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„Thema“ lautet das Gastro-Thema

22.10.2004

Die ÖGZ bekam kürzlich die Möglichkeit, eine Gastro-Studienreise der deutschen Firma Pencom Ploner Partner, die sich auf solche Reisen spezialisiert hat, nach Los Angeles und Las Vegas zu begleiten. Für heimische Gastronomen ist diese Region ein Mekka: Hier werden noch immer die Trends gesetzt, die einige Jahre später nach Europa kommen, hier wird in höchstem Maße professionell und vor allem gewinnorientiert gearbeitet.

Wer zur Zeit in den USA gastronomisch unterwegs ist, dem fallen vor allem drei Dinge auf: 1) Es werden keine halben Sachen gemacht, ein aufgegriffenes Thema wird bis zur Perfektion im Detail verfolgt.
2) Geld spielt bei der Umsetzung und Einrichtung eines Konzeptes oft nur eine untergeordnete Rolle und
3) die Preise für den Gast sind trotz des günstigen Dollar-Kurses oft schockierend. In der gehobenen (wohl gemerkt nicht Top-Gastronomie) kommt ein Hauptgericht leicht auf 35 Dollar, ein Glas Wein auf zehn Dollar – plus Steuern und Trinkgeld. Die Portionen fallen dabei oft so überdimensional aus, dass drei Gänge nur von Kampf-Essern zu bewältigen sind. Das braucht zwar kaum jemand und die Hälfte am Teller übrig zu lassen (oder ein Doggy-Bag zu verlangen) ist durchaus üblich, aber der Kunde hat das Gefühl, etwas für sein Geld bekommen zu haben. Für den Umsatz ist diese Taktik jedenfalls positiv.
Als „Referenz“ werben zudem viele Lokale gerne damit, dass eines ihrer Produkte von irgendeinem Guide zum besten der Stadt gewählt wurde. „Voted best Cocktails in town“, steht dann etwa am Eingang zu lesen. Kein Mensch kann überprüfen, wer hier Jury gespielt hat oder ob dieser „Führer“ vielleicht gar vom jeweiligen Hotel selbst herausgegeben wird …

Erlebnis wird bezahlt
Der Gast soll bei Laune gehalten werden und aufhören, über das Geldausgeben nachzudenken. Das kann er im Zuge der Kreditkartenabrechnung noch früh genug. Um dieses Ziel zu erreichen, wird nichts dem Zufall überlassen. Die Shopping-Malls in den Hotels von Las Vegas sind riesig, die Verbindungsgänge endlos. Sitzbänke zum Ausrasten? Fehlanzeige. Wenn du müde bist, setze dich in eines der Restaurants oder noch besser ins Casino. Wer nur sitzen möchte, ohne Geld auszugeben, für den ist Vegas der falsche Ort. Aber wer will in dieser Stadt schon rasten? Die Themenhotels sprengen alle europäischen Vorstellungen von Stil oder Größe, sei es das Luxor (ägyptische Pyramide) oder das Excalibur (Ritterburg). Und im Paris, im Monte Carlo, im New York New York oder im Ceasar’s Palace werden eben die jeweils dazupassenden länderspezifischen Motive und Dekorationen bis zum Exzess gespielt. Der Erfolg dieser Konzepte liegt jedenfalls auf der Hand. Denn während das „alte“ Las Vegas mit den aus unzähligen Filmen bekannten Hotels mehr und mehr über günstige Eat-All-You-Can-Buffets versuchen muss, den Kunden zu ködern, spielen die neuen Themenhotels ihre Baukosten von teilweise über zwei Mrd. Doller oft in wenigen Jahren wieder herein.
Und auch die unzähligen Restaurants und Bars werden mit einem unvorstellbaren Aufwand designt. An jedes Detail wird gedacht, selbst Form und Farbe des Strohhalms sind kein Zufall. Aktuellster Trend: begehbare Weinklimaschränke. Überhaupt werden Wein- oder Spirituosenflaschen gerne zu Ausstattungszwecken herangezogen.

Wer den Cent nicht ehrt
Der Gast jedenfalls staunt – und zahlt. Schon weil alle Hotels prinzipiell so verwinkelt angelegt sind, dass man sich ständig in den gigantischen Casinohallen verläuft. Das Fehlen jeglichen Tageslichtes und damit ein Verlust des Zeitgefühls – öffentliche Uhren existieren ebenfalls keine – tut ein Übriges, dass man eher öfter als seltener ein paar Scheine in eine Slotmachine steckt. (Dabei sind die Casinobetreiber nicht wählerisch: Einmal den Hebel ziehen, kann 100 Dollar kosten oder einen Cent. Je nach Maschine. Kein Betrag ist zu gering. Der künstliche Himmel in den Shopping-Malls verkündet dagegen ständig eine frühe Abendstimmung – eben der richtige Zeitpunkt zum Einkaufen.
Wobei neben allen exklusiven Labels auch hier die kleinen Umsätze ihren Platz haben: Alles, was man auf Reisen gerne zu Hause vergisst, kann man in Minigrößen einkaufen: von der Zahnpasta über Tampons bis zum Aspirin.

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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