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TOURISMUSBERICHT 2003: Österreichs Fremdenverkehr in Zahlen

18.01.2005

Österreich hat seine Spitzenposition im internationalen Tourismus im Jahr 2003 ausgebaut: 19,1 Millionen Gäste aus dem Ausland, um 2,5 % mehr als 2002, besuchten heimische Hotels, Pensionen, Ferienwohnungen und Campingplätze. Die Zahl der Nächtigungen stieg um 1 % auf 118 Millionen, der Umsatz um 4,2 % auf 17,87 Mrd. €.

Der Tourismus wuchs sechsmal schneller als die Gesamtwirtschaft mit 0,7 %. Die Pro-Kopf-Einnahmen der Österreicher aus dem internationalen Reiseverkehr nahmen 2003 um 2,6 % auf den Spitzenwert von 1.515 € zu. Es folgen die Schweiz (1.118,7 €), Dänemark (1.077,7 €), Island (986,7 €) sowie Belgien-Luxemburg (927,3
€), der Europäische Durchschnitt lag bei 458 €. Dies geht aus dem Tourismusbericht 2003 hervor, den Wirtschaftsminister Bartenstein dem
Nationalrat kürzlich vorlegte.

Addiert man die Ausgaben in- und ausländischer Gäste, die
Freizeitaufwendungen der Österreicher am Wohnort und die Ausgaben für
Dienst- und Geschäftsreisen erhält man für das Jahr 2003 eine Summe
von 48,41 Mrd. €. Der Anteil der Tourismusausgaben heimischer und
ausländischer Gäste am BIP betrug 2003 9,6 %, unter Einbeziehung des
Freizeitkonsums der Inländer um Wohnort erreichte die Branche einen
BIP-Anteil von 17,9 %.

Die gesamte Wertschöpfung, die von der Tourismus- und
Freizeitwirtschaft in Österreich 2003 ausging, beziffern Experten mit
42,6 Mrd. € bzw. 19 % des BIP. 56,6 % davon entfallen auf den
Reiseverkehr, der Rest auf den Freizeitkonsum der Österreicher am
Wohnort. Dienst- und Geschäftsreisen bleiben dabei unberücksichtigt,
weil sie statistisch zur Wertschöpfung anderer Branchen zählen.

Profitiert hat Österreich im Jahr 2003 von Qualitäts- und
Strukturverbesserungen sowie von seinem Image als qualitativ
hochwertiges und zugleich sicheres Reise- und Urlaubsland. Die
wechselkursbedingte Verbilligung von Konkurrenzangeboten im
Dollarraum wirkte sich 2003 kaum aus.

Experten erwarten wegen der zunehmenden Nachfrage österreichischer
Gäste und von Touristen aus den EU-Beitrittsländern weitere
Marktanteilsgewinne Österreichs. Für 2004 wird ein Zuwachs der
Tourismusumsätze um 4,5 % erwartet. Der nicht-touristische
Freizeitkonsum dürfte 2004 um 3,25 % gewachsen sein, die gesamte
Tourismus- und Freizeitbranche um 4 % und der Umsatz könnte 50,36
Mrd. € erreicht haben. 2005 sollen die Tourismusumsätze um 6 % und
der nicht-touristische Freizeitkonsum um 4 % weiter zunehmen. Die
gesamte Tourismus- und Freizeitwirtschaft kann sich auf einen
Umsatzzuwachs von 5,25 % und in Summe auf 52,98 Mrd. € freuen.

Die Tourismusumsätze nahmen im Winter 2002/03 gegenüber dem Vorjahr
um 3,6 % (2001/02: +1,8 %) zu, wobei die Auslandsnachfrage mit +4 %
stärker wuchs als die Inlandsnachfrage (+1,7 %). Gäste aus
Tschechien, Ungarn, Japan, der Schweiz, Großbritannien, den USA,
Belgien und den Niederlanden übernachteten deutlich häufiger,
Deutsche, Italiener und Schweden seltener in Österreich.

Der Tourismus im Sommer 2003 wuchs gegenüber 2002 schwächer (+4,8 %;
2002: +7,2 %), wobei sich heimische Gäste mit +6 % ausgabenfreudiger
zeigten als ausländische Gäste mit +4,5 %. Ungarn, Tschechen,
Slowaken, Italiener, Schweizer, Spanier, Niederländer, Franzosen und
Belgier kamen häufiger als zuletzt, die Übernachtungen Deutscher
stagnierten, bei Japanern, US-Amerikanern, Briten und Polen waren
Einbussen zu verzeichnen. Der Städtetourismus boomte ganzjährig,
insbesondere in Graz (Kulturhauptstadt), aber auch in St. Pölten,
Linz, Klagenfurt und Salzburg.

QUALITÄTSTOURISMUS - Der Bericht dokumentiert die Anstrengungen der
Tourismusbranche um Verbesserungen ihres Angebotes. Während 5-/4-
Sterne-Hotels ihr Bettenangebot seit 1990 im Sommer um 39,7 % und im
Winter um 50,7 % erweiterten, werden Kapazitäten in den niedrigeren
Kategorien und in Privatquartieren abgebaut. Stattdessen stieg die
Zahl der Übernachtungsmöglichkeiten in Ferienhäusern und -wohnungen
im Sommer von 123.000 auf 236.000 (+ 91,9 %) und im Winter von
102.000 auf 214.100 (+ 109,8 %) an.

REISEBÜROS - Man erfährt vom rasanten Konzentrationsprozess in der
Europäischen Touristikbranche und von integrierten deutschen
Konzernen, die auch den heimischen Tourismusmarkt kontrollieren,
während kleine Reisebüros unter dem Preisverfall der Flugtickets und
den Provisionskürzungen der Fluggesellschaften und Reiseveranstalter
leiden, da sie weniger Spielraum für Kostensenkungen haben. Experten
raten den Reisebüros, ihre Vorteile zu nützen: die "physische Nähe"
zum Kunden, die persönliche Beratung "von Angesicht zu Angesicht"
sowie ihre speziellen Produkt- und Destinationskenntnisse. Reisebüros
müssen bessere, kompetentere Berater bleiben, zugleich aber neue
Systeme, Medien und Techniken nutzen. Unternehmen, die sich schnell
anpassen, haben große Chancen, am Markt zu bestehen.

WIRTSCHAFTLICHE LAGE DER BETRIEBE: Dank steigender Nächtigungszahlen
und Umsätze konnten viele Betriebe ihre finanzielle Situation -
Stichwort Eigenkapitalmangel - verbessern. Viele Tourismusbetriebe
leiden aber nach wie vor unter hohen Schulden und können nur wegen
günstiger Zinsen überleben. Die Insolvenzquote (Zahl der Insolvenzen
pro 100 lebenden Unternehmen) ist mit 1,48 % in der Hotellerie und
Gastronomie aber geringer als in der Gesamtwirtschaft mit 1,82 %.

INVESTITIONEN - Nach mehreren Jahren mit Nächtigungszuwächsen haben
Optimismus und Investitionsbereitschaft in der Tourismuswirtschaft
wieder zugenommen. Der Umbau der Unternehmen in Richtung qualitativ
hochwertiges Angebot ist voll im Gange. Österreich entwickelt sich
zum Qualitätstourismusland. Das geförderte Investitionsvolumen stieg
auf 830 Mill. €, wovon 69 % in die Hotellerie flossen, 21 % in
regionale Infrastruktur und 10 % in Restaurants. Im Vordergrund stand
der Bau von Wellnesseinrichtungen, Seminar- und Fitnessräumen sowie
die Optimierung der Betriebsgrößen, die von durchschnittlich 37
Betten pro Betrieb (1996) auf 42 Betten 2003 zunahm. Die Tourismus-
Investitionen belebten die vor- und nachgelagerte Wirtschaft, ohne
dass sich die Eigenkapitalsituation im Tourismus insgesamt
verschlechtert hätte, liest man im Tourismusbericht 2003.

BESCHÄFTIGUNG - Im Jahresdurchschnitt 2003 waren in der
Tourismusbranche 156.500 unselbständige und 38.900 selbständige
Arbeitskräfte tätig. Die im Vergleich zur Gesamtwirtschaft hohe
Arbeitslosenquote von 17,3 % wird von Experten mit der Mismatch-These
erklärt. Zwischen Arbeitskräfteangebot und -nachfrage bestehen
hinsichtlich Qualifikation, Alter, Verfügbarkeit sowie
Einkommenserwartungen, Arbeitsbedingungen und Karrierechancen
Widersprüche. Junge und qualifizierte Arbeitskräfte mit Lehr- oder
Fachschulabschluss sind zwar auch von Saisonarbeitslosigkeit
betroffen, kaum aber von der überraschend hohen
Sockelarbeitslosigkeit in den Hauptsaisonen, da junge, mobile und
qualifizierte Arbeitskräfte von den Betrieben stärker nachgefragt
werden.

GESUNDHEITSTOURISMUS - Da im Jahr 2010 ein Viertel der Österreicher
über 60 Jahre alt sein wird, orten Experten einen Trend in Richtung
Gesundheitstourismus. Auf den wachsenden Markt der Zielgruppe 50+
reagieren die Hotels mit Entstressungs-, Wellness-, Anti-Aging- und
Gesundheitsangeboten. Diesen Trend bestätigt auch der Präsident der
Internationalen Vereinigung der Reiseveranstalter, Martin
Brackenbury, der im Tourismusbericht 2003 mit einem Gastkommentar
vertreten ist. Brackenbury verweist aber auch auf andere
Entwicklungen: Die Touristen schätzen zunehmend nahe gelegene,
sichere und vertraute Urlaubsorte und legen Wert darauf, dort
willkommen zu sein. Die Branche müsse auch auf die neuen Formen der
Identitätsfindung junger Menschen achten sowie auf die Einflüsse, die
vom Internet auf das Konsum- und Reiseverhalten ausgehen. Reisen
werden etwa immer später gebucht und sie dauern immer kürzer,
zugleich steige die Erwartung an die Vielfalt des Angebots und die
Intensität der Erlebnisse.

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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