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Stromtanken beim Wirt

01.04.2010

Saft fürs Auto aus der Dose – benötigt wird eine private Stellfläche und eine wetterfeste, fachmännisch installierte Steckdose, dann steht der kostenlosen Serviceleistung nichts mehr im Wege.

Die Stromtankstelle ist ein kostenloser Service für die Gäste im Landhotel Forsthof in Sierning/OÖ

Die Zukunft fährt mit Strom. Zwar sind es noch nicht allzu viele, die mit elektrischen Autos fahren, aber heimische Gastronomen und Hoteliers denken schon heute an den Service von morgen und rüsten ihre privaten Parkplätze zu Elektrotankstellen um. „Auch in den nächsten 20 bis 30 Jahren wird die Zahl der Elektroautos überschaubar bleiben", ist Steffan Kerbl, Leiter der ÖAMTC-Testabteilung, überzeugt. Im Prinzip kann jeder Gastronom auf seinen privaten Stellflächen eine Elektrotankstelle errichten, wobei Kerbl nicht von einer Tankstelle sprechen möchte, sondern vielmehr von einer Stromentnahmestelle.


Nachhaltigkeit im Nahverkehr

Laut Steffan Kerbl benötigt der Gastronom nur ein Elektrokabel und eine wetterfeste Steckdose, die ein konzessionierter Elektriker installieren muss. „Die Kosten für die Errichtung einer Stromentnahmestelle mit entsprechenden Bodenmarkierungen belaufen sich auf 300,– bis maximal 1.500,– Euro", schätzt Kerbl und ergänzt: „Der Gastronom muss sich im Klaren sein, dass es sich nur um ein Zusatzangebot handeln kann, mit dem er kein Geld verdienen kann."

Dem Thema „Nachhaltigkeit im Nahverkehr" will sich nun der Ökogastronom und Hotelier Reinhold Baumschlager vom Landhotel Forsthof in Sierning/Oberösterreich widmen. Bereits seit mehreren Jahren hat er ein Erdgasauto im Betrieb. Nun hat er eine Elektrotankstelle angeschafft. Vier Autos können an dieser Tankstelle direkt beim Hotel in knapp sechs Stunden aufgeladen werden. Diese Tankstelle steht nicht nur seinen Kunden zur Verfügung, sondern wird auch bald seine neue Elektroautoflotte betanken, die demnächst zehn Autos der Marke Fiat umfassen soll. Diese will er nicht nur für seinen Betrieb nützen, sondern auch an Unternehmer aus der Region vermieten. So lässt sich mit „Nachhaltigkeit im Nahverkehr" auch noch ein kleines Geschäftsmodell entwickeln. All dies tut Baumschlager aber vor allem in der Überzeugung, dass eine saubere Umwelt in der Region die Grundvoraussetzung für einen florierenden Tourismus ist. „Die Stromtankstelle ist ein kostenloser Service für unsere Gäste, die bei uns essen oder nächtigen. Die Stromkosten für das Aufladen eines Autos betragen zirka drei Euro.

Ich darf für die Stromabgabe keinen Cent verlangen, da die Energieversorger ein Monopol auf den Stromverkauf haben", erklärt Baumschlager. Womit jede Standleitungsverlegung für Bankomatkassen obsolet ist.

Befürchtungen, dass eine Stromtankstelle die Stromkosten explodieren lässt, zerstreut Kerbl ebenfalls: „Bei einer durchschnittlichen Verweildauer des Gastes von zwei Stunden, in der auch das Auto geladen wird, fallen Kosten an, die sicher unter dem Trinkgeld liegen. Ich schätze sie auf maximal zwei Euro." Für Stromtankstellen beziehungsweise -entnahmestellen gibt es noch keine gesetzlichen Rahmenbedingungen, auch Förderungen sind derzeit noch keine angedacht.

Franz Pernkopf, Gasthof Grünberg am Traunsee, plant die Errichtung einer Elektrotankstelle für Mopeds und Elektroräder, eine für Autos befindet sich in Vorbereitung. „Wir möchten dies unseren Gästen als Dienstleistung zur Verfügung stellen. In Traunkirchen ist bereits ein Elektroauto unterwegs", sagt Pernkopf. Er plant die Eröffnung seiner Elektrotankstelle für Fahrräder und Mopeds mit Anfang Mai. „Die Anschaffungskosten dafür belaufen sich auf rund 3.000,– Euro", so Pernkopf. Sinn machen Stromentnahmestellen entlang von Fahrradrouten. „Elektrofahrräder sind bereits im Handel erhältlich, und ich kann mir durchaus vorstellen, dass unter anderem junggebliebene Senioren mit dem Elektrofahrrad zum Beispiel von Passau nach Wien fahren. Dann wird der Gasthof mit der Elektrotankstelle einen Wettbewerbsvorteil haben. Die Kosten für das Beladen eines Fahrrades betragen rund 30 Cent. Der Gewinn liegt sicher beim Wirt", meint Kerbl. Derzeit bietet Florian Weitzer im Hotel Daniel in Graz seinen Gästen als neuen Service – er war der erste, der Vespas vermietete – das Bikeboard als umweltschonendes Fortbewegungsmittel an.
„Die Bikeboards, die an jeder Steckdose aufgeladen werden können, sind als Ergänzung zu unserer Vespa-Flotte gedacht. Unsere Gäste probieren auch gerne mal etwas Neues aus und flitzen jetzt, wo es Frühling wird, mit den Bikeboards durch die Stadt. Ich darf sie derzeit auf Grund der gesetzlichen Lage nur an meine Hotelgäste vermieten", erklärt der Grazer Hotelier Florian Weitzer.

Irene Stelzmüller

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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