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Tourismus im Zeichen des Klimawandels

09.01.2019

Vom Naturpark-Tourismus bis hin zur Sommerfrische 2.0: Über die Folgen des Klimawandels und die daraus resultierenden Zukunftsprognosen für die Branche sprachen Experten bei der elften Mostviertler Nachhaltigkeitskonferenz in Wieselburg. Hier die wichtigsten Ergebnisse. 

 

Längere Sommer-, kürzere Wintersaison
  • Es wird noch wärmer: Als Folge des globalen Klimawandels prognostiziert Michael Hofstätter von der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) einen Temperaturanstieg (in NÖ) um 2,3 bis 4 Grad Celsius bis zum Jahr 2100. Die Anzahl der Hitzetage nimmt signifikant zu und erreicht im Mittel 15 Tage pro Sommer.
  • Die Wintersaison verkürzt sich: Die Frosttage nehmen im Winter von 75 auf 67 Tage ab. Durch den Temperaturanstieg wird sich die Schneedeckendauer in Lagen unter 1.000 Meter deutlich verkürzen – und somit auch die Skisaison. Hofstätter prognostiziert eine Abnahme der Schneemenge von 20 % bis 50 % bis ins Jahr 2100.
  • Die Natur verändert sich: Die Vegetationsperiode wird sich in Zukunft stark verlängern, und der Beginn wird sich im Mittel vom 30. März auf den 18. März verfrühen. Hier besteht die Gefahr einer massiven Zunahme der potenziellen Verdunstung.
Längere Sommer-, kürzere Wintersaison, by t.vierich
Sommerfrische 2.0: Hitze als Entwicklungspotenzial für den Sommertourismus
  • Stadtnahe Tourismusdestinationen im Aufschwung: Alexandra Jiricka-Pürrer von der Universität für Bodenkultur prognostiziert ein Revival der Sommerfrische. Mit fortschreitendem Klimawandel nehmen die Hitzetage zu, woraus sich gerade bei Großstädtern Hitze als Motiv ergibt, die Stadt im Sommer zu verlassen. Daraus entstehen Chancen für stadtnahe Tourismusdestinationen.
  • Spontane Reiseentscheidungen: Der Trend zu spontanen Reiseentscheidungen bei Hitzewellen kann von Touristikern gezielt genutzt werden. Wichtig seien kurze Reisedistanzen ans Ziel – dann ist eine mehrmalige Rückkehr in die Region möglich.
  • Einfache Anreise: Der Schlüssel zur Sommerfrische sei die einfache Anreise. Viele Großstädterinnen und Großstädter besitzen kein Auto mehr, da seien Touristiker gefragt: Die Fahrt in die Region ist im Idealfall umstiegsfrei, einfach und günstig.
  • Gute Vermarktung: Touristiker können Hitzetage zur kurzfristigen Vermarktung nutzen und die Abkühlungssuchenden mit gezielter Ansprache locken. Ein Beispiel hierfür sei Schweiz Tourismus: Verschiedene Hochsommer-Highlights werden beworben, in denen konkret das Bedürfnis nach Abkühlung und Erfrischung angesprochen wird. Auch das Gegenteil kann funktionieren, indem das Thema Sommerfrische zum Leitmotiv wird. Die Wiener Alpen positionieren sich beispielsweise schon länger als Sommerfrische-Destination und ergänzen das mit einem Kunst- und Kulturangebot.
Sommerfrische 2.0: Hitze als Entwicklungspotenzial für den Sommertourismus, by t.vierich
50 Shades of green: So funktionieren Naturparks als touristisches Angebot
  • Was Naturpark-Gäste wollen: Im Vordergrund steht die „unberührte“ Natur, einzigartige Erlebnisse, gepaart mit tiefen Einblicken in Natur und Region, so Andrea Adler-König, Tourismusberatung adler-marketing aus der Steiermark. Mindestens genauso wichtig seien auch persönliche Begegnungen, authentische, freundliche Gastgeber und ein gutes Gastro-Angebot – regional, saisonal, originell und genussvoll.
  • Was Naturparks bieten sollten: Die Rechnung sei einfach, so Andrea Adler-König: Gast + Naturpark + Naturvermittlung. Hierfür spielen Naturpark-Gastgeber die größte Rolle. Ihre Aufgabe sei es, über Naturjuwele zu informieren, Erlebnis-Führungen anzubieten und bei der Gastronomie auf den Rhythmus der Natur zu achten. Naturparks müssen spür- und erlebbar sein – durch Themenwege, beschilderte Streuobstwiesen mitten im Ort etc. Es ist wichtig, alle wesentlichen Naturpark-Botschafter einzubinden: Gemeinden, Landwirte, Produzenten, Vereine, Jäger. 
  • Wie man Naturpark-Gastgeber einbindet: In der Steiermark gibt es 70 zertifizierte Naturpark-Gastgeber, die von Andrea Adler-König seit über 15 Jahren gemeinsam mit Alois Wilfling betreut werden. Langfristigkeit und Geduld seien für ein solches Projekt wichtig. Man müsse große Zeiträume in der Entwicklung einräumen. Aber: Naturpark-Partnerschaften sollen nicht gekauft werden können. Wichtig sei es zudem, Trittbrettfahrer und grüne Mascherlträger zu vermeiden. 
50 Shades of green: So funktionieren Naturparks als touristisches Angebot, by t.vierich
Naturparks zwischen Erholung und Naturschutz: Tipps für die Praxis
  • Gute Erreichbarkeit: Naturparks verfügen über gekennzeichnete und offensichtliche Zugänge – auch die öffentliche Anreise spielt eine immer größere Rolle: Urlauber müssen direkt verstehen, wie sie ans Ziel kommen, so Hermann Sonntag vom Naturpark Karwendel.
  • Gute Inhalte: Naturparks müssen einen wirklichen inhaltlichen Mehrwert liefern und einen emotionalen Mehrwert für die Besucher generieren, indem beispielsweise unterschiedliche regionale Akteure zusammengebracht werden.
  • Gute Distanz: Naturparks seien anders als klassische Tourismusregionen zu betrachten. Die Rücksichtnahme auf andere Naturnutzer sei wichtig. Es gibt definierte Naturräume, die bewusst nicht beworben werden sollen, um die Naturparks zu schützen.
  • Gute Zusammenarbeit: Naturparks sollen zwar die Kooperation und Abstimmung mit den touristischen Akteuren suchen, aber sich nicht als zusätzlicher Tourismusverband positionieren. Hier sei wichtig, dass jeder weiß, was seine Rolle ist.
     
Naturparks zwischen Erholung und Naturschutz: Tipps für die Praxis, by t.vierich
Autor/in:
Jasmin Kreulitsch
Original erschienen am 09.01.2019: Gast.
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