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Tourismuspolitik in der Krise

21.01.2010

Mit Bundeskanzler Werner Faymann, Wirtschaftsminister Dr. Reinhold Mitterlehner sowie den Präsidenten der Hotelierverbände Österreichs, Deutschlands, Südtirols und der Schweiz erreichte der ÖHV-Hotelierkongress in Zell am See am Mittwochnachmittag seinen Höhenpunkt.

Bundeskanzler Werner Faymann ist sich der Bedeutung des Tourismus bewusst

"Ich möchte unserem Tourismusminister Reinhold Mitterlehner für die Initiative der Österreichischen Tourismusstrategie danken", sandte ÖHV-Präsident Peter Peer gleich zu Beginn ein Signal in Richtung Politik. Die Österreichische Hoteliervereinigung werte das als positives Zeichen und erwarte auch in Zukunft das uneingeschränkte Engagement und die Unterstützung mit den geeigneten Rahmenbedingungen für Unternehmer im Tourismus. Bundeskanzler Werner Faymann untermauerte im Rahmen seiner Rede die Bedeutung der Freizeitwirtschaft für Österreich: "In Europa wird künftig entscheidend sein, wer die berühmte Nasenlänge voraus ist. Deshalb wird es auch im Tourismus mit seiner klein- und mittelbetrieblichen Struktur eine Herausforderung sein, besser und kreativer zu sein. Das bedeutet keinesfalls, dass wir die billigsten Angebote haben müssen. Vielmehr müssen wir auf Nachhaltigkeit setzen." Faymann räumte ein, dass bürokratische Hürden dort beseitigt werden können, wo sie nicht der Sicherheit dienen sondern überbordend sind. Zwar könne die österreichische Bundesregierung nichts versprechen, doch werde sie jede einzelne Forderung ernsthaft prüfen. Faymann abschließend: "Wir wissen, dass der österreichische Tourismus und seine Dienstleistungen vorbildlich sind und im Ausland entsprechend gewürdigt werden." Im Anschluss an die Rede des Bundeskanzlers wurde ihm ein aktuelles Dossier der Österreichischen Hoteliervereinigung überreicht, das neben einer besseren Dotierung der Österreich Werbung (vor allem für die Stimulierung des Sommertourismus) im Wesentlichen Empfehlungen zur finanztechnischen Entlastung der Unternehmen im Tourismus enthält.

Tourismusstrategie als Hoffnungsschimmer

Wirtschafts- und Tourismusminister Dr. Reinhold Mitterlehner ging in seiner Rede zunächst auf die wichtigsten Maßnahmen "gegen die Krise" ein: Nahmarktoffensive, antizyklische Investition und Anpassung der Förderungen. "In Zeiten stagnierenden Wirtschaftswachstums wird es wichtig sein, mit weniger Geld effizienter umzugehen und so mehr zu erreichen", so der Minister. Als positives Beispiel für antizyklische Investitionen im Tourismus nannte Mitterlehner die Schwerpunktaktion Radtourismus: die hierfür zur Verfügung gestellte Million war innerhalb eines Monats über Förderansuchen ausgebucht. Es gebe allerdings eine Reihe von Problemen, wo die Politik gemeinsam mit der Praxis Verbesserungsmaßnahmen rasch einleiten könne. Neben einer nicht optimalen Koordination der Standortwerbung, einer teilweise überalterten Bausubstanz und Lücken in der überregionalen Angebotsabstimmung nannte der Minister exemplarisch auch Nachholbedarf in der Innovationskultur. Im Bereich Neustrukturierung der Österreich Werbung, so der deutliche Wunsch Mitterlehners, solle sich auch die Österreichische Hoteliervereinigung einbringen. Zur Überarbeitung der Österreichischen Tourismusstrategie kündigte er an, dass in der kommenden Woche eine politische Abstimmung mit den Ländern stattfinden werde. Auch Mitterlehner wurde das Dossier der Österreichischen Hoteliervereinigung überreicht.

Internationaler Tourismus-Talk

Wie gehen die deutschsprachigen Tourismusländer mit der Krise um? Diese Frage stellte Moderator Tarek Leitner den Präsidenten der Branchenverbände Österreichs, Deutschlands, Südtirols und der Schweiz. Otto Lindner (Hotelverband Deutschland) räumte ein, dass die Reduzierung der Mehrwertsteuer bei Hotelleistungen auf sieben Prozent zum 1. Januar 2010 politisch derzeit für scharfen Gegenwind sorge und die deutsche Hotellerie medial schwer unter Druck setze. Guglielmo L. Brentel von der hotelleriesuisse hob die positiven Auswirkungen der Sonderbudgets für Schweiz Tourismus hervor. Walter Meister vom Südtiroler Hoteliers- und Gastwirteverband lobte die italienische Wirtschaftspolitik, die Unternehmen erlaube, rund 50 % ihrer Gewinne kurzfristig abzuschreiben. Andererseits hätte die Provinz Bozen eine Million Euro für die Krise bereitgestellt, wovon kein Cent bis dato an den Tourismus geflossen sei. "Die Schweiz hat gegenüber dem Durchschnitt der europäischen Länder einen Kostennachteil von deutlich mehr als 30 Prozent", so Brentel, "da wir politisch eine Senkung der Löhne nicht durchsetzen können, mussten wir die Produktivität steigern, was auch teilweise gelungen ist." Lindner, der selbst Häuser in Österreich, Deutschland und der Schweiz führt, gab zu bedenken, dass Deutschland zunehmend einen Kostenvorteil gegenüber den Mitbewerbern habe und warnte davor, in eine Art "Mehrwertsteuerwettbewerb" zu treten: "Hier müssen wir auf europäischer Ebene eine Lösung finden." In Südtirol steht eine Reduzierung der Mehrwertsteuer von zehn auf sieben Prozent zur Debatte, was allerdings - so Meister - nicht das vorrangige Problem darstelle. "Wir brauchen Förderungen und vor allem Geld für die Destinationen", so der Südtiroler Verbandspräsident, "und dann müssen wir unsere Eigenkapitaldecke verbessern." Sepp Schellhorn von der Österreichischen Hoteliervereinigung wies unter anderem auf die Wettbewerbsnachteile Österreichs und Südtirols hin, was die Erreichbarkeit der Destinationen betrifft. Einig waren sich die Diskutanten grundsätzlich darin, dass der Nachwuchs im Skitourismus zu fördern sein, auch wenn die Wege dorthin von den Diskutanten sehr unterschiedlich skizziert wurden. Auf Leitners Frage, in welchen Bereich die Hotellerie heute noch Marktanteile gewinnen können, wies Peer darauf hin, das dieses Thema nicht nur an Übernachtungen, sondern auch an Umsätzen zu messen sei. Und gerade bei den Umsätzen hätte die heimische Hotellerie keine Marktanteile steigern können. Peer: "Die gute Nachricht ist, dass wir 2010 mit 2009 vergleichen, das macht die Differenz nicht so groß!" Und Sepp Schellhorn abschließend: "Die große Herausforderung für 2010 liegt darin, die Preise stabil zu halten und die Marktanteile zu sichern."

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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