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Terroir, bitte! Der Rum macht plötzlich einen auf Wein

13.10.2020

Die karibische Aromen-Fülle – auch wenn längst nicht alle Rums von den Antillen stammen – fängt den Sommer im Glas ein. Doch Vorsicht: Süße ist nicht das einzige Kriterium für das Rum-Angebot an der Bar. 

Wie ein flüssiges „Bounty“ kann der Rum sein, aber der Karibik-Brand schmeckt bisweilen auch nach würzigem Eichenholz wie bei einem Räucherstäbchen. Diese Vielfalt macht den Reiz dieser Kategorie aus, auch wenn sich noch nicht überall herumgesprochen hat, dass man ihr die gleiche Aufmerksamkeit widmen sollte wie dem Whisky. Denn auch hier macht das Fass viel vom Aroma aus. 
Dazu stellen immer mehr Hersteller-Länder stolz die Herkunft heraus. Rechtlich heißt das „GI“ (=„geographical indication“, geschützte Herkunftsbezeichnung). Die Regelungen sollen die Individualität des Rums stärken. So wird etwa in Martinique und Guatemala die nationale Herkunft des Zuckerrohrs gefordert, in Jamaika ist Aufzuckern nicht zulässig und Kuba regelt sogar die Temperatur bei der Reifung (15 Grad) per Gesetz. 

Tropische Nase

Kennt man diese Profile, lässt sich an der Bar mit den unterschiedlichen Herkünften punkten. Jamaica-Rum etwa erinnert mit seinen Frucht-Ester-Noten an die tropische Nase eines Weißbiers. Im spanischen Stil, den etwa Kuba, Venezuela oder die Dom. Republik pflegen, wird man derlei schwer finden; hier gilt balancierte Süße á la Milchschokolade als Charakterzug. 
Dass die EU im Mai 2021 auch den Zuckergehalt beim Rum auf 20 Gramm pro Liter limitiert, wird den trockenen Stilen weiter Auftrieb geben. Doch Vorsicht: Der heimische Gast liebt seinen tropisch-fruchtigen Rum, der ihn an den Urlaub erinnert. Es braucht also zumindest zwei unterschiedliche Rums für den Pur-Genuss. Die Orientierungshilfe für Ihre persönliche Auswahl hat die ÖGZ!

ÖGZ-Sieger 2020: Rum

Plantation: Zurückgenommene Süße holt „Goldene“

Das Haus Ferrand pflegt als Abgeber gebrauchter Cognac-Fässer gute Beziehungen zu den besten Destillerien der Karibik. Alexandre Gabriel hat verschiedene alte Destillate mit außergewöhnlicher Aromen-Vielfalt entdeckt: Die Serie Plantation war geboren. 

Rosinen-Duft, trockene Zimtrinde, aber auch pikante Noten von Bratensaft und eingelegtem grünem Pfeffer machen neugierig. Trocken und sehr lebendig, „hat den Zug zum Tor“, die Süße setzt erst spät ein, dafür mit eleganter Edelholz-Note gegen Ende.

Rum Plantation // Rum ­Plantation Xaymaca Special Dry / 43 % ­Jamaika / www.ferrand-spirits.de 

 

Plantation: Zurückgenommene Süße holt „Goldene“
Mount Gay: „Goldener“ für Cognac-Freunde

Bekannt wurde Mount Gay durch US-Segelsportler, die in den 1920er-Jahren das Gebiet um Barbados entdeckten. Der Rum spiegelt das karibische Flair von Sonne, weißen Stränden und türkisblauem Meer wider und steht für Lebensfreude, Leidenschaft und Genuss. 

Ungewöhnliches Duftbild, das Muskatnuss, Trauben-Nuss-Schokolade und Kokos verbindet. Filigraner Charakter am Gaumen, dabei viel Geschmack, erinnert er mit der herb-würzigen Art an die skandinavischen „Pepparkort“-Kekse. „Schön und individualistisch.“ 

Mount Gay // Mount Gay Black ­Barrel / 43 % / Barbados www.topspirit.at

 

Mount Gay: „Goldener“ für Cognac-Freunde
Diplomático: ÖGZ-Gold für aromatisch dunklen Typus

Der „Diplomático Single Vintage“ ist das Ergebnis einer Selektion jener Rum-Reserven, die sich am besten entwickelten: Nach zwölf Jahren im Ex-Bourbon- und Malt-Whisky-Fass reifen sie noch in Oloroso- Sherry-Casks, um ihnen das perfekte Finish zu verleihen.

Aus dem anfangs verhaltenen Duft steigen Noten wie Karamell, „Toblerone“-Schokolade und Milchkaffee. Tief dunkle Nuss-Aromatik („fast Ahornsirup!“) am Gaumen, die auch lange nachklingt. Wunderbarer Solist („Sipping Rum“) und ÖGZ-Empfehlung zur Zigarre.

Destilerias Unidas // Diplomático 2005 Single Vintage Rum / 40 %  Venezuela / www.morandell.com

 

Diplomático: ÖGZ-Gold für aromatisch dunklen Typus
Appleton: Würzig und ­balanciert zum ÖGZ-Gold

Der Appleton Estate 21 Years Old bringt die volle Handwerkskunst von Master-Blenderin Joy Spence in beeindruckender Weise zum Ausdruck. Mindestens 21 Jahre lang reift dieser Blend und entwickelt sich dadurch zu einer unvergleichlichen Gaumenfreude.

Geröstete Aschanti-Nüsse, ein Touch Kakao-Likör, allerdings auch zarte Schärfe und Leder im Geruch. Kühler Antritt am Gaumen, der an Eiskaffee erinnert und klare herb-würzige Kante zeigt. Für die ÖGZ „perfekt für eine Mulatta“ und mit Piment im langen Finale. „Chapeau!“

Appleton Estate // Jamaica Rum Rare Limited Edition 21 Years Old  43 % / Jamaika / www.campari.at

Appleton: Würzig und ­balanciert zum ÖGZ-Gold
Relicario: Whisky-trocken zum ÖGZ-Gold

Das Wort „Relicario“ bedeutet im Spanischen ungefähr so viel wie Relikt oder „Stück aus einer vergangenen Zeit“. In der Dominikanischen Republik destilliert, findet dieser Rum über Spanien auf den europäischen Markt und zeigt sich hier als ein Universaltalent.

Tonkabohne, Crème brûlée, Ananas- und Orangenstückchen im Duft. Betont trockenes Mundgefühl, das mit floral-herben Noten – Orangenblüte und Estragon – das Whisky-Finish aufzeigt. Zarter Rauch meldet sich im Abgang des, „sehr eigenständigen, Destillats“.

Relicario // Ron Relicaro 43 % / Dominikanische Republik www.blum-beverages.at

 

Relicario: Whisky-trocken zum ÖGZ-Gold

 

 

Autor/in:
Roland Graf
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