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Tourismuskrise: Schweiz und Deutschland handeln

19.02.2009

Rasch reagieren unsere Nachbarn auf die Nächtigungsrückgänge: Die Schweiz erhöht das Werbebudget um 15 Mio. Franken, Deutschland erlässt tourismuspolitische Leitlinien. Österreich verliert an Boden.

Die Schweiz und Deutschland machen ihren Tourismus fit für die Krise: Die Eidgenossen investieren mehr als 10 Mio. Euro zusätzlich in die Tourismuswerbung. Deutschland will seinen Betrieben mit Tourismuspolitischen Leitlinien einen Wettbewerbsvorsprung sichern. "Der Mitbewerb rüstet auf, wir schauen zu. Engagierte Tourismuspolitik ist das nicht. Aber die erwarten Österreichs Tourismusbetriebe und ihre Mitarbeiter", so die Präsidenten der Österreichischen Hoteliervereinigung (ÖHV), Peter Peer und Sepp Schellhorn.

Länder und Gemeinden sollen im eigenen Interesse beim Bund intervenieren

Die Krise hat den Tourismus schneller erfasst als erwartet: Starke Nächtigungsrückgänge, leere Reservierungslisten, steigende Arbeitslosenzahlen, massive Investitionsrückgänge. "Man kann den Tourismus doch nicht ignorieren - an dieser Branche hängen unzählige Unternehmen und Arbeitsplätze", verweist Schellhorn auf österreichische Ferienregionen, in denen fast jeder Arbeitsplatz direkt oder indirekt am Tourismus hängt. "Was machen die Betriebe, die Mitarbeiter, die Gemeinden, wenn wir nicht mehr um- und zubauen, wenn wir keine Gäste mehr verköstigen? Hat sich die Politik schon ausgerechnet, um wie viel Steuern und Abgaben es da Monat für Monat geht? Das kann man doch nicht alles so einfach aus Spiel setzen! Hier müssen Länder und Gemeinden beim Bund intervenieren - sonst wird das gravierende Folgen für ihre Budgets haben - über Jahre hinweg!"

Brennpunkt Stadthotellerie

Am stärksten macht sich der Nächtigungsrückgang in der Stadthotellerie bemerkbar: Wiens Vier-Sterne-Betriebe haben im Jänner 6,8 Prozent der Nächtigungen verloren. "Und das dürfte erst der Anfang sein: Die Buchungen sind massiv eingebrochen. Der Business-Bereich fällt fast komplett weg, der US-Markt und die britischen Gäste brechen stark ein - die Betriebe haben schon jetzt keinen Handlungsspielraum mehr. Was geschieht, wenn auch noch die Touristen wegfallen, will ich mir gar nicht ausmalen", so Peer.

Auch Arbeitnehmerseite ist gefordert!

Unverständlich sei die Tatenlosigkeit von Regierung, Wirtschaftskammer und Gewerkschaft, so Schellhorn: "Die Schweiz nimmt mehr als 10 Mio. Euro zusätzlich in die Hand und wir schaffen es nicht einmal, unser Werbebudget auf den Stand von 2001 zu bringen! Von akzeptablen Konditionen bei der Finanzierung oder etwas Flexibilität bei den Arbeitsverträgen gar nicht zu sprechen!" Jetzt sei auch die Arbeitnehmerseite gefordert: "Wir laden die Gewerkschaft ein, gemeinsam mit uns erste Maßnahmen zu entwerfen, von denen beide profitieren. Aber das muss jetzt rasch geschehen - denn bis Umsetzung vergeht ohnehin wieder wertvolle Zeit", so Peer. Er warnt davor, die Augen vor der Realität zu verschließen: Dass in der zweiten Jahreshälfte viele Kongresse fixiert sind, dürfe nicht überbewertet werden: "Das heißt noch lange nicht, dass die Betriebe auch Mitarbeiter dorthin schicken. Auch mit den momentanen Nächtigungseinbrüchen hat niemand gerechnet. Aber jetzt wissen wir, dass in den Betrieben weltweit gespart wird. Und wir kennen die Folgen. Also sollten wir schnell alles daran setzen, das Schlimmste zu verhindern!"

Die ÖHV vertritt die Interessen von über 1.100 Betrieben der Ferien-, Konzern- und Stadthotellerie. Das ist der höchste Mitgliederstand seit der Gründung der ÖHV. Die Bettenkapazität der ÖHV-Mitgliedsbetriebe entspricht damit über 63% der Betten in der 4- und 5-Sterne-Hotellerie. Diese Betriebe zeichnen sich durch ausgeprägte Servicequalität, Spezialisierung und/oder nachhaltige Innovationskraft aus. Die Mitgliedsbetriebe der ÖHV beschäftigen rund 30.000 Mitarbeiter, das sind 30 % aller Mitarbeiter in der Beherbergung. Der Logisumsatz der ÖHV-Mitglieder beträgt ca. 900 Mio. Euro.

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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