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Thermen, quo vadis?

27.03.2008

Thermen-Tagesgast versus Hotelgast – nur wer die Bedürfnisse seiner Gäste kennt und sein Angebot danach positioniert, wird wirtschaftlich erfolgreich sein. Warmes Wasser alleine genügt nicht.

Attraktive Rahmenangebote erhöhen die durchschnittliche Verweildauer von Hotelgästen

Innovationen bringen wirtschaftliche Erfolge. Dies gilt nicht nur in der Industrie, sondern auch für Österreichs Thermen. Gehen unsere Thermen nach Veröffentlichung der jüngsten Besucherzahlen durch das Marktanalyse-Institut Kreutzer, Fischer & Partner baden?

Marginaler ­Besucherrückgang
Österreichs Thermen haben 2007 einen Besucherrückgang um 0,2 Prozent auf 7,36 Millionen Eintritte hinnehmen müssen. Ursachen für den Gästerückgang in den Thermen sind laut Untersuchung die vergleichsweise warmen Temperaturen während der Hauptsaison Jänner bis April 2007 und die offenbar sinkende Attraktivität der Thermen.
Ein Thermenbesuch sei nur noch für elf Prozent der Besucher etwas Besonderes, 1999 sei dieser Umfragewert noch bei 44 Prozent gelegen, so das Marktanalyse-Institut Kreutzer, Fischer & Partner. Zurückgegangen sind die Besucherzahlen auch in den Gesundheitsthermen beziehungsweise Kuranstalten (minus 4,6 Prozent gegenüber 2006), in den Erlebnisthermen stagnieren sie.

„Warmes Wasser alleine reicht eben nicht“, weiß Klaus M. Hofmann, Geschäftsführer der Therme Laa – Hotel & Spa und Projektleiter der Therme Seewinkel. Nur wer Qualität bietet, die Wünsche des Gastes kennt und sein Angebot danach positioniert, wird Erfolg haben, ist Hofmann überzeugt.
„In den von Kreutzer, Fischer & Partner veröffentlichten Zahlen orte ich noch kein Problem für die Branche. Die Vamed Vitality World mit ihren sechs Betrieben (Aqua Dome Tirol Therme Längenfeld, Therme Geinberg, Therme Laa Hotel & Spa, Therme Oberlaa – Wien, Dungl Medical-Vital Resort und Gesundheitszentrum Bad Sauerbrunn) hat einen Marktanteil von 20 Prozent, das entspricht jährlich 1,8 Millionen Thermen- und Hotelgästen. Rechnet man dies auf den Gesamtmarkt hoch, sprechen wir lediglich von einem jährlichen Rückgang von 20.000 Besuchern. Die Zahlen sind für mich nicht nachvollziehbar“, betont Klaus M. Hofmann.

Tages- versus Hotelgast
Die Grenzregion „Land um Laa“ im Weinviertel war auf der heimischen Tourismus-Landkarte lange ein weißer Fleck. Seit nunmehr fünf Jahren existiert dort die Therme Laa, welche sich als touristischer Leitbetrieb der Region präsentiert. Drei Jahre nach Eröffnung der Therme wurde das von Architekt Wilhelm Holzbauer konzipierte Design-Wohlfühl-Hotel mit eigenem Spa eröffnet. „Das Hotel würde ohne eigenen Spa-Bereich nicht funktionieren. Die Ansprüche der Thermen-Tagesgäste, die zu 25 Prozent aus der Tschechoslowakei kommen, sind anders gelagert als die der Hotelgäste, die zu 39 Prozent aus Wien und zu 32 Prozent aus Niederösterreich kommen. Dies zeigt sich auch im Erlös der durchschnittlichen Tagesausgaben. Der Thermen-Tagesgast gibt rund 25,– Euro aus, der Hotelgast zwischen 130,– und 150,– Euro“, weiß Hofmann. Anders gelagert ist hier die Therme Geinberg mit ihrem großzügigen Flächenangebot. Dem Hotelgast steht nur ein eigener Liegebereich zur Verfügung. „Mit attraktiven Rahmenangeboten kann man die durchschnittliche Verweildauer der Gäste im Hotel sicher steigern. In der Therme Laa Hotel & Spa ist uns dies gelungen“, freut sich Klaus M. Hofmann. Ähnliches erwartet Hofmann auch von der Therme Seewinkel, die Ende 2009 eröffnet und wo es ebenfalls ein eigenes Hotel mit Spa geben wird. Die Therme mit Hotel liegt mitten im Weltkulturerbe Nationalpark Neusiedlersee an einem Baggersee. „Allzu viel betreffend Spezialisierung möchte ich, schon allein wegen der grenznahen, ausländischen Mitbewerber, nicht verraten, aber wir werden das Thema Wasser inszenieren; die Suiten haben einen direkten Seezugang, und es wird nur Wein aus der Region geben“, erklärt Hofmann. Erwartet werden nach einer gewissen Anlaufphase in der Therme Seewinkel 350.000 Thermen-Tagesgäste pro Jahr und eine Hotelauslastung von 78 Prozent.

Angebot und Nachfrage
„Auch für die Thermen gilt Angebot und Nachfrage. Erfolgreich wird der sein, der Qualität bietet und sich spezialisiert. In der neuen Aqualux Therme in Fohnsdorf liegt der Schwerpunkt auf Familien mit Kindern. Dies wird klar über eigene Angebote definiert“, erklärt Gerald Schaflechner, Direktor der Aqualux Therme. Die Therme verzeichnet derzeit rund 200.000 Besucher pro Jahr. „Wir liegen damit 20 Prozent über den Erwartungen. Noch müssen wir ohne Hotel auskommen, aber diesbezüglich laufen bereits Gespräche. Derzeit fahren wir ein erfolgreiches Partnerschaftskonzept mit den Hoteliers (Vier-Sterne-Hotellerie) und privaten Zimmervermietern (Pensionen) in der Region“, so Schaflechner.

Seit der Eröffnung der Quellenoase, dem Naturbadeteich des Quellenhotels & Spa in Bad Waltersdorf im Oktober 2007 konnten rund 25.000 Eintritte verzeichnet werden, das sind durchschnittlich 230 Hotelgäste pro Tag, was einer Auslastung von 75 Prozent entspricht. Im Jahr 2007 lag die Auslastung des Quellenhotels mit rund 120.000 Nächtigungen bei 92 Prozent. „Mit unserem neuen Herzstück der Quellenoase möchten wir uns auch als Sommerdestination positionieren. Die Buchungen der Gäste erfolgen immer kurzfristiger, dafür kommt es zu mehreren Aufenthalten pro Jahr. Das Ziel, die durchschnittliche Aufenthaltsdauer von 3,2 Tagen zu erhöhen, konnte nun mit 3,4 Tagen bereits verwirklicht werden. Der Anteil der Stammgäste bleibt mit 50 Prozent stabil“, erklärt Direktor Gernot Deutsch.

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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