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Tief ins Glas geschaut – jedem Bier das Seine

05.09.2011

Die richtige Glasform ist essentiell für den perfekten Biergenuss — die Brau Union unterstützt die Gastronomen dabei

Die richtige Glasform ist essentiell für den perfekten Biergenuss — die Brau Union unterstützt die Gastronomen dabei

Egal ob „Krügerl“, „Seiterl“, „Pitcher, „Halbe“, „Maß“, „Pfiff“ oder „Stiefel“ – so vielfältig sich die Braukunst in Europa präsentiert, so unterschiedlich sind auch die Formen und Bezeichnungen für Biergläser. Unterm Strich gilt freilich auch im europäischen Bieruniversum die Grundregel: Jedem Bier sein passendes Glas! Erst im richtigen Glas entfaltet das österreichische Nationalgetränk sein perfektes Geschmackserlebnis. Auch die Bevölkerung steht dem Gedanken der Glaskultur sehr aufgeschlossen gegenüber: Zwei Drittel der Österreicher legen Wert auf die Art des Glases, aus dem sie das Bier trinken.

Unterschiedliche Bierglastypen

Aus dem richtigen Glas getrunken sieht ein Bier nicht nur formschöner aus, es schmeckt auch besser. Deshalb ist es kein Wunder, dass sich ausgerechnet in Europa, dem Kontinent mit tausenden Brauereien, eine gigantische Vielfalt an unterschiedlichen Biergläsern entwickelt hat. Mit dem Siegeszug der Glasproduktion im 19. Jahrhundert wurde auch der Bierkultur neues Leben eingehaucht. Plötzlich waren der Fantasie keine Grenzen mehr gesetzt, was wiederum zu zahllosen regionalen Spezialentwicklungen führte. In Köln etwa setzte sich die kleine, zylindrische „Kölner Stange“ durch. Ein ähnliches Glas, zylindrisch mit maximal 0,3 Liter Inhalt, jedoch etwas gedrungener in der Form, setzte sich im benachbarten Düsseldorf für Altbier durch. Das „Stößchen“ hingegen ist ein ähnlich schlankes, nach oben hin breiter werdendes Glas.

Das heute auf 0,1 Liter geeichte Glas ist typisch für Dortmund. Auch in Österreich gibt es spezielle Gläser für besonders kleine Biermengen. In den meisten Gegenden spricht man hierzulande bei einem 0,176 Liter fassenden Glas von einem „Pfiff“. Manchmal hat dieselbe Bezeichnung auch eine völlig unterschiedliche Bedeutung. Bestellt man in Österreich ein Seiterl, bekommt man ein „kleines Bier“ (0,3 Liter). Ordert man freilich ein Seiterl in Altbayern und Franken erhält man ein Bierglas mit einem Inhalt von 0,5 Liter. In Österreich wiederum wird das 0,5-Liter-Bier als „Krügerl“ oder „Halbe“ bezeichnet.

 

Ästhetik und Geschmack

Österreichs Bierkenner verwenden unterschiedliche Gläser für unterschiedliche Biere vor allem aus zwei Gründen: Ästhetik und Geschmack. 55 Prozent der Österreicher verwenden spezielle Gläser, weil es gut aussieht. 42 Prozent argumentieren mit geschmacklichen Gründen. Überhaupt hat der Alpenraum seine eigenen, ganz speziellen Gläser hervorgebracht. Besonders die Starkbiere wurden in speziell dafür angefertigten Gläsern, den Starkbiergläsern, ausgeschenkt. Sie erinnern an die konisch zulaufenden, nach oben geöffneten Pokale der barocken Fürsten. Eine völlig andere Glaskultur finden wir in Großbritannien. So existiert in England das „Pint“ (0,568 Liter). Im angelsächsischen Raum begegnen wir auch dem „Pitcher“, einem Bierkrug, aus dem in kleinere Gläser eingeschenkt wird.

 

Gerstensaft ist nicht Gerstensaft

Der erfahrene Bierkonsument weiß, dass Gerstensaft nicht gleich Gerstensaft ist. Jedes Bier schmeckt anders – und das sogar von Schluck zu Schluck. Denn der Duft eines Bieres verändert sich, je mehr Raum er zur Entfaltung seiner Aromen erhält. Nur im richtigen Trinkgefäß kann das österreichische Nationalgetränk seinen individuellen Geschmack optimal entfalten. Deshalb, so raten Experten, sollte das Glas – egal ob Seiterl, Becher, Maß oder Flöte – immer auf das jeweilige Bier abgestimmt sein. Eine einfache Faustregel weist schon den Weg: schlanke Gläser für schlanke Biere, für deftigere Biere auch deftigere Gläser.

Die Bedeutung der Glasform ergibt sich beim Bier aufgrund der unterschiedlichen chemischen Zusammensetzung von Bier und Bierschaum. Während im Schaum die Hopfen-Bitterstoffe angereichert sind, besitzt das Bier einen erhöhten Gehalt an Substanzen, die aus dem Malz stammen. Diese sind vor allem für den süßlichfruchtigen Geschmack verantwortlich. Der Relation von Schaum und Flüssigkeit kommt daher eine entscheidende Bedeutung zu: Ein Bier schmeckt aus zylindrischen Gläsern mit hoher Schaumkrone im ersten Moment ganz anders als das gleiche Bier aus einem breiten, kelchartigen Becher mit niedriger Schaumkrone.

 

Auf die Geschwindigkeit kommt es an

 

Darüber hinaus steuert die Glasform auch den Fluss des Bieres und bestimmt damit den Auftrittspunkt auf der Zunge. Das entscheidet dann darüber, ob die Wahrnehmung des Gerstensafts eher süßlich-rund oder hopfig-herb ist. Und: Nur wenn das Getränk die gesamte Zunge ungehindert umfließen kann, kommen alle Geschmackskomponenten voll zur Geltung. Zudem ist die Glasform auch für die Fließgeschwindigkeit des Bieres verantwortlich. Generell gilt: Je langsamer ein Bier fließt, desto eher haben Zunge und Nase die Möglichkeit, den Gerstensaft in all seiner geschmacklichen Vielfalt zu erfassen.

Die Wahl eines falschen Bierglases kann daher im wahrsten Sinne des Wortes bittere Folgen haben: So wirkt etwa ein aromatisches Bier in einem engen Glas wie eine Karikatur seiner selbst, während sich ein dezenter Biertyp in einem großen, nach oben ausgestellten Glas verliert. Deshalb ist es eine wichtige Aufgabe der Brauereien, für ihre Biere auch die individuell passenden Gläser zur Verfügung zu stellen. Eine Aufgabe, die sich in Österreich die Brau Union Österreich seit vielen Jahren auf die Fahnen geschrieben hat. Denn Bierkultur ist immer auch eine Kultur des richtigen Glases.

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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