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Tourismusrettung: Überbrückungskredite allein reichen nicht

14.05.2020

ÖHT-Generaldirketor Wolfgang Kleemann über die finanzielle Lage und die Zukunft im Tourismus

Video Interview

Das ganze Interview als Video

ÖGZ: Herr Kleemann, wie geht es den Tourismusunternehmen, Gastronomie wie Hotellerie?
Wolfgang Kleemann: Was wir über unsere Hotline hören, ist für mich und unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter schon sehr belastend. Man muss es auf den Punkt bringen: Unsere Tourismusunternehmen sind derzeit in der schieren Verzweiflung. Sie wissen nicht, wann sie wieder mit Geschäft rechnen können, wie sie die Zeit bis dahin finanzieren sollen. Sie wissen nicht, ob sie überhaupt in absehbarer Zeit mit ausreichender Frequenz rechnen können.

Wie kommen die Unternehmen mit der vorgeschriebenen 8-Prozent-Eigenkapitalquote für einen Überbrückungskredit klar?
Wir nehmen bislang selbst die Bonitätsprüfungen vor, um die Hausbanken zu entlasten, die natürlich unter einem strengen Kriterienrahmen stehen. In Wirklichkeit sollen sie Kredite an Unternehmen vergeben, deren Überlebensfähigkeit momentan infrage zu stellen ist. Wir haben das versucht so zu lösen, dass wir einzig und allein die Entschuldungsdauer heranziehen, nicht die Eigenkapitalquote. Wenn ein Unternehmer im Zeitraum von 15 Jahren in der Lage ist, sich zu entschulden, dann muss er uns auch so viel wert sein, dass wir ihm jetzt helfen.

Geld genug dafür ist da?
Für Überbrückungsfinanzierungen ja. Wir können auf Zuruf 300 bis 500 Millionen bei der öffentlichen Hand abholen. Aber das sind alles Kredite, die müssen zurückgezahlt werden. Unser Problem ist das langsame Hochfahren. Unsere Betriebe schrumpfen und verschulden sich gleichzeitig höher. Daraus kann man schlecht ein Geschäftsmodell ableiten. Jetzt geht es um Zahlungen aus dem Corona-Hilfsfonds, also um Barzuschüsse. Leider ist der notwendige bürokratische Vorlauf dafür so langwierig, dass Auszahlungen frühestens im Oktober fällig werden können. Wenn es den Betrieb dann überhaupt noch gibt.

Geht es in Zukunft mehr um Nachhaltigkeit und Regionalität?
Was vor Corona ein hehres Ziel war, ist jetzt eine Notwendigkeit! Wir müssen tatsächlich die nachhaltigste Tourismusregion der Welt werden – wie es im Plan T steht.

 

Autor/in:
Thomas Askan Vierich
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