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Trinkprotokoll: Flammender Appell

05.02.2020

Der australische Busch brennt. Auch viel rebfläche ist bedroht oder bereits verbrannt. Die Weinbranche zeigt in London Solidarität.

Der Grüne Veltliner brennt! Es ist noch nicht lange her, da hielten die Winzer in den Adelaide Hills mit uns gemeinsam Ausschau nach der Koala-Familie, die in den Eukalyptus-Kronen über ihren Weingärten lebte. Nun stand der australische Busch in Flammen – und die Rebfläche dazu. Auch bei der jährlichen Monumental-Verkostung der Weine von „down under“ in London war das wichtigste Gesprächsthema, wie die „bush fires“ die Weinqualität des Jahrgangs 2020 beeinflussen werden. 

Die Weinwelt traf sich in Bloomsbury

Einkäufer, Topsommeliers, Chefköche und Wein-Autoren tauschten sich dazu mit den Winzern direkt aus. Vor allem zeigte dieses hochrangige Treffen der Weinwelt im Stadtteil Bloomsbury aber auch die Solidarität, die der Gastrowelt eigen ist. Selten wird darüber gesprochen. Doch die zahlreichen Charity-Dinner, Verkostungen und Benefiz-Auktionen, die Geld für die Helfer und den Wiederaufbau sammeln, zeigten erneut das große Herz einer Branche, die mitunter wirklich eine globale Familie darstellt.
Ein plumper Appell zum Kauf australischen Weines soll nicht die österreichische Antwort sein und wäre auch zynisch. Doch als Denkanstoß darf uns die Brandkatastrophe schon dienen. Denn die Vorurteile von den „Trinkmarmeladen“ vom anderen Ende der Welt stimmen längst nicht mehr. Pinot Noir ist momentan ein großes Thema, auch der Veltliner steht nicht von ungefähr in etlichen australischen Rebzeilen. Kaum ein Weinland ist – auch vom liberalen Wein-Gesetz her unterstützt – so experimentell bis verrückt unterwegs: Wie schmeckt Shiraz, wenn man Traminer mitvergärt? Bringt ein Whiskyfass dem Chardonnay aromatisch etwas? Wie schmeckt Riesling mit Blick auf die Antarktis? Im Känguru-Land kennt man die Antworten. 
Und wenn Sie das jetzt auch interessiert, und daher einmal mehr „Australia“ statt dauernd „Austria“ eingeschenkt wird, hat das verdammte Feuer vielleicht wenigstens ein bisschen was Gutes gehabt.
 

Autor/in:
Roland Graf
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