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Taxifahrer bekommen den Kaffee zum halben Preis

21.06.2005

Die Jugendlichen schätzen frühmorgens die warme Küche nach durchtanzten Disconächten, die Senioren treffen sich einmal im Monat zur Jause mit Wiener Musik und bekommen zum Abschied eine Blume geschenkt, und für Taxifahrer kostet der Kaffee die Hälfte. Das Café Falk in Kagran in Transdanubien ist eine Institution.

Das Café Falk in Kagran in Wien-Donaustadt ist eine Insitution. Gegründet wurde es von Wolfgang Falks Großeltern 1928 als Café Kagran. Mit der Übernahme durch den Vater Hubert Falk, einem gelernten Elektroingenieur, wurde es am 1. Jänner 1962 zum Café Falk, das heute vom Kagraner Platz nicht mehr wegzudenken ist. Sein Sohn Wolfgang lernte dadurch von klein auf den Kaffeehausbetrieb kennen, lernte Koch und Kellner und war Lehrling im Hotel Imperial.

Kaffee auf drei Ebenen
Durch den frühen Tod des Vaters musste Wolfgang Falk den Betrieb 1984 übernehmen. Damit verbunden war gleichzeitig eine Generalsanierung des Erdgeschosses, in der Folge der Ausbau des Kellers und seit 1998 gibt es im Obergeschoß den Bierstock. „Bei uns gibt es seit zehn Jahren 24 Stunden warme Küche. Dies war gar nicht so leicht durchzusetzen, aber mit zwei Konzessionen – einer für das Café und einer für die Bar – können wir rund um die Uhr offen halten“, erklärt Wolfgang Falk, nebenbei begeisterter Harley Davidson-Fahrer und aktiver Sportler. „Ich selbst bestreite Marathonläufe, rauche nichts und trinke nichts, denn sonst würde ich das anstrengende Nachtgeschäft nicht durchhalten“, betont er, steht er doch nachts von 18 Uhr bis zum Morgengrauen in seinem Café. Falk unterstützt darüberhinaus den Triathlon, eine Randsportart. „Der Kaffeesieder hat auch eine soziale Aufgabe zu erfüllen. Und wie hat schon mein Vater gesagt: Gäbe es mehr Kaffeehäuser, bräuchte man weniger Psychiater. Und auch ich freue mich immer wieder, wenn suizid-gefährdete, depressive Menschen mein Lokal mit einem Lächeln verlassen und wieder Freude am Leben haben“, schildert Falk zufrieden, der offensichtlich viel Freude an seinem Beruf hat: „In einer Café-Nacht haben wir sicher mehr Spaß zusammen als eine Büroangestellte in einem Monat“, erzählt Falk, der 17 Angestellt hat und betont, dass gutes Personal für das Geschäft unerlässlich ist, denn Kontinuität schätzen die Gäste ganz besonders.

Seniorenjause
Bekannt ist das Café Falk auch als das Taxifahrer-Café. „Bei uns bekommen die Taxifahrer den Kaffee zum halben Preis. Das hat mein Großvater eingeführt und ich setze diese Tradition fort“, so Falk, der aber auch über ein etwas rückläufiges Nachtgeschäft klagt, weil die Leute ganz allgemein weniger Geld ausgeben. Besonders die Jugend liebt am Wochenende das Angebot der warmen Küche zwischen vier und sechs Uhr in der Früh, wenn sie aus der Disco kommen.
Einmal im Monat gibt es bei uns die von meiner Mutter Franziska organisierte Seniorenjause mit Wiener Musik und Wiener Liedern. „Da kommen rund 70 bis 80 ältere und wie zur Sonntagsmesse herausgeputzte Damen. Die Herren fehlen. Die Melange kostet den Normalpreis, die Mehlspeise gibt es zum Gebäckspreis, und zum Abschied gibt es für jede Dame noch ein Stamperl und eine Schnittblume“, erzählt Wolfgang Falk. Kulinarisch hat der Gast die Wahl zwischen einem dreigängigen Tages-Menü, einem Lunch-Teller mit Hausmannskost oder dem speziell kreierten Mittagsmenü.

Jugend trinkt nicht
„Der Spirituosenkonsum ist gleich null. Zum einen haben die Leute weniger Geld, andererseits denken sie an die 0,5 Promille.
Die Jugend trinkt schon gar nichts mehr, da sie mit dem Probeführerschein unterwegs ist - und da heißt es 0,0 Promille. Doch dies gleicht sich wieder durch den Kaffeekonsum und die Bestellungen von heißer Schokolade aus“, weiß Falk aus Erfahrung.
Und die vierte Generation Falk wächst auch schon heran. Tochter Carina absolviert die Gastronomiefachschule am Judenplatz in Wien und möchte im Café mitarbeiten.

Café Falk, Wolfgang Falk, 1220 Wien, Wagramer Straße 137, Tel. 203 31 25, www.cafefalk.at

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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