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Touristisches Schwergewicht

18.09.2009

Im Sommer wie im Winter arbeitet man im Zillertal an einer kontinuierlichen Qualitätssteigerung. Das macht sich offenbar auch in der Entwicklung zur Ganzjahresdestination nachhaltig bemerkbar. Reportage: Barbara Egger

Im Sommer stehen im Zillertal Wandern und Biken hoch im Kurs. Im Winter zählt das Zillertal zu den absoluten Topdestinationen Österreichs

Das schätzen unsere Gäste. Das gesamte Paket aktiv zu erleben und zu genießen, das macht den Sommererfolg aus.“ Die Juni-Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. Die Bilanz der Nächtigungen im Zillertal in den ersten Sommermonaten liegt weit über dem Tirol-Durchschnitt. Um die Sonderkonjunktur der Nächtigungen im Sommer 2008 – aufgrund der Euro 08 – bereinigt, schließen die Betriebe an das erfolgreiche Ergebnis von 2007 an und verzeichneten gegenüber Mai und Juni 2007 ein Plus von 2,1 Prozent an Nächtigungen. „Das ist der zweitbeste Sommerstart für das Zillertal ever“, zeigt sich Paesold erfreut.

Sommer ´09 über Durchschnitt
Als Eckpfeiler der Ganzjahresdestination Zillertal nennt Tourismuschef Paesold die Tradition, die Herzlichkeit, das aktive Bergerlebnis im Sommer, die Schneesicherheit, das Pistenangebot sowie die komfortablen Aufstiegshilfen im Winter. „Wir sind stolz darauf, extreme Gastfreundschaft im ganzen Tal anbieten zu können. Das ist auf eine zu hundert Prozent inhabergeführte Eigentümerstruktur bei den Beherbergungsbetrieben und bei den Bergbahnen zurückzuführen.“ Dementsprechend hoch ist die Investition- und Innovationsbereitschaft in den Unternehmen. „Man kann es nicht stark genug herausstreichen. Wenn die Zillertaler Betriebe nicht diese Investitions- und Risikobereitschaft hätten, dann würde das Zillertal nicht heute dort sein, wo es ist.“

Fokus Bikerszene
Großen Wert, so Paesold, werde im Zillertal auf eine kontinuierliche Qualitätssteigerung gelegt. „Wenn Beherbergungsbetriebe, Bergbahnen, Schischulen, Alpinführer, Bikeguides, Radverleiher etc. laufend besser werden, sind das in der Summe die kleinen Schritte, die es letztlich aber ausmachen, die Führungsposition einzunehmen.“ Beispielsweise habe es das Zillertal geschafft, den weltweit größten und in der Bikerszene anerkannten Radverleiher Max Hürzeler als Bikestation im Tal zu haben, der auch Radtouren anbietet. Das habe dazu geführt, dass sich weitere heimische Betriebe im Tal angesiedelt haben, die sich mit dem Thema Rad auseinandersetzen und dadurch das Angebot für den Gast vergrößern.

Auch bei Events setzt das Zillertal seit Jahren auf den Radsport. Der Start der Ö-Rundfahrt vor drei Jahren, 2008 die Königsetappe der Deutschlandtour und 2009 eine Etappe des Giro d’Italia waren die Highlights. Im Sommer 2009 sorgte weiters die Zillertal Bike Challenge und die Transalp für Aufsehen in der internationalen Bikerszene und mediales Echo. „Über den ganzen Sommer hatten wir in diesem Bereich Themenführerschaft. Auf den Messen versuchen wir natürlich auch sehr stark, das Bergerlebnis mit Wanderregionen auf allen Ebenen und Höhenlagen inklusive der Klettersteige zu thematisieren.“

Coutndown für Golfplatz
„Nur ein kontinuierlicher Verbesserungsprozess kann dazu beitragen, dass sich das Tal Sommer und Winter weiterentwickelt“, ist Paesold überzeugt. Ein ganz großes Thema sei der Golfplatz. Aktueller Stand: Alle Grundstücksverhandlungen sind unter Dach und Fach, die UVP läuft, als Standort ist Uderns-Fügen geplant. Jetzt hofft man im Zillertal auf einen positiven Verlauf der Umweltverträglichkeitsprüfung. „Wird der Golfplatz realisiert, liegt das Zillertal in der Mitte des Golferdreiecks Achensee-Mittersill und bietet dazu Wandern, Biken und Topwellnesshotels an.“ Im kommenden Winter will das Zillertal beim Thema Ski mit der Eröffnung der „Wedelhütte“ erneut die Themenführerschaft übernehmen. Es handelt sich dabei um das erste Fünf-Sterne-Hütten-Hotel Europas. Mit der Kristallhütte im Schigebiet Hochfügen (die regelmäßig vom deutschen Bundespräsidenten besucht wird) und der Schneekarhütte am Penken (inkl. Sensations-Panoramazimmer) sorgte das Zillertal bereits für medialen Gesprächsstoff.

Bündelung der Mittel
„Wie andere Tourismusregionen in Tirol wollen auch wir Themenführerschaft im Winter und im Sommer erreichen. Durch Bündelung der Mittel, die wir in den nächsten Jahren noch verstärken werden, wollen wir in unseren Kernmärkten (Deutschland, Österreich, Benelux, England, Osteuropa) noch besser kommunizieren. Wir fordern hier aber schon sehr stark die Vorarbeit bzw. die Basisarbeit der Tirol Werbung und der Österreich Werbung ein. Damit klar positionierte Destinationen darauf aufbauend ihr Produkt anbieten können. Tirol Werbung und Österreich Werbung haben ja keine Produkte, diese haben ja die Regionen, die Hotels, die Bergbahnen, Radverleiher etc. Wir können hier nur ansetzen, wenn die Tirol Werbung und die Österreich Werbung ihre Hausaufgaben machen. Wenn Regionen alleine ihre Produktsubstanzen nach außen kommunizieren, wird das nicht erfolgreich sein. Dass hier die Rädchen ineinander greifen, ist einfach extrem wichtig.“

Ausgeprägte Dienstleistung
Die Erfolge der Beherbergungsbetriebe im Zillertal würden ganz deutlich zeigen, dass sich die Hotellerie immer stärker positionieren muss, das Leistungsspektrum auf eine bestimmte Zielgruppe angleichen muss und dass diese jeweiligen Aktivitäten zur jeweiligen Region passen müssen. „Wir verfolgen das im Zillertal ganz genau. Betriebe, die ein spezifisches, stark ausgeprägtes Dienstleistungsangebot haben, sind extrem erfolgreich. Sich allein darauf zu verlassen, dass Incomer Kontingente verscherbeln, ist zu wenig. Dadurch kommt man in den Preiskampf und damit in ein sehr riskantes Eck.“
Die Vielschichtigkeit, die ein Tal brauche, werde ja erst durch die verschiedenen Positionierungen erreicht. Auch weniger negative Auswirkungen der Wirtschaftskrise seien auf diese Vielschichtigkeit zurückzuführen. „Es ist klar, dass die Hüttenbesitzer nicht zufrieden sein können, wenn es den ganzen Juni regnet. Im Tal sind diejenigen aber, die einen talspezifischen Produktmix anbieten, durchaus sehr zufrieden. Man merkt natürlich, dass das Geld bewusster eingesetzt wird, aber man merkt auch, dass der Erholungsurlaub ein Thema ist, auf das der Gast einfach nicht verzichten möchte.“

Superior greift
Hinsichtlich der Hotelstruktur bleiben im Zillertal derzeit keine Wünsche offen. „Die ‚Vier-Sterne-Superior‘-Kategorisierung hat sich für das Zillertal sehr positiv ausgewirkt.“ Top Vier-Sterne-Superior-Betriebe sind etwa das Hotel Theresia in Zell, Sporthotel Stock in Finkenberg, Tuxerhof in Lanersbach, Alpenhof in Tux. Im Winter ist auch das Vier-Sterne-Hotel – das von TV- und Haubenkoch Alexander Fankhauser geführte Hotel Lamark in Hochfügen – ein echtes Highlight. Auch der Wirtshaus-Charme fehle im Zillertal nicht. Der Landgasthof Linde in Stumm zählt ebenso zu den kulinarischen Topbetrieben im Zillertal.

Mit dem Hotel Elisabeth in Mayrhofen steht allerdings nur ein Fünf- Sterne-Haus zur Auwahl. Ob es ein weiteres benötigt?
„Ich bin stolz darauf, dass das Zillertal lauter inhabergeführte Betriebe hat. Bevor jetzt eine anonyme Kette kommt, die doch nicht diese Gastfreundschaft und zillertalspezifische Herzlichkeit vermitteln kann, ist es mir lieber, wenn die Talhoteliers in die Vier-Sterne-Superior-Kategorie investieren, in die Kulinarik, in den Wellnessbereich, in die Zimmerausstattung, in die laufende Qualitätsverbesserung“, sagt Paesold.

Verkehrslösung gefragt
Zufrieden gibt sich der Tourismusmanager auch mit der aktuellen Landespolitik: „Wir sind sehr glücklich, dass man den Tourismus als Kernbereich der Tiroler Wirtschaft einstuft. Schön wäre, wenn auch der Bund den Tourismus noch viel mehr als Kernstärke erkennt. Der Tourismus kann ja nicht einfach seine Produktionsstätte von Land A ins Land B verlagern und sorgt aber dafür, dass Täler wie das Zillertal zum Leben erweckt werden. Da könnte es noch mehr Ankerkennung geben. Vom Land Tirol wünschen wir uns, dass für das Thema Verkehr – etwa durch den Ausbau der Bundesstraße – eine Lösung im Zillertal gefunden wird. Auch dem immer stärker steigenden Flugverkehr sollte Rechnung getragen werden.“

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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