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Tourismus: Grenzüberschreitende 230 Kilometer

11.10.2016

Touristiker aus Salzburg und Oberösterreich zeigen mit Kollegen aus Bayern, wie man grenzüberschreitend ein Projekt umsetzt. Der SalzAlpenSteig führt vom Chiemsee bis ins Salzkammergut.

Die Kulisse ist prächtig: Ein idyllisch gelegener See, in dem jede Menge quicklebendig umherschwimmender Fische zu sehen sind und in dessen glasklarem Wasser sich die Gipfel der ringsum gelegenen Berge spiegeln. Was nach einem kleinen Paradies abseits der Zivilisation klingt, liegt in Wahrheit nur ein paar Kilometer von der Tauernautobahn entfernt. Wir sind mit Heimo, unserem Wanderführer, im Bluntautal bei Golling im Tennengau unterwegs. Er führt uns durch einen der insgesamt 26 „Salzalpen-Rundwege“. Sie führen durch Orte, die am 230 km langen SalzAlpenSteig liegen. Dieser wiederum ist Kernstück einer Idee, an der Touristiker aus Salzburg, Oberösterreich und dem benachbarten Bayern jahrelang gefeilt haben.

Geschichte erwandern

„Die Idee war, die jahrtausendelange Geschichte des Salzabbaus in unserer Region für Wanderer erlebbar zu machen“, erklärt Franz Pölzleitner, Tourismusmanager im Salzburger Tennengau. „Wir wollen damit den Genusswanderer ansprechen mit einem Wandersteig in mittlerer Höhenlage.“ Ziel ist es, dass möglichst viele Gäste auch mehrere Tage im selben Ort übernachten. Herausforderung war, einen derart langen Wanderweg mit Zertifizierung in relativ kurzer Zeit umzusetzen. Dabei mussten einige Hürden überwunden werden. Laut Deutschem Wanderinstitut darf ein zertifizierter Wanderweg nur sehr beschränkt auf befestigten Wegen verlaufen – zusammenhängende Wegabschnitte, die asphaltiert sind, dürfen nie länger als jeweils 1,2 Kilometer sein. Die harte Arbeit und die Ausdauer der Touristiker hat sich bezahlt gemacht. Im Mai 2015 haben die Verantwortlichen vom Deutschen Wanderinstitut die Zertifizierungsurkunde erhalten.

Schwierige Verhandlungen

Zuvor mussten weitere Hindernisse und Schwierigkeiten überwunden werden. Tourismuschef Franz Pölzleitner: „Da sind zuallererst die Verhandlungen mit den Grundbesitzern entlang der Strecke zu nennen. Auf dem österreichischen Abschnitt hatten wir den Vorteil, dass sehr viel im Besitz der Bundesforste ist. Die sind zwar harte Verhandler, doch brauchte es hier nur wenige Ansprechpartner – in der Regel waren das der Forstmeister und seine Förster. Die Bundesforste haben klare Vorgaben – vor allem darf der Forstbetrieb durch die Wanderer nicht beeinträchtigt werden. Diese Gespräche waren alle sehr sachlich. Viel schwieriger war das bei privaten Grundbesitzern, was vor allem den bayerischen Teil des SalzAlpenSteiges betroffen hat. Da waren sehr viele persönliche Gespräche mit den einzelnen Grundbesitzern nötig. Im Salzburger Teil musste nur in einem einzigen Fall eine Änderung der Streckenführung vorgenommen werden. Trotzdem war das alles viel Arbeit.“ Auch bei der Markierung habe man umdenken müssen, ergänzt Pölzleitner: „In Österreich ist die Beschilderung zentrales Element der Kennzeichnung, in Deutschland lautet die Vorgabe hingegen, dass sich der Wanderer anhand der Markierung zurechtfinden muss. Und da wurde am Anfang aus Zeitdruck auch zu wenig mit den Grundbesitzern gesprochen.“

EU zahlt 60 Prozent 

So sorgte die eine oder andere Markierung für Ärger. Inzwischen sind die Probleme aber ausgeräumt. Mit dem „Zipfer Tourismuspreis“ für besonders innovative Tourismusideen haben die Verantwortlichen jedenfalls schon eine erste wichtige Anerkennung für ihr Projekt erhalten. Von knapp einer Million Euro, die die sechs beteiligten Tourismusregionen in den SalzAlpenSteig investiert haben, steuerte die EU 60 Prozent an Förderungen bei.

 

Autor/in:
Gerhard Reiter
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