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Tourismuskollegs- Erfolgsstory oder Sackgasse?

12.09.2006

Das Kolleg für Tourismus und Freizeitwirtschaft hat die Aufgabe, AbsolventInnen höherer Schulen ergänzend das Bildungsgut einer Höheren Lehranstalt für Tourismus und darüber hinaus eine zusätzliche Ausbildung auf dem Gebiet der Tourismus- und Freizeitwirtschaft zu vermitteln. Doch ist dies im Zeitalter von Fachhochschulen oder universitären Ausbildungen noch notwendig?

Die aktuelle Bewertung der AbsolventInnen der heimischen Tourismuskollegs zeigt das Dilemma dieser Ausbildungsstufe: während die befragten ExpertInnen innerhalb von Österreich kaum Arbeitsmarktchancen sehen, gelten die etablierten Tourismuskollegs als Kaderschmieden internationaler touristischer Führungspositionen.

Die Einschätzung der Qualifikationen von KollegabsolventInnen durch heimische TouristikerInnen spiegelt die hervorragende Ausbildung in den maturaführenden Zulieferschulen (zb. AHS, HAK,..) in Österreich wieder. Besonders gut werden dabei die Allgemeinbildung (26,8% „Sehr Gut“ und 52,4% „Gut“) , die Sprachkenntnisse (29.50% „Sehr Gut“ und 51.72% „Gut“) und die Computerkenntnisse (55,2% „Gut“) bewertet.

Altersbedingt positiv fällt auch die Einschätzung von 73% der befragten ExpertInnen auf, dass die Präsentation, das Auftreten und die Rhetorik der AbsolventInnen „sehr positiv“ sei.

Kritischer hingegen werden die touristischen Fach-und Methodenkompetenzen bewertet: alleine 40,7% der TouristikerInnen stellten der Praxisausbildung ein „durchschnittliches“ Zeugnis aus. 30,3% sehen Schwächen bei Managementkompetenzen und weitere 26,7% meinten, das Tourismusfachwissen sei „Durchschnitt“. Insgesamt fällt auf, dass diese Tatsachen auf zu kurze Ausbildungen und Praxiseinsätze in der nur 2jährigen Ausbildung zurückgeführt werden.

Wenig überraschend ist die Einschätzung von touristischen Berufsfeldern und Karrierechancen von KollegabsolventInnen in der Hotellerie, Gastronomie und im Reisebüro. Am ehesten werden noch Tätigkeiten im Bereich F&B, als Reservierungsassistentin oder Rezeptionistin gesehen.

Weitaus überraschender ist die Tatsache, dass von 23 zur Beurteilung vorgelegten Berufsfeldern kein einziges mehrheitlich dem Tourismuskolleg zugeordnet wurde. Deutlich fällt die Bewertung zukünftiger ArbeitgeberInnen im Managementbereich aus: noch am ehesten meinten genau 50%, dass das Mittlere Tourismusmanagement ein zukünftiges Betätigungsfeld für KollegabsolventInnen sei. Alle anderen Managementbereiche im Tourismus werden bereits mit AbsolventInnen von FH oder Universitäten besetzt (siehe nächste Serie über FH, Universitätslehrgänge und Studium).

Diese Einschätzung ist insgesamt erstaunlich, weil gerade für diese Ausbildungsebene diverse Schwerpunkte an den jeweiligen Standorten existieren (zb. Kolleg für Kultur-Kongressmanagement in Baden oder Kolleg für Hotelmanagement Bad Gleichenberg -Details unter www.tourismusausbildung.at).

Die Erfolgsstory der heimischen Tourismuskollegs liegt offensichtlich in der internationalen Ausrichtung mit anerkanntem österreichischen Tourismus-Know-How, das auch in den asiatischen und arabischen Raum erfolgreich exportiert wird. Zu diesem guten Ausbildungsruf tragen besonders die international ausgerichteten Kollegs mit englischer Arbeitssprache (zb. Klessheim und Modul) bei.

So hoch geschätzt diese Ausbildung international wird, umso weniger können im Gegensatz dazu die heimischen TouristikerInnen die AbsolventInnen qualifikationsmässig einschätzen. Indirekt wird das Tourismuskolleg dadurch in Frage gestellt: heimische AbsolventInnen von Gymnasien oder Handelsakademien werden nach deren Reifeprüfung in 4 Semestern (mit wenig Praxis) auf den Ausbildungsstand von AbsolventInnen der Tourismusschulen gebracht, deren Berufschancen von den befragten ExpertInnen ohnedies als problematisch eingestuft wurden.

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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