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Synergieeffekte statt Konkurrenzdenken

08.09.2011

Radfahren ist ein neuer Urlaubstrend. In der weltweit größten E-Bike-Region Kitzbüheler Alpen und Kaisergebirge  können nun auch konditionsschwache Radfahrer mit dem E-Bike höher gelegene Berghütten erklimmen

Neun Tiroler Tourismusverbände haben sich zur weltweit größten E-Bike-Region der Welt zusammengeschlossen

Was 2009 als kleine Region mit 40 E-Bikes, zur Verfügung gestellt von der Firma movelo, begann, hat sich mittlerweile zur größten E-Bike-Region der Welt entwickelt: Im Herbst 2010 haben sich neun Tiroler Tourismusverbände – Kitzbüheler Alpen-Brixental, Kitzbüheler Alpen St. Johann in Tirol, Ferienregion Hohe Salve, Kitzbühel Tourismus, Wilder Kaiser, Ferienland Kufstein, Pillerseetal, Wildschönau und Kaiserwinkl – unter dem Motto „Synergieeffekte statt Konkurrenzdenken" zur größten E-Bike-Region der Welt zusammengeschlossen. Dazwischen bringen 1.000 Kilometer vernetzte Radrouten sowie 800 Kilometer Mountainbike-Trails Radfans in die Gänge. Den Gästen stehen 440 E-Bikes an über 180 Verleih- und Wechselstationen zur Verfügung. Damit können sie 70 spezielle Ausflugsziele mit Akku-Wechselstationen erobern.

Radeln zum Wirt am Berg

Kitzbühel ist seit Jahren die Drehscheibe für Hobbyradfahrer und Bikeprofis, und als Mitglied der E-Bike-Region ist die Gamsstadt wieder einmal Vorreiter eines neuen, sanften Trends. „Mit den E-Bikes gelangen auch weniger konditionsstarke Radfahrer aus eigenem Antrieb, jedoch mit „Rückenwind" auf Almen, zu Bergseen, Hütten und Aussichtsplätzen. Allein in Kitzbühel gibt es drei Shops und acht Hotels, die E-Bikes zum Verleih anbieten. Im Hotel Schwarzer Adler gibt es E-Bike-Schnupperangebote: Der Gast kann eine Stunde lang das E-Bike gratis testen und dann entscheiden, ob er es mieten möchte. Die Tagespauschale kostet in der gesamten Region 22 Euro", erklärt Claudia Waldbrunner, Kitzbühel Tourismus/Marketing.

Eine Akkuladung reicht für 40 bis 60 Kilometer, und leer gefahrene Akkus können gratis und problemlos an den Wechselstationen, wie zum Beispiel im Berggasthof Hagstein, getauscht werden. „Wir bieten unseren Gästen seit dem Jahr 2010 diesen Service; wir haben Stammgäste, die vom Auto auf das E-Bike umgestiegen sind und von Kitzbühel direkt zu uns heraufradeln. Zu uns kommen auch E-Biker, die von St. Johann in Tirol losgefahren sind und bei uns den Akku tauschen. Obwohl sie nicht warten müssen, bis ihr Akku geladen ist, nützen viele Radfahrer den Akkuwechsel für eine kleine Rast und genießen unsere hausgemachten Schmankerln wie Kaiserschmarrn mit Apfelmus oder das Wiener Schnitzel. Das Fleisch dafür kommt von unseren eigenen Schweinen, die wir noch selber schlachten. Beliebte Durstlöscher bei den Radfahrern sind der Melissen- und Waldmeistersaft oder der Hollersaft.

Ich pflücke im Frühjahr Holunder und Melisse und setze diese als Sirup an. Bei uns gibt es keine Convenienceprodukte, wir backen sogar das Brot selber. Ich habe bis vor Kurzem gar nicht gewusst, dass es Kaiserschmarrn schon als Fertigprodukt gibt", meint Doris Zehentner vom Berggasthof Hagstein. Durch das E-Bike können auch nichtgeübte Radfahrer höher gelegene Ziele mit ein bisschen Strampeln erreichen. „Radfahren ist derzeit ein touristischer Megatrend. Mit dem E-Bike können Personen unterschiedlicher Kondition das gleiche Leistungsniveau erreichen und somit wieder miteinander Radfahren. In fünf bis zehn Jahren wird es Standard sein, dass alle Fahrräder mit einem E-Motor ausgestattet sind", ist Günther Aigner, verantwortlich für Sport und Eventmarketing Kitzbühel Tourismus, überzeugt.

Sportgeschäfte bitte übernehmen

Auf einer der zahlreichen E-Bike-Ausflugsrouten in den Kitzbüheler Alpen – Kaisergebirge kann der Gast im Hotel Reitlwirt in Brixen nicht nur den Akku tauschen, sondern auch E-Bikes mieten. „Derzeit befindet sich die E-Bike-Region im Aufbau. Die Fahrräder werden von den Hoteliers und Gastronomen vermietet, aber der Bedarf an Fahrrädern wird steigen und dann müssen die Sportgeschäfte den Verleih übernehmen. Wir haben derzeit zwei Fahrräder; benötigen wir einmal mehr, borgen wir uns diese in den umliegenden Hotels aus. Viele Holländer nützen den Urlaub, um das E-Bike auszuprobieren, bevor sie sich zu Hause eines kaufen.

Wir haben Familien zu Gast, deren Kinder die Bike-Academy besuchen und für sich selbst E-Bikes für drei oder vier Tage buchen, um auch einmal höher gelegene Almen und Käsehütten zu erklimmen", meint Alois Wahrstätter, Hotel Reitlwirt. Der Gast, der im Sommer ins Brixental kommt, ist sportlich, geht wandern, Golf spielen und Rad ­fahren. „Besonders die jungen Leute entdecken wieder die Alpen als Urlaubsziel. Dies liegt auch daran, dass sie mehr Sport betreiben. Bei uns können sich die Gäste seit 2010 auch E-Bikes ausborgen. Wir haben Stammgäste, die nun bis zu viermal im Jahr zum Radfahren kommen – nur wegen der E-Bikes! Wir haben deshalb auch ein eigenes Radfahrerpackage geschnürt, das zusätzlich zur Übernachtung mit Halbpension die Miete des E-Bikes für zwei Tage inkludiert. Wir haben drei Fahrräder und ein Mountainbike sowie einen Kindercruiser, der an das Fahrrad angehängt werden kann", erklärt Andreas Beihammer, Hotel-Restaurant Loipenstub’n.

Radln mit Ökostrom

„Rund 20 Prozent aller Nächtigungen Tirols werden auf dem Gebiet der neun Tourismusverbände der E-Bike-Region Kitzbüheler Alpen – Kaisergebirge generiert. Dies zeigt, wie wichtig Regionalitätsdenken ist. Große Tourismusregionen mit gebündelter Finanzkraft und gemeinsamen Marketingaktivitäten werden sich künftig am Markt behaupten. Und mit diesem Projekt sind wir ganz vorne mit dabei", ist Max Salcher, Vertreter der E-Bike-Region Kitzbüheler Alpen – Kaisergebirge überzeugt. Um die Nachhaltigkeit des Projekts E-Bike-Region Kitzbüheler Alpen- Kaisergebirge weiter zu unterstützen, wurde nach Energieversorgern und E-Mobilitätsdienstleistern gesucht, die diese ökologischen Ideen teilen. Diese fanden sich in der TIWAG-Tiroler Wasserkraft AG, der ÖkoEnergie Tirol GmbH und der ElectroDrive Tirol GmbH. Sie sind nun seit dem Sommer 2011 Kooperationspartner. So möchte man in den nächsten Jahren gewährleisten, dass alle E-Bikes dieser Region mit 100 Prozent Ökostrom aus CO2-freier Tiroler Kleinwasserkraft versorgt werden.

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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