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Stolzer Donaustädter im Zirkuszelt

15.12.2008

Franz Hillinger ist ein engagierter Gastgeber mit vielen Talenten. Mit seinem Catering hat er sich neben dem Hotel und dem dazu-gehörigen Restaurant ein drittes Standbein geschaffen, das ihm nicht nur zusätzlichen Umsatz, sondern auch viel Freude bringt.

Als Franz Hillinger 1978 unmittelbar nach Abschluss des Moduls in den elterlichen Betrieb einstieg, handelte es sich dabei um ein gut-gehendes, kleines Hotel mit 37 Zimmern und einer dazugehörigen Gastwirtschaft. Im Laufe der folgenden 30 Jahre hat Hillinger den Betrieb kontinuierlich ausgebaut und modernisiert. Seit 1990 engagiert er sich auch als Caterer für diverse Großveranstaltungen – vom Champions-League-Auftritt des SK Rapid bis zum Cirque de Soleil. Doch die größte Investition des Unternehmens steht noch aus. Im kommenden Jahr will Hillinger ein zweites Hotel mit 90 Zimmern errichten.

Unique: Wir befinden uns im VIP-Zelt des Cirque de Soleil. Stellt ein so außergewöhnlicher Zirkus auch außergewöhnliche Anforderungen an den Caterer?

Hillinger: Ja natürlich, aber auch die Gäste selbst haben sehr hohe Ansprüche. Einerseits kosten die VIP-Karten viel Geld, andererseits ist das Niveau der Caterer in Österreich in den letzten Jahren stark gestiegen. Uns ist ganz wichtig, dass unser Essen genauso außergewöhnlich ist, wie die Inszenierung des Cirque de Soleil. Schließlich geht es bei so einer Veranstaltung vor allem darum, den Gesamteindruck des Events zu verstärken und nicht primär um die Verköstigung hungriger Gäste. Auch die leckersten Schnitzerln wären hier fehl am Platz, weil wir die Gäste mit etwas Exotischem auf die Reise in die Traumwelt des Cirque de Soleil einstimmen wollen. Und dann versuchen wir immer, so viel wie möglich so frisch wie möglich zuzubereiten. Der Aufwand dafür ist natürlich ein bisschen höher, aber die Gäste wissen das – ob bewusst oder unbewusst – sehr zu schätzen.

Wie kommt man eigentlich an solche Großaufträge?

Also beim Cirque de Soleil handelt es sich um eine echte Herzensangelegenheit, seit ich vor knapp 20 Jahren den Zirkus das erste Mal gesehen habe. Ich habe mich da also aktiv beworben und mittlerweile schon deren vierten Wien-Auftritt betreut. Bei normalen Caterings schaut das anders aus. Schließlich hat sich der Catering-Markt in Wien in den letzten Jahren stark gewandelt. Als ich 1990 damit angefangen habe, gab es nur das Scampi-Catering, zwei oder drei Großhotels und einen damals recht kleinen Mitbewerber namens Do & Co. Danach ist der Markt regelrecht explodiert, aber es sind auch immer mehr unseriöse Kleinstanbieter aufgekommen, die das Preisniveau gedrückt haben. Wir haben uns also zunehmend auf Groß-Caterings, wie etwa den VIP-Bereich bei den Rapid-Champions-League-Spielen konzentriert, denn 2.500 Gäste auf Top-Niveau zu bewirten, das können halt nur wenige. Trotzdem sind unsere laufenden Fixkosten minimal. Das Equipment haben wir uns im Laufe der Zeit angeschafft, und die Mitarbeiter werden ja nur für die jeweilige Veranstaltung angeheuert. Wichtig ist halt, dass man über die Jahre einen Stamm an verlässlichen Mitarbeitern aufgebaut hat, auf die man jederzeit zurückgreifen kann.

Vor dem Zelt steht ein schwarzer Hummer mit dem Kennzeichen „W HILL 22“. Was hat es mit dem ­auffälligen Auto und dem Kennzeichen auf sich?

Ich bin ein überzeugter Donaustädter, deshalb habe ich statt „HILL 1“ „HILL 22“ als Nummer gewählt. Als ich vor gut zehn Jahren mit Gretel Weiß im Rahmen einer Foodservice-Exkursion in Dallas war, habe ich mich in dieses Auto verliebt und es mir einige Jahre später auch geleistet. Es macht echt Spaß, ab und zu damit zu fahren. Außerdem ist es gleichzeitig super fürs Marketing, weil das Auto einfach immer auffällt. Gerade bei größeren Veranstaltungen darf man ja als Caterer oft nicht aktiv Werbung für sich machen. Aber wenn der Hummer vor der Tür steht, weiß jeder, dass hier der Hillinger catert.

Neben dem Catering und Hotel betreiben Sie ja auch noch ein Restaurant, das Sie echt aktiv ­vermarkten.

Viel Laufkundschaft haben wir hier in Aspern nicht, also muss man sich immer wieder etwas überlegen, um Gäste aktiv anzusprechen. Derzeit bieten wir etwa einen All-inclusive-Brunch am Sonntag an, und haben jedes Mal 160 Gäste im Lokal. Dann habe ich mir vor ein paar Jahren eine großzügige Premiere-Sportsbar installieren lassen, die auch ihr treues Stammpublikum gefunden hat. Außerdem haben wir regelmäßig größere Hochzeiten im Haus. Das sind alles Geschäftsfelder, um die man sich aktiv kümmern muss, doch es zahlt sich aus.

Und wie schaut das Hotelgeschäft aus? Ihr Haus liegt ja doch – ohne abwertend zu klingen – in der ­Peripherie.

Unser Haus hat von Anfang an hauptsächlich Geschäftsleute beherbergt, die ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis und eine günstige Verkehrsanbindung gesucht haben. Das ist noch heute so. In fünf Minuten ist man auf der Tangente, in zwanzig Minuten im Stadtzentrum. Aber natürlich muss ich unser Angebot aktiv vermarkten. Wer glaubt, dass man Marketing oder Vertrieb außer Haus geben kann, täuscht sich gewaltig. Wir hatten vor einigen Jahren kurzfristig so eine Vertriebspartnerschaft, aber schlussendlich stehen da Kosten und Nutzen in keinem Verhältnis. Viel wichtiger sind ein attraktiver Online-Auftritt und Internet-Buchungssysteme. An Wochenenden und Feiertagen, wenn es kaum Geschäftskunden gibt, arbeiten wir auch viel mit Reisebüros und Busunternehmen zusammen, um die angepeilte Auslastung von rund 75 Prozent zu erreichen.

Wie sehen Sie die Zukunft des Hotelgeschäfts in Wien?

Die schaut zumindest mittel- und langfristig eigentlich sehr gut aus. Allerdings wird meiner Meinung nach das Wachstumspotenzial im rein touristischen Segment überschätzt. Als Wirtschaftsstandort hat Wien jedoch noch große Perspektiven. Auch ich will noch einmal groß investieren. Wir werden nächstes Jahr unsere Kapazität um 90 Zimmer auf 140 Zimmer vergrößern. Wir haben mit derzeit 50 Zimmern eine langfristig problematische Betriebsgröße. In Zukunft werden vor allem zwei Betriebstypen reüssieren: kleine, individuelle Boutique-Hotels und größere Häuser mit mehr als 100 Zimmern. Alles, was dazwischen liegt, wird sich schwer tun, weil die laufenden Betriebskosten pro Zimmer für ein 50-Zimmer-Haus deutlich höher sind als bei einem doppelt so großen Haus.

Ist so eine Investition, die ja fast eine Verdreifachung Ihres Angebots darstellt, nicht trotzdem riskant? Wie wollen Sie Ihre hohe Auslastung beibehalten?

Kurzfristig wird die Auslastung sicher heruntergehen, aber nach ein, zwei Jahren wollen wir wieder bei 75 Prozent liegen. Und auch die Kalkulation ist sehr konservativ angelegt, schließlich will ich auch weiterhin gut schlafen. Allerdings gehen wir beim Bau des Hauses neue Wege. Das Hotel wird aus 45 vorgefertigten Container-Einheiten bestehen, die jeweils zwei, schon fix und fertig eingerichtete Zimmer beinhalten. Erstens können wir so die Errichtungskosten um gut 20 Prozent senken, und zweitens verkürzt sich die Bauzeit auf nur rund vier Monate. Auch ich kann die Zukunft nicht vorhersagen, aber das Risiko dieser Investition hält sich in Grenzen. Für meine eigene berufliche Perspektive müsste ich das alles nicht tun, aber ich habe ja auch zwei Kinder. Schlussendlich will ich einen Betrieb hinterlassen, der so aufgestellt ist, dass er eine attraktive Zukunftsperspektive hat.*

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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