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„Wir zahlen Landwirten den vierfachen Weltmarktpreis für Gerste“, sagt Martin Lechner

Tiroler Gerste, Tiroler Bier

11.09.2018

Zillertal Bier lässt mit regionalen Partnerschaften bei der Beschaffung von Rohstoffen aufhorchen. Geschäftsführer Martin Lechner im ÖGZ-Interview.

Gebraut mit autochthoner Tiroler Gerste: das Tyroler Imperial Zwickl mit 5,7 %.

Herr Lechner, was bedeutet Ihnen als Privatperson Regionalität?
Martin Lechner: Als Unternehmer kann man meiner Ansicht nach das Private und das Berufliche nicht klar abgrenzen. Ein Unternehmen zu leiten erfordert Leidenschaft und persönliche Überzeugung. Deshalb spiegelt unsere Unternehmensphilosophie auch meine persönliche Philosophie wider. Und die lautet: so regional wie möglich, 100 % natürlich. Es macht in meinen Augen keinen Sinn, Rohstoffe oder Produkte von weit weg zu beziehen, wenn ich sie aus der Nähe in mindestens gleich guter Qualität bekomme. Dieser Gedanke war für uns auch Antrieb 2012 ein Projekt zum Gerstenanbau in Tirol zu starten. Zwei Landwirte kamen damals mit der Idee auf uns zu, zum Bierbrauen eine alte, autochthone Gerstensorte wieder anzubauen. Das klingt im Grunde sehr einfach, war aber wirklich ein umfangreiches Projekt. Angefangen bei der Entwicklung eines eigenen Sudverfahrens für die relativ eiweißreiche Gerste über die Anbaukoordination bis hin zur Schaffung einer Infrastruktur für Reinigung, Trocknung und Lagerung des Getreides. Nach intensiven Bemühungen ist es uns inzwischen aber gelungen, dass 2018 knapp 60 Bauern auf rund 70 Hektar die Fisser Imperial-Gerste in Tirol exklusiv für uns anbauen. 

Schön und gut, aber verteuert der Einsatz von Rohstoffen aus der Region – in Ihrem Fall die Fisser Gerste – das Endprodukt spürbar?
Ein fairer Umgang mit unseren Partnern ist uns wichtig. Wir zahlen den Landwirten den vierfachen Weltmarktpreis für Gerste. So ist der Anbau für sie attraktiv und wir bekommen einen wertvollen Rohstoff direkt aus der Region. Außerdem bleibt so die Wertschöpfung zu 100 % im Land. Unserer Erfahrung nach sind die Gäste aber auch bereit, für eine faire und regionale Spezialität einen moderaten Aufpreis zu zahlen. 
 
Ihre Brauerei fokussiert vertriebsmäßig auf einen Radius von 100 Kilometern rund um die Brauerei. Wie kommt z. B. der Gastronom aus Wien zu Ihren Produkten? Sehen Sie hier Absatzschancen?
Als Tiroler Privatbrauerei sehen wir unsere Stärke in erster Linie in der Region. Durch die Nähe zu unseren Kunden hier können wir ein optimales Frischemanagement gewährleisten und müssen unsere Bierspezialitäten nicht künstlich haltbar machen. Umgekehrt ist es so, dass heimische Gastronomie- und Hotelbetriebe ihren Gästen ein authentisches Trinkerlebnis servieren können. Gäste, die hier Urlaub machen, suchen schließlich auch ein authentisches Genusserlebnis. Nichtsdestotrotz verschließen wir uns anderen Märkten nicht. In der Nähe von Wien haben wir beispielsweise bereits einen Großhändler, der unsere Bierspezialitäten führt. 

Gibt es neue Produkte aus Ihrer Brauerei, die in nächster Zeit rauskommen?
Unsere intensiven Bemühungen rund um den Getreideanbau in Tirol haben sich ausgezahlt, und wir können über eine vernünftige Menge Malz aus der Fisser Imperial-Gerste verfügen. So werden wir in Kürze eine zweite Bierspezialität vorstellen, die zu 100 % aus der in Tirol angebauten Gerste gebraut wird und dabei auch ganzjährig verfügbar ist. Neben gleichbleibend höchster Qualität ist die laufende Verfügbarkeit ein wichtiges Kriterium für unsere Kunden. 

Autor/in:
Alexander Grübling
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