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Tourismusmitarbeiter in der Pflege?

26.08.2020

Arbeitslosigkeit im Tourismus, Kräftebedarf in der Pflege: Hotellerie sieht Aschbacher-Pläne zur Abwerbung von Tourismus-Mitarbeitern kritisch.

Dass ÖVP-Arbeitsministerin Christine Aschbacher Beschäftigte aus dem Tourismus abwerben will, um offene Stellen in der Pflege zu besetzen, sorgt in der Branche für Unverständnis: „Das ist ja keine Höherqualifizierung, das ist eine Umschulung, wo man wieder bei null beginnt. Wir würden ja sagen zu staatlichen Programmen für eine Höherqualifizierung, wo auch in die Erfahrung investiert wird. Aber unsere Fachkräfte zu Hilfskräften in der Pflege umzuschulen bringt die Beschäftigten nicht weiter und schadet dem Standort“, warnt ÖHV-Generalsekretär Markus Gratzer.

 

Saisonnier-Lücke nicht vergrößern

 

Ausgerechnet die Branche anzuzapfen, deren stark steigender Mitarbeiterbedarf über Jahrzehnte hinweg nur mit massiven Anstrengungen gedeckt werden konnte, sei nicht nachhaltig: „Das ist eher linke Tasche, rechte Tasche“, so Gratzer. Mit dem Ausbruch der Krise habe sich die Situation nicht verbessert: „Im Gegenteil: In Regionen mit höherem Gästeaufkommen fehlen viele internationale Mitarbeiter, und in den Städten versuchen die Betriebe mit allen Mitteln, ihre Crew zu halten, auch wenn die Einnahmen im großen Stil ausfallen.“

 

Herbstprognose: Viele offene Stellen trotz Rekordarbeitslosigkeit

 

Der schwierige Ausblick macht die Situation nicht leichter. Die Regierung wird im Herbst erfahrene Saisonniers nicht ins Land lassen. Trotz Rekordarbeitslosigkeit werden viele Stellen offen bleiben.

„Damit werden weder die Unternehmer noch die verbliebenen Mitarbeiter oder Gäste die Gäste eine Freude haben. Statt Fachkräfte abzuwerben, sollte alles unternommen werden, sie dorthin zu lotsen, wo ihr Know-how und ihre Erfahrung gebraucht werden“, fordert Gratzer Investitionen in Mobilität und Höherqualifizierung und eine Verlängerung der Kurzarbeit bis 2022 nach deutschem Vorbild. Eine Entscheidung erst im Februar, wie von Aschbacher avisiert, käme für viele zu spät.

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