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Tourismusausbildung von morgen

12.12.2006

Die Basis der vorliegenden Ergebnisse bildet eine Befragung von 1.257 SchülerInnen über deren Erfahrungen und beruflichen Schlussfolgerungen ihrer verpflichtenden Ferialpraxismonate, eine Befragung von 309 AbsolventInnen heimischer Ausbildungsstandorte über deren Karriereplanung und Karriereverhalten nach Beendigung ihrer Tourismusausbildung sowie die aktuelle Befragung von 224 heimischen TourismusmanagerInnen über die Beurteilung der Stärken und Schwächen der einzelnen heimischen Ausbildungsebenen.

Ergänzt wurden einzelne Themenbereiche mit Ergebnissen weiterer touristischer Ausbildungsstudien des Wirtschafts- und Unterrichtsministeriums. Die Hauptergebnisse lassen sich in drei Kernpunkten zusammenfassen:

• Stärkung der dualen Ausbildung mit gleichzeitiger Anpassung der inhaltlichen Qualifizierung der Tourismuslehrlinge auf das Niveau der Berufsbildenden Mittleren Schulen.
• Halbierung der fachpraktischen Ausbildung an fünfjährigen Tourismusschulen und Konzentra­tion auf dienstleistungsorientierte Soft-Skills.
• Deutlichere Abgrenzungen zwischen tertiären Weiterbildungsangeboten.
Die Studien zeigen zudem, dass sich der touristische Arbeitsmarkt und die vielen schulischen Ausbildungen nicht weiter ergänzen und viele Standorte an der Realität vorbei ausbilden. Dabei kann auf Basis der Befragung heimischer Tourismusmanager­Innen ein klarer Trend skizziert werden: Die Fachbereiche Hotellerie, Gastronomie und Reisebüro werden fast ausschließlich mit Tourismuslehrlingen und alle weiteren Managementbereiche mit AbolventInnen tertiärer Ausbildungen besetzt. Eindeutige Verlierer der bisherigen Ausbildungsschablone sind die Tourismusfachschulen, die maturaführenden Tourismusschulen und die Kollegs für Tourismus.
Duale Ausbildung als Gewinner
Eines vorweg: Natürlich gibt es noch die Karriere vom Tellerwäscher zum Hoteldirektor, aber in Zeiten der Akademisierung des Tourismusmanagements wird es ohne qualifizierte Weiterbildung immer schwerer. Dennoch zählen die AbsolventInnen der dualen Ausbildung zu den Gewinnern der vorliegenden Studie. Besonders angerechnet werden den zukünftigen Touristikern ihre hohe Fachkompetenz durch die betriebliche Ausbildung, die von den Lehrlingen auch international durch zahlreiche Preise eindrucksvoll bestätigt wird.
Eindeutiger Schwachpunkt und Hindernis für weiterführende Karrieren sind fehlende Sprachkompetenzen und Defizite im Bereich der Soft-Skills (Präsentation, Rhetorik etc). Stellt man dem die als besonders kritisch bewertete fehlende Fachpraxis der Tourismusfachschulen gegenüber, ergeben sich hier deutliche Synergieeffekte durch die Zusammenführung der beiden Ausbildungen in Form eines zweistufigen Verfahrens: zunächst die Formulierung gemeinsamer Ausbildungsstandards mit anschließender Auslagerung der fachpraktischen Ausbildung ausschließlich an die Unternehmen (mit verpflichtender Auslandspraxis und Betriebsrotation). Am Ende dieses Prozesses sollte eine optimierte – den Fachschulen gleichgesetzte – Ausbildung der Tourismuslehrlinge im Bereich Allgemeinbildung, Sprachkompetenzen und Skills stehen, die sie einerseits auf internationale Karrieren noch besser vorbereitet und andererseits auch weiterführende Ausbildungswege (Erwerb einer Matura) durch Anrechnung von Ausbildungsjahren berufsbegleitend ermöglicht.
Die frühe Qualifizierung des Tourismusnachwuchses könnte bereits im Abschlussjahr der Schulpflicht erfolgen: Das sogenannte polytechnische Jahr könnte bereits an einer Fachschule oder Berufsschule in Form inhaltlicher Trainings mit Fachpraktika erfolgen, nach einem weiteren Ausbildungsjahr würde der Umstieg auf maturaführende Ausbildungen angerechnet werden.
Neuorientierung der Tourismusschulen
Keine andere Ausbildungsebene wurde schlechter als die maturaführenden Tourismusschulen in Bezug auf die Entwicklung am Arbeitsmarkt bewertet. Selbst- und Fremdbild unterscheiden sich hierbei deutlich. Durch die Überbewertung der fachpraktischen Ausbildung (sechs Monate verpflichtende Ferialpraxis für SchülerInnen als Billigarbeitskräfte für den Sommertourismus und Abschlussprüfung als Teil der Matura) wird der Eindruck vermittelt, dass die AbsolventInnen überhaupt vor einer touristischen Karriereplanung stehen. Genau das muss aber – abgesehen von einzelnen renommierten Ausbildungsstandorten – klar verneint werden. Der überproportional vertretenen Praxisausbildung stehen in den gesamten fünf Ausbildungsjahren insgesamt nur neun Stunden (!) inhaltliche Schwerpunktausbildung zu einzelnen Tourismusthemen gegenüber.
Die ursprüngliche Idee dieser standortbezogenen Ausbildungsschwerpunkte war die inhaltliche Besetzung von regionalen Nischen bei gleichzeitiger Hinführung der MaturantInnen an tertiäre Weiterbildungen im Tourismus. Immer mehr Ausbildungsstandorte reduzieren jedoch autonom touristische Unterrichtsfächer zugunsten verstärkter bilingualer Allgemeinbildung als vermeintliche Antwort auf den globalisierten Tourismusarbeitsmarkt und vermitteln dadurch, dass die touristische Karriereplanung der AbsolventInnen ohnehin kein primäres Anliegen darstellt. Alleine 42,32 % der TourismusexpertInnen meinten, dass bilingualer Unterricht in dieser Ausbildungsstufe „übertrieben“ ist. Weitere 33,46 % meinten, dass durch englische Arbeitssprache wesentliche Inhalte verloren gehen.
Die Konsequenz aus der vorliegenden Studie könnte die Umwandlung mancher neuer Ausbildungsstandorte in sogenannte Höhere Lehranstalten für Dienstleistungen sein. In diesen wird in deutlich geringerem Umfang fachpraktisch lediglich am Beispiel des Tourismus ausgebildet. Die frei werdenden Einheiten werden zu Unterrichtsfächern wie Teamwork, Präsentation und Kommunikation etc. umgestaltet. Ergänzend sollte eine verpflichtende Studie über Relevanz und Potenziale für AbsolventInnen mit Karriere- und Lehrplanevaluierung in fünfjährigem Abstand unter Mitwirkung von Partnerunternehmen eingefordert werden, damit Ausbildungen, die an der touristischen Realität vorbeigehen wie z. B. „Management im Tourismus“, keine falschen Jobhoffnungen wecken.
Tertiärisierung des Tourismus
Durch die Einführung der international vergleichbaren Bakkalaureatsausbildungen und Masterstudien im Tourismus zählen neben den Tourismusschulen auch die Kollegs für Tourismus zu den Verlierern der durchgeführten Untersuchung. Ursprünglich sollten MaturantInnen nichttouristischer Ausbildungen (z. B. AHS) in nur vier Semestern auf das Niveau von AbsolventInnen der Tourismusschulen gebracht werden. Durch die Verschiebung der Eingangsvoraussetzungen im Tourismusmanagement zugunsten von Fachhochschulen, Universitätslehrgängen und Universitätsstudien kommen immer mehr AbsolventInnen der Tourismuskollegs karrieremäßig zu kurz. MaturantInnen heimischer Schulen kann daher im Zuge dieser Studie nur empfohlen werden, eine nur zwei Semester längere Ausbildung mit internationalem Abschluss an den vielen neuen Ausbildungsstandorten zu beginnen. Die frei werdenden Kapazitäten an den Tourismuskollegs könnten durch die verstärkte internationale Ausrichtung und durch weiterbildende Qualifizierung der AbsolventInnen der dualen Ausbildung genutzt werden.
Der Trend der Tertiärisierung der Tourismusausbildung spiegelt sich im verstärkten Angebot an neuen Ausbildungen wider, die aber auch zu Irritationen der befragten TourismusexpertInnen geführt haben. So bieten Fachhochschulen, Universitätslehrgänge, neue Tourismusuniversitäten und die traditionellen Universitäten gleichlautende Bakkalaureatsausbildungen und Masterabschlüsse im Tourismus an. Dabei kommt zumindest aus Sicht der befragten Unternehmen der einheimische akademische Tourismusnachwuchs angesichts der vielfach ausschließlich auf internationale Zielgruppen ausgerichteten Angebote zu kurz, auch, weil diese Ausbildungen finanzielle Hürden für österreichische MaturantInnen darstellen. Die Konzentration einzelner Standorte auf heimische StudentInnen und deutscher Arbeitssprache wird ausdrücklich gefordert.
Kompetenzzentrum für Tourismusausbildung
Angesichts der vielen Ausbildungsmöglichkeiten und kompetenzmäßig in verschiedenen Ministerien und Interessensvertretungen angesiedelten Ausbildungsebenen empfiehlt die Studie die Einführung einer Stabstelle für Tourismusausbildungen in Österreich. Oberste Priorität dabei sollte die gemeinsame Evaluierung und Vernetzung der Lehrplaninhalte – auch der eLearningangebote – und die Chancenanpassung der AbsolventInnen aller Ausbildungsstufen im internationalen Vergleich haben. Wie eine neue Ausbildungslandschaft im Tourismus mit dem obersten Ziel aufbauender und durchlässiger Ausbildungen unter dem Aspekt des lebenslangen Lernens aussehen könnte, ist im Chart oben dargestellt. Die tertiären Ausbildungsstandorte könnten in diesem Zuammenhang eine federführende Rolle bei der gemeinsamen notwendigen inhaltlichen Aus- und Weiterbildung der LehrerInnen der Sekundarstufen im Tourismus übernehmen.

Mehr Infos: www.tourismusausbildung.at

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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