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Traumberuf oder Alptraum?

07.10.2009

Die ÖHV meldete Top-Ergebnisse bei den Benchmarks der Hotellerie-Löhne. Sinkende Wochenarbeitszeiten und Löhne deutlich über dem Kollektivvertrag ergab die Auswertung der Personaldaten von August 2009 für die österreichische Ferienhotellerie. Dieser Jubelmeldung kann sich vida-Gewerkschaftsboss Rudolf Kaske nicht anschließen.

Auf Initiative der Österreichischen Hoteliervereinigung (ÖHV) wurde im Jahr 2007 in einem Kooperationsprojekt mit dp personal software und Kohl & Partner eine große österreichweite Plattform zur Ermittlung der Lohnbenchmarks in der Österreichischen Hotellerie geschaffen. Die Ergebnisse stützen sich derzeit auf Lohn- und Gehaltsdaten von mehr als 7.500 MitarbeiterInnen aus der österreichischen Ferienhotellerie. Die aktuellsten Lohnbenchmarks vom Sommer 2009 basieren auf der Auswertung vom August 2009. Bei den dargestellten IST-Löhnen handelt es sich um Brutto Löhne exkl. Arbeitgeberabgaben.

Sinkende Wochenarbeitszeiten

Gegenüber der ersten Sommersaison-Auswertung vom September 2007 hat sich die durchschnittliche Wochenarbeitszeit innerhalb von 2 Jahren um fast 2 Stunden pro Woche reduziert. Der Rückgang der durchschnittlichen Wochenarbeitszeit ist in allen klassischen Abteilungen erkennbar. Die Wellness- und Beauty-MitarbeiterInnen arbeiten sogar um über 3 Stunden pro Woche kürzer als im Sommer 2007. In der Küche wird pro Woche gegenüber der Sommersaison 2007 um über 2 Stunden kürzer gearbeitet als in der Sommersaison 2007. Die KollegInnen im Service, in der Etage und im Empfang arbeiten um jeweils über 1 Stunde pro Woche kürzer als im Sommer 2007.

Höherer Stundenlohn

Der Stundenlohn der Sommersaison 2009 hat sich gegenüber der Sommersaison 2007 um durchschnittlich über 6 % erhöht, wobei um fast 2 Stunden kürzer pro Woche gearbeitet wird. Gegenüber dem Vorjahr hat der Stundenlohn um rund 2,7 % zugenommen und die Wochenarbeitszeit hat sich um durchschnittlich 1,3 Stunden verringert.

IST-Löhne deutlich über den KV-Löhnen

In der Sommersaison 2009 liegen die IST Löhne der Österreichischen Ferienhotellerie rund 60 % über den Kollektivvertragslöhnen.
Inklusive Überstunden liegen die IST Löhne durchschnittlich 60 % über den Kollektivvertragslöhnen, bereinigt man die IST Löhne auf eine 40 Stunden Woche beträgt die durchschnittliche KV-Überbezahlung rund 24 %.

Saisonhotellerie zahlt besser

In der Österreichischen Saisonhotellerie wird im Sommer 2009 um durchschnittlich € 213,- brutto im Monat mehr bezahlt als in der Österreichischen Ganzjahreshotellerie. In der Österreichischen Saisonhotellerie wird aber auch um durchschnittlich 5,5 Stunden pro Woche länger gearbeitet als in Ganzjahresbetrieben.
Und bei diesem Punkt hakt Rudolf Kaske, Vorsitzender der Gewerkschaft vida, ein: "Selbst wenn Beschäftigte im Tourismus zwei Saisonen pro Jahr im Einsatz sind, sind sie durchschnittlich nur sieben Monate in Beschäftigung und die restlichen fünf Monate arbeitslos".

Mangelnde Attraktivität

Für Kaske ist gerade die höhere Bezahlung bei längerer Arbeitszeit kein Grund zur Freude: "Umgerechnet auf den KV-Lohn ist das wirklich kein Grund zur Freude für die Tourismusbeschäftigten", meint Kaske. Er kritisiert vor allem das Vorgehen der Arbeitgeber, Beschäftigte in All-in-Verträge zu drängen und auf diese Weise, der Bezahlung von Überstunden zu entgehen.
ArbeitnehmerInnen in Saisonbeschäftigung müssen auch Miete und Fixkosten für die eigene Wohnung weiterbezahlen, was zu einer weitern Schmälerung des Einkommens führt. "Der Tourismus könnte durchaus Traumjobs bieten, doch die Einkommens- und Arbeitsbedingungen in der Branche sind noch dringend verbesserungswürdig. Sonst wird aus einem Traumjob schnell ein Alptraum", weiß Kaske. Auch die beruflichen Perspektiven und Aufstiegschancen reichen oftmals nicht aus, um qualifizierte ArbeitnehmerInnen in der Branche zu halten. Tatsache ist, dass wegen des Mangels an Attraktivität acht von zehn Beschäftigten die Branche nach kurzer Zeit wieder verlassen.

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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