Flasche Mineralwasser zu einer Flasche Wein oder ein Glas zu einer Tasse Kaffee besonders günstig angeboten wird, hätten sich als zielführend erwiesen. Oder eine Flasche Wasser, die bei Ankunft des Gastes bereits in einem formschönen Kühler samt einigen Gläsern auf dem Tisch steht mit einem – wiederum – günstigen Preisschild daran, um den ersten Durst zu löschen. „Denn natürlich ist es auch eine Preisfrage. Wenn eine große Flasche Mineralwasser fünf Euro kostet, dann ist die Gratis-Alternative Leitungswasser, das bei uns noch dazu ja von hervorragender Qualität ist, schon verlockend“, gibt Schulte offen zu. Eine generelle Empfehlung, Mineralwasser deutlich billiger anzubieten, gibt sie hingegen nicht. Denn für die endgültige Kalkulation sei letztlich der Gastronom verantwortlich, in diese Kompetenz wolle man nicht eingreifen.
Insgesamt sei die Aktion – und natürlich auch die bereitgestellten Werbe- und Kommunikationsmittel – von den kontaktierten Gastronomen jedenfalls äußerst positiv aufgenommen worden, etlichen sei die Problematik auch erst anlässlich des V-Team-Besuches klar geworden.

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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