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Prof. (FH) Dr. Marcus Stumpf, Spartenobmann Albert Ebner und Dr. Wolfgang Immerschitt (v. r.) bei der Projektpräsentation.

Tourismus als Arbeitgeber neu positionieren

12.06.2013

Sparte Tourismus und Freizeitwirtschaft in der WKS startet gemeinsam mit FH Salzburg und Kommunikationsagentur Plenos Projekt „Bildung attraktiver Arbeitgebermarken“ – Saisoniers für Tourismuserfolg auch weiter dringend notwendig!

Der Tourismus in Salzburg boomt. Die Zahl der Gäste und Übernachtungen steigt und damit auch der Stellenwert dieses wichtigen Wirtschaftszweiges. Probleme gibt es allerdings bei der Besetzung offener Stellen. Mit dem Projekt „Bildung attraktiver Arbeitgebermarken in der Salzburger Tourismuswirtschaft“ soll dieser Entwicklung entgegengewirkt werden.

„Unser Ziel ist es, einerseits die gesamte Branche mit ihren hervorragenden Berufsperspektiven zu präsentieren, andererseits den rund 9.000 Mitgliedsbetrieben konkrete Hilfestellungen zu geben, wie sie sich besser positionieren können“, erklärt Spartenobmann Albert Ebner. Das Projekt, das jetzt gestartet wurde, bringt Salzburg auch eine Alleinstellung gegenüber allen anderen Bundesländern und Tourismusregionen in Europa. „Ein vergleichbares Projekt gibt es im Tourismus nirgendwo in Europa“, unterstreicht Ebner.

 

Duale Ausbildung

 

Das Projekt verfolgt das Ziel, die Tourismus- und Freizeitwirtschaft insgesamt als Arbeitgeber (neu) zu positionieren – das derzeitige Arbeitgeberimage sei in weiten Teilen überholt. Zudem soll auch die Zahl der Interessenten an einer dualen Ausbildung sowie an einem schulischen bzw. akademischen Bildungsweg gesteigert werden. Das Projekt soll zudem so angelegt werden, dass die Betriebe an der globalen Employer-Branding-Strategie der Sparte andocken und ihrerseits Maßnahmen zur Prägung der eigenen Arbeitgebermarke setzen können. Auf diese Weise entstehen wechselseitige Synergieeffekte, die eine effiziente Kampagne auch effektiv machen.

Durch die internen und externen Kommunikations- und Prozess-Optimierungsmaßnahmen, die mit der Bildung einer Arbeitgebermarke verbunden sind, ergibt sich zudem eine Reihe von Synergieeffekten unter den bestehenden Mitarbeitern:

 

-      Wachsende Mitarbeiterzufriedenheit

-      Höhere Identifikation

-      Steigende Motivation

-      Verringerung von Fluktuation

-      Verringerung von Krankenständen

-      Höhere Leistungsbereitschaft

-      Höherer Output

 

Umgesetzt wird das Projekt von der Sparte Tourismus und Freizeitwirtschaft in der WKS gemeinsam mit Prof. (FH) Dr. Marcus Stumpf, Fachbereichsleiter Marketing und Relation-ship Management an der Fachhochschule Salzburg, und Dr. Wolfgang Immerschitt, geschäftsführender Gesellschafter der Kommunikationsagentur Plenos.

 

Aktuelle Befragung innerhalb der Branche

 

Welche Faktoren machen die Tourismuswirtschaft zu einem attraktiven Arbeitgeber? Wodurch unterscheidet sich die Branche von Mitbewerbern (z. B. Handel oder andere Dienstleistungsberufe) im Wettbewerb um die besten Köpfe? Diesen und weiteren Fragen geht das Institut für Grundlagenforschung im Rahmen des Projektes in einer Befragung von aktuellen Mitarbeitern nach, die im Juni durchgeführt wird. Außerdem werden Schülern befragt, was oder wer ihre Entscheidung für oder gegen eine Ausbildung in einem Hotel oder in der Gastronomie beeinflusst.

Mit den Ergebnissen dieser repräsentativen Umfrage wird ein Kreativkonzept für die Tourismuswirtschaft erarbeitet. Aus den Fokusgruppen mit Branchenvertretern sind dazu bereits interessante Vorschläge gekommen. Beispielsweise wurde die Idee geboren, eine Mitarbeiterkarte für alle 30.000 Beschäftigten in den Tourismusbetrieben zu kreieren, mit denen bestimmte Leistungen bei den Tourismusbetrieben selbst, aber auch in anderen Unternehmen vor Ort vergünstigt in Anspruch genommen werden können. Eine Vielzahl weiterer Ideen werde in den nächsten Wochen intensiv geprüft und dann nach Möglichkeit auch umgesetzt, sagt Ebner.

 

Viele Ideen für Betriebe

 

Ein besonderes Anliegen ist es Spartenobmann Ebner, die in den Fokusgruppen und aus den Recherchen der beiden Experten Stumpf und Immerschitt resultierenden Ideen in einen Pool zusammenzufassen und an die Mitgliedsbetriebe weiterzugeben. Das wird in Workshops geschehen, die in allen Bezirken durchgeführt werden. „Wir stellen dazu eine Broschüre mit Ideen zusammen, die beinhaltet, was andere Arbeitgeber gut machen“, erläutert Kommunikationsberater Immerschitt: „In Gesprächen mit Unternehmen aus allen Branchen in Deutschland und Österreich und Benchmark-Analysen konnten wir die interessantesten Ansätze eruieren.“ Der entstehende Ideenpool ist so angelegt, dass Betriebe die für sie am besten geeigneten Maßnahmen herausgreifen, adaptieren und meist ganz einfach umsetzen können.

Bei den Workshops – die im Juli und September in allen Bezirken stattfinden – werden den Tourismusbetrieben konkrete Ansatzpunkte an allen Kontaktpunkten der Arbeitgebermarke aufgezeigt. Dabei geht es um Handlungsfelder in der externen Kommunikation – also in der Phase, wenn neue MitarbeiterInnen gesucht werden –, in der Startphase – also wenn neue Mitarbeiter eingestellt und eingeschult werden – sowie in der internen Kommunikation. Hier geht es darum, bestehende MitarbeiterInnen an das Unternehmen zu binden. Welche Punkte hier im Detail angesprochen werden, zeigt die nachstehende Grafik.

Die Angst, dass die Bildung einer attraktiven Arbeitgebermarke die Unternehmen finanziell überfordern könnte, zerstreut Prof. Stumpf: „Unsere aktuelle Umfrage unter 300 Betrieben in Deutschland und Österreich zeigt, dass es in erster Linie darauf ankommt, sich mit den Bedürfnissen der Mitarbeiter auseinanderzusetzen. Aufgabe der Betriebe ist es, die Zusatzleistungen, die geboten werden, zu kommunizieren und dabei das Licht nicht unter den Scheffel zu stellen.“ Finanzielle Anreize spielen – das hat die Umfrage gezeigt – dabei keine so dominante Rolle, wie das oft vermutet wird. Auf die Frage, welche Faktoren einen attraktiven Arbeitgeber ausmachen, antworteten die befragten Unternehmen, das Image und Erfolg des jeweiligen Betriebes, die Zusammenarbeit im Team und die Arbeitsplatzsicherheit am meisten geschätzt werde. Auf die Frage, welche Summen sie für das Employer Branding ausgeben würden, lagen die Angaben zwischen einem und maximal fünf Prozent der Lohnsumme.

 

Saisoniers unverzichtbar

 

Trotz intensiver Bemühungen in der gezielten Anwerbung in- und ausländischer Mitarbeitern wird auch in Zukunft an der Beschäftigung von Saisoniers kein Weg vorbeiführen. „Wir lehnen daher das von der Arbeiterkammer Salzburg für die kommende Wintersaison geforderte Nullkontingent kategorisch ab“, betont Ebner. „Ein völliges Aussetzen des Saisonierkontingents würde die Salzburger Tourismuswirtschaft ruinieren!“

AK und Gewerkschaft fordern immer wieder, dass sich die Tourismuswirtschaft Arbeitskräfte vom heimischen Arbeitsmarkt holen soll. Das funktioniert aber leider nicht! Wie eine Studie der WK Salzburg aus dem Februar 2013 belegt, ist der Arbeitsmarkt in der Hochsaison regelrecht leergefegt: Von den 1.220 beim AMS Salzburg gemeldeten österreichischen DienstnehmerInnen waren lediglich 131 „jobready“. Bei den Ausländern (Drittstaaten) von 322 nur 23 und bei Ausländern aus EU-Mitgliedsstaaten 27 von 247. Gleichzeitig hatte die Salzburger Tourismuswirtschaft 977 sofort verfügbare offene Stellen zu besetzen. Der überwiegende Grund für ein Vermittlungshemmnis war eingeschränkte Mobilität gefolgt von Schwangerschaft und anderen Faktoren, die eine Vermittlung verhindern.

„Das Ergebnis beweist, dass die Vermittlung in- und ausländischer Tourismusarbeitskräfte durch das AMS in der Hochsaison einfach nicht funktionieren kann, weil der Arbeitsmarkt leergefegt ist. Wir können daher auch in Zukunft nicht auf Saisoniers verzichten! Ein Nullkontingent wäre ein absoluter Alleingang Salzburgs und würde zu einem erheblichen Wettbewerbsnachteil gegenüber anderen Bundesländern und Tourismusregionen führen“, betont der Spartenobmann. „Ich fordere daher die Verantwortlich in der AK Salzburg dringend auf, ihre Argumentation noch einmal zu überdenken!“ Bliebe die AK dabei, würde das den wichtigen Arbeitgeber Tourismus ins Mark treffen. „Das kann sicher nicht das Ziel einer verantwortungsvollen Interessenpolitik sein!“, resümiert Ebner.

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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