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Besonders Nachtlokale leiden momentan unter dem Rauchverbot

Teilweise Umsatzeinbußen, wenige Beschwerden, Hoffnung auf Normalisierung

22.11.2019

Drei Wochen nach Inkrafttreten des Rauchverbots in der Gastronomie fallen die Reaktionen unter den Wirten gemischt aus.

Das Feedback sei "breit gestreut", sagt Peter Dobcak, Spartenobmann in der Wiener Wirtschaftskammer. Neben Shisha-Bars dürfte derzeit vor allem die Nachtgastronomie mit einem spürbaren Kundenschwund konfrontiert sein. Ähnliches hört man auch aus anderen Bundesländern.

Diejenigen, die schon vorher auf rauchfrei umgestellt hatten, spüren natürlich kaum Veränderungen – und machen denen Hoffnung, die bisher sehr wohl Umsatzeinbußen hinnehmen müssen. Daniel Landau vom Café Tachles im zweiten Bezirk in Wien hatte 2015 auf rauchfrei umgestellt. Daraufhin kam es kurzfristig zu Umsatzrückgängen. Doch das habe man schnell „mehr als eingeholt“.

Übel sieht es besonders bei den Nachtgastronomen aus, die beklagen laut Dobcak in Wien Umsatzeinbrüche zwischen 15 und 25 Prozent. Auch "Vorstadtbeisln" seien überdurchschnittlich betroffen – weil deren Stammkundschaft sehr oft Raucher sind. Nicht nur in Wien: "Also für kleine Wirte wie mich ist es fast der Tod", sagt Werner Scandella, Inhaber des Gasthaus Schäfle in Dornbirn, gegenüber "Vorarlberg Online". "Es sind zwar noch einige Stammgäste da, aber sie bleiben nicht mehr so lange.“ Und das obwohl er vor dem Lokal eine Heizung angebracht habe. "Sie bleiben nicht mehr drei, vier Stunden, sondern nur eineinhalb Stunden", so Scandella. Ähnliches berichten viele andere Wirten kleinerer Lokale, in denen die Küche nicht im Vordergrund steht. Shisha-Bars spüren die neue Regelung erwartungsgemäß besonders. Dobcak spricht von einem Minus von bis zu 95 Prozent.

Hoffnung auf Normalisierung

Aber auch Peter Dobcak geht davon aus, dass sich die Situation nach einer gewissen Zeit wieder normalisiert. Erfahrungen aus anderen Ländern würden das nahelegen. "Die Leute werden draufkommen, dass es lustiger ist, gemeinsam draußen zu stehen, statt allein daheim zu sitzen", zeigte sich Dobcak optimistisch. Außerdem gebe es auch Wirte, die positive Effekte spüren und bereits "eine neue Gästeschicht lukrieren" hätten können. "Man muss ja auch sagen, dass schon vor dem Gesetz mehr als 60 Prozent der Wiener Lokale rauchfrei waren."

Überraschend wenige Beschwerde

Weit weniger Konflikte als befürchtet dürfte es jedenfalls zwischen Nachtlokalen und Bewohnern geben. "Die Anrainer zeigen sich sehr kooperativ", erklärt Dobcak die bisher geringe Beschwerdelage. Auch mit der Disziplin der Wirte selbst ist er sehr zufrieden. Laut Zahlen des Marktamts zu Wochenbeginn gab es bei bisher 2.058 Kontrollen 27 Anzeigen wegen illegalen Rauchens. "Das ist gar nichts", lobte der Spartenobmann seine Zunft.

Bald Entscheidung zu Shisha-Bars

Am 25. November beschäftigt sich der Verfassungsgerichtshof einmal mehr mit dem Rauchverbot in der Gastronomie. Zwei Anträge von Shisha-Bar-Betreibern wenden sich gegen dieses. Argumentiert wird, dass niemand zu einem anderen Zweck, als eine Wasserpfeife zu rauchen, in eine solche Bar gehe. Das angefochtene Rauchverbot sei daher aus der Sicht dieser Gastgewerbebetriebe unverhältnismäßig. Ein Antrag der sogenannten "Nachtgastronomie" auf eine Ausnahme war im Oktober gescheitert. 

Autor/in:
Thomas Askan Vierich
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