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Die Seele baumeln lassen und dabei so richtig sündigen: Deswegen kommen die Kunden in die urbanen,  offenen Kuchenbars wie die Pure Living Bakery. Foto unten: die „Ursprungsfiliale“ in der Wiener Altgasse.

Süß, bunt, girly, lovely!

18.12.2014

Das traditionelle Wiener Kaffeehaus hat Konkurrenz bekommen. Quirlige, bunte und ausgefallene Kuchenbars haben in ganz Wien Wurzeln geschlagen.

Text: Sonja Dries

 

Dunkler Holzboden, enge Fensternischen, Marmortische und Polstermöbel, Kellner, die den Wiener Schmäh leben und eine geschichtsreiche Schwere, die sich über alle Räume legt, so kennt man das traditionelle Wiener Kaffeehaus. In immer mehr Ecken der Hauptstadt öffnen jedoch kleine Cafés, die ein Gegenmodell zu dieser österreichischen Institution entwickelt haben. Sie sind international, offen, bunt. Das Personal ist übermäßig freundlich und locker, die Speisen eine Fusion-Küche aus amerikanischer Bakery, französischem Café und österreichischer Konditorei.

Bereits 2007 eröffnete in der Altgasse in Hietzing die Pure Living Bakery – Village. Für die Inhaberin Kirsten Pevny waren die ersten Jahre „beinhart“, wie sie selbst sagt. Der Wienerin, die als Flugbegleiterin bei der Lufthansa gearbeitet hatte, blies ein ordentlicher Gegenwind entgegen, als sie versuchte mit ihrem Lokal ein bisschen Leichtigkeit in die Wiener Kaffeehaus-Szene zu bringen. Der amerikanisch anmutende Stil stieß auf Skepsis, genau wie das angloamerikanische Bedienkonzept mit Bestellen an der Theke und dann Bedienung. Pevny dekorierte das Café mit allerlei Mitbringseln, die sie von ihrer Zeit als Flugbegleiterin vor allem aus den USA mitgebracht hatte. Das Mobiliar und die Industrielampen kommen aus verschiedensten Teilen Europas, die Bilderrahmen aus Kapstadt. Besonders viel Zeit und Training wurde und wird noch immer in die Mitarbeiter investiert. Laut Pevny ist es nämlich gerade in Österreich extrem wichtig, freundliches Personal zu haben, das den Gast beim Eintreten begrüßt oder einfach nur mal anlächelt. Auch die Karte unterscheidet sich vom traditionellen Kaffeehaus. Bagels, schwere, üppige Torten, Milkshakes und Smoothies stehen zur Auswahl, alles ohne Konservierungsstoffe, aber mit viel Zucker. Kalorienarme und leichte Speisen sucht man vergebens. Der Kaffee kommt aus einer Rösterei in Hamburg, hinter der Theke stehen nur ausgebildete Baristas.

 

Heim- und Fernweh
In der Anfangszeit waren es vor allem ausländische Kunden, die in die Pure Living Bakery kamen. Nach einer längeren Gewöhnungsphase trauten sich aber auch immer mehr österreichische Gäste hinein, vor allem Studierende und Weitgereiste. Der Erfolg stellte sich ein, und 2013 eröffnete die Filiale Downtown in der Burggasse. Pevny, die bis dahin noch alles selber gebacken hatte, engagierte einen Bäcker, der die Speisen jetzt exklusiv nach ihren Rezepten zubereitet. Auch heute überwiegen in der Burggasse noch die ausländischen Gäste, über 50 Prozent der Kunden sind englischsprachig. Es sind vor allem Amerikaner, Neuseeländer und Australier, die beruflich für eine gewisse Zeit in Österreich leben und ihr Heimweh in der Bakery lindern wollen.

 

Zurücklehnen und schlemmen
Die Seele baumeln lassen und dabei so richtig sündigen kann man allerdings auch noch in anderen Locations in Wien. So backt die ehemalige Architektin Eva-Maria Trimmel, genannt IiF, veganen Apfel-Streuselkuchen, Cheesecake und Banana Bread in ihrem Kuchenladen Fett + Zucker nahe des Karmelitermarkts. Irgendwo zwischen London und Paris findet man sich in Rori’s Finest Sweets wieder, auch wenn man eigentlich in der Pilgramgasse in Margareten steht. Zitronentarte, Schoko-Mousse, Kekse und Cup-Cakes sind hier Programm. Die kleinen, ursprünglich in einer Tasse gebackenen Kuchen sind auch namensgebend für eine Kuchenbar in Wien-Alsergrund. In der Cupcakes Manufaktur kann man die in der hauseigenen Backstube täglich frisch zubereiteten Küchlein genießen.

Dass das Wohlfühl-Konzept, die mühsame Kalorienzählerei einfach mal zu vergessen, aufgeht, zeigt auch die Eröffnung der dritten Filiale der Pure Living Bakery. Das Cottage wird im April im 18. Bezirk eröffnet, und Kirsten Pevny will noch weiter hinaus. In den nächsten Jahren sollen weitere Bakeries über die Grenzen Österreichs hinaus entstehen.

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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