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Um excursão do café

10.09.2015

Sie gilt als die Stadt des Lichts. Doch Lissabon hat noch viel mehr zu bieten. Wir haben einen Streifzug durch die Welt der Cafés unternommen, Bica gekostet und die schönsten Aussichten bewundert

Mehr als 100 Jahre alt und das berühmteste Kaffeehaus Lissabons: das Café a Brasileira im Stadtteil Chiado.

Text: Natalie Oberhollenzer, Lissabon

Wer schon einmal in Lissabon war, der weiß um den Zauber dieser Stadt. Das Leuchtende, Schimmernde, das Gebäudefronten und Häuserzeilen umgibt, das spezielle Licht, das den Besucher begleitet, während er die Hügel hinauf- und wieder hinabgeht. Und wer genauer hinschaut, der weiß, warum die Stadt so funkelt. Viele der alten Fassaden sind mit Fliesen überzogen. Die sogenannten Azulejos, eine maurische Mode aus dem 16. Jahrhundert, sorgt noch heute für das bunte, schillernde Gesicht der Stadt. Genauso bunt ist die Kaffeehausszene. Nahezu an jeder Ecke lädt ein kleines Lokal zum Päuschenmachen ein. Zwei, drei Tische am Gehsteig, mit den am Fenster angeschriebenen jeweiligen Spezia-litäten und Naschereien in der Auslage. Wir haben einen Streifzug durch die Cafés in Lissabon gemacht.
Die erste Adresse ist das berühmteste Kaffeehaus der Stadt. Das Café a Brasileira im Stadtteil Chiado ist wunderschön – und total überlaufen. Das luxuriös eingerichtete Lokal feierte heuer seinen 110. Geburtstag. Viele Mythen und Geschichten ranken sich um dieses Kaffeehaus. Große Künstler wie José Cardoso Pires und Fernando Pessoa sollen hier debattiert und geschrieben haben. Maler der portugiesischen Avantgarde wie José Almada de Negreiro statteten die Räume mit Bildern aus. Es sollen Verschwörungen geschmiedet, heimliche Romanzen gepflegt und Utopien geträumt worden sein.

Wir ergattern einen Platz auf der Terrasse, und Ober Carlos nimmt sich die Zeit, ein paar Minuten mit uns zu plaudern. Welchen Kaffee der Portugiese am liebsten trinkt, wollen wir von ihm wissen. „Eine Bica“ entgegnet er und bringt uns Espressi, die etwas länger sind als die italienische Variante. „Und mit mehr Zucker. Wir Portugiesen lieben die Bica zuckrig süß.“ Doch er will nicht über Kaffee reden (der, sagen wir, normal schmeckte), sondern uns etwas viel Wichtigeres mit auf den Weg geben, nämlich wie man als Mann ein gutes Leben führt. „Man muss immer die Frau die Chefin sein lassen, dann ist man glücklich“, erklärt er mit grinsender, leicht wichtigtuerischer Miene, kassiert und kümmert sich um die nächsten Gäste.  

Für Törtchen Schlange stehen
Weiter geht’s zum zweitbekanntesten Café, das etwas außerhalb im noblen Stadtteil Belém zu finden ist. Das Pastéis de Belém hat es einer Süßspeise wegen zu Einträgen in allen Lissabon-Reiseführern und Tourismus-Foren geschafft. Das Pastel de Belém oder Pastel de Nata, ein Blätterteig-Törtchen mit einer puddingartigen Creme aus Ei, Zucker und Sahne, genießt einen Status, der hierzulande mit dem Apfelstrudel vergleichbar ist. Wenn nicht noch viel höher. Und gäbe es in Wien eine Konditorei, die die Erfindung des Apfelstrudels ganz klar für sich beanspruchen würde, dann wäre der Andrang wohl ebenso groß wie vor dem Pastéis in Belém. Es war ein Vormittag unter der Woche, als wir besagtes Lokal besuchten. Eine geschätzte 30 Meter lange Schlange stand vor dem Eingang. Diejenigen, die herauskommen, halten ein mit Törtchen gefülltes Papiersackerl im Arm und tragen es herum, als ob sie das teuerste Luis-Vuitton-Modell in der Hand hätten. Ein japanischer Tourist kommt heraus und zeigt uns die süßen Trophäen, für die er sich über drei Stunden angestellt hat. Wir fotografieren sie, beschließen aber, sie woanders zu kosten: auf einem Miradouro.

Miradouros, auf Deutsch Aussichtspunkte, gibt es in der ganzen Stadt verteilt. Immerhin ist Lissabon auf sieben Hügeln erbaut. An einem Kiosk der Terrasse San Pedro de Alcantara bestellen wir eine Galão, einen portugiesischen Milchkaffee im Glas, und dazu ein Pastel de Nata. Das buttrig-süße Küchlein ist köstlich, die Galão schmeckt auch gut. Eine Milchbombe. Aber ich bin nicht mehr objektiv. Die Aussicht hat mich komplett eingeseift.

Am Nebentisch sitzt ein Portugiese mit einem dicken Schmöker vor der Nase. Lesende, vor sich hin sinnierende Menschen, die alleine in Cafés sitzen, sieht man häufig in Lissabon. Er empfiehlt uns den schönsten Miradour der Stadt, die Esplanada do Adamastor. Der Platz ist vor allem bei Einheimischen und in Lissabon lebenden Zugereisten beliebt, erklärt er. Und wir sollten ins Lokal am hinteren Ende gehen. Das sei weniger überlaufen als das vordere.

Ein Garoto mit Ausblick
Auf dem Weg dorthin kreuzen wir die Gegend um die Calcada do Duque. Das für Lissabon beispielhafte Grätzel ist voll mit kleinen Bars: die einen, nett und liebevoll eingerichtet, mit Fair-trade-Kaffee und Sojamilch im Angebot, die anderen eher „authentisch“, mit alten Blechstühlen vor der Tür, Sagres-Bier und Hauswein auf der Karte. Zwei, drei Tischlein vor dem Eingang und eine Traube Feierabend machender Menschen rundherum. Es sieht so aus, als ob sich das Leben der Einheimischen vor und in diesen Mini-Lokalen abspielt.
Weiter geht es zum besagten Aussichtspunkt. Wenngleich der Ort von den Touris schon entdeckt worden ist, findet sich ein Platz auf der Terrasse des Noo Bai, mit postkartentauglicher Aussicht auf die Jesusstatue und die Brücke des 25. April. Als ob man in Rio und in San Francisco gleichzeitig wäre. Während wir uns die Sonne auf den Bauch scheinen lassen, probieren wir einen Garoto – auf deutsch: Lausbube. Ein kleiner Kinderkaffee aus schon einmal benutztem Kaffeesatz mit warmer Milch, der so schmeckt wie er sich anhört: wie eine Plörre. Als Kontrastprogramm muss ein Erwachsenenkaffee her. Also gibt‘s einen Café com Cheirinho – übersetzt ein Kaffee mit Duft, der ähnlich wie der italienische Corretto mit einem Schuss Brandy verfeinert wird. Der wiederum schmeckt weniger nach Kaffee und mehr nach der Spirituose, wobei die Kombi gar nicht übel ist. Ich sitze da, berauscht von den vielen Bohnengetränken, dem Schnaps, dem besonderen Licht, dem Ausblick, der abgeranzten Schönheit der Stadt. Dem Schmuddeligen, dem Eleganten, dem besonders Kultivierten, dem Traurigen und dem Fröhlichen, dem Altmodischen, dem Modernen. In diesem besonderen Gemütszustand, den man nur in der Ferne hat. Doch es hilft alles nichts. Großartig ist der Kaffee in Lissabon nicht. Dafür sind es die Orte, an denen man ihn ausgeschenkt bekommt.

 Wer schon einmal in Lissabon war, der weiß um den Zauber dieser Stadt. Das Leuchtende, Schimmernde, das Gebäudefronten und Häuserzeilen umgibt, das spezielle Licht, das den Besucher begleitet, während er die Hügel hinauf- und wieder hinabgeht. Und wer genauer hinschaut, der weiß, warum die Stadt so funkelt. Viele der alten Fassaden sind mit Fliesen überzogen. Die sogenannten Azulejos, eine maurische Mode aus dem 16. Jahrhundert, sorgt noch heute für das bunte, schillernde Gesicht der Stadt. Genauso bunt ist die Kaffeehausszene. Nahezu an jeder Ecke lädt ein kleines Lokal zum Päuschenmachen ein. Zwei, drei Tische am Gehsteig, mit den am Fenster angeschriebenen jeweiligen Spezia-litäten und Naschereien in der Auslage. Wir haben einen Streifzug durch die Cafés in Lissabon gemacht.
Die erste Adresse ist das berühmteste Kaffeehaus der Stadt. Das Café a Brasileira im Stadtteil Chiado ist wunderschön – und total überlaufen. Das luxuriös eingerichtete Lokal feierte heuer seinen 110. Geburtstag. Viele Mythen und Geschichten ranken sich um dieses Kaffeehaus. Große Künstler wie José Cardoso Pires und Fernando Pessoa sollen hier debattiert und geschrieben haben. Maler der portugiesischen Avantgarde wie José Almada de Negreiro statteten die Räume mit Bildern aus. Es sollen Verschwörungen geschmiedet, heimliche Romanzen gepflegt und Utopien geträumt worden sein.

Wir ergattern einen Platz auf der Terrasse, und Ober Carlos nimmt sich die Zeit, ein paar Minuten mit uns zu plaudern. Welchen Kaffee der Portugiese am liebsten trinkt, wollen wir von ihm wissen. „Eine Bica“ entgegnet er und bringt uns Espressi, die etwas länger sind als die italienische Variante. „Und mit mehr Zucker. Wir Portugiesen lieben die Bica zuckrig süß.“ Doch er will nicht über Kaffee reden (der, sagen wir, normal schmeckte), sondern uns etwas viel Wichtigeres mit auf den Weg geben, nämlich wie man als Mann ein gutes Leben führt. „Man muss immer die Frau die Chefin sein lassen, dann ist man glücklich“, erklärt er mit grinsender, leicht wichtigtuerischer Miene, kassiert und kümmert sich um die nächsten Gäste.  

Für Törtchen Schlange stehen
Weiter geht’s zum zweitbekanntesten Café, das etwas außerhalb im noblen Stadtteil Belém zu finden ist. Das Pastéis de Belém hat es einer Süßspeise wegen zu Einträgen in allen Lissabon-Reiseführern und Tourismus-Foren geschafft. Das Pastel de Belém oder Pastel de Nata, ein Blätterteig-Törtchen mit einer puddingartigen Creme aus Ei, Zucker und Sahne, genießt einen Status, der hierzulande mit dem Apfelstrudel vergleichbar ist. Wenn nicht noch viel höher. Und gäbe es in Wien eine Konditorei, die die Erfindung des Apfelstrudels ganz klar für sich beanspruchen würde, dann wäre der Andrang wohl ebenso groß wie vor dem Pastéis in Belém. Es war ein Vormittag unter der Woche, als wir besagtes Lokal besuchten. Eine geschätzte 30 Meter lange Schlange stand vor dem Eingang. Diejenigen, die herauskommen, halten ein mit Törtchen gefülltes Papiersackerl im Arm und tragen es herum, als ob sie das teuerste Luis-Vuitton-Modell in der Hand hätten. Ein japanischer Tourist kommt heraus und zeigt uns die süßen Trophäen, für die er sich über drei Stunden angestellt hat. Wir fotografieren sie, beschließen aber, sie woanders zu kosten: auf einem Miradouro.

Miradouros, auf Deutsch Aussichtspunkte, gibt es in der ganzen Stadt verteilt. Immerhin ist Lissabon auf sieben Hügeln erbaut. An einem Kiosk der Terrasse San Pedro de Alcantara bestellen wir eine Galão, einen portugiesischen Milchkaffee im Glas, und dazu ein Pastel de Nata. Das buttrig-süße Küchlein ist köstlich, die Galão schmeckt auch gut. Eine Milchbombe. Aber ich bin nicht mehr objektiv. Die Aussicht hat mich komplett eingeseift.

Am Nebentisch sitzt ein Portugiese mit einem dicken Schmöker vor der Nase. Lesende, vor sich hin sinnierende Menschen, die alleine in Cafés sitzen, sieht man häufig in Lissabon. Er empfiehlt uns den schönsten Miradour der Stadt, die Esplanada do Adamastor. Der Platz ist vor allem bei Einheimischen und in Lissabon lebenden Zugereisten beliebt, erklärt er. Und wir sollten ins Lokal am hinteren Ende gehen. Das sei weniger überlaufen als das vordere.

Ein Garoto mit Ausblick
Auf dem Weg dorthin kreuzen wir die Gegend um die Calcada do Duque. Das für Lissabon beispielhafte Grätzel ist voll mit kleinen Bars: die einen, nett und liebevoll eingerichtet, mit Fair-trade-Kaffee und Sojamilch im Angebot, die anderen eher „authentisch“, mit alten Blechstühlen vor der Tür, Sagres-Bier und Hauswein auf der Karte. Zwei, drei Tischlein vor dem Eingang und eine Traube Feierabend machender Menschen rundherum. Es sieht so aus, als ob sich das Leben der Einheimischen vor und in diesen Mini-Lokalen abspielt.
Weiter geht es zum besagten Aussichtspunkt. Wenngleich der Ort von den Touris schon entdeckt worden ist, findet sich ein Platz auf der Terrasse des Noo Bai, mit postkartentauglicher Aussicht auf die Jesusstatue und die Brücke des 25. April. Als ob man in Rio und in San Francisco gleichzeitig wäre. Während wir uns die Sonne auf den Bauch scheinen lassen, probieren wir einen Garoto – auf deutsch: Lausbube. Ein kleiner Kinderkaffee aus schon einmal benutztem Kaffeesatz mit warmer Milch, der so schmeckt wie er sich anhört: wie eine Plörre. Als Kontrastprogramm muss ein Erwachsenenkaffee her.

Also gibt‘s einen Café com Cheirinho – übersetzt ein Kaffee mit Duft, der ähnlich wie der italienische Corretto mit einem Schuss Brandy verfeinert wird. Der wiederum schmeckt weniger nach Kaffee und mehr nach der Spirituose, wobei die Kombi gar nicht übel ist. Ich sitze da, berauscht von den vielen Bohnengetränken, dem Schnaps, dem besonderen Licht, dem Ausblick, der abgeranzten Schönheit der Stadt. Dem Schmuddeligen, dem Eleganten, dem besonders Kultivierten, dem Traurigen und dem Fröhlichen, dem Altmodischen, dem Modernen. In diesem besonderen Gemütszustand, den man nur in der Ferne hat. Doch es hilft alles nichts. Großartig ist der Kaffee in Lissabon nicht. Dafür sind es die Orte, an denen man ihn ausgeschenkt bekommt.

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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