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Um ihn dreht sich die heimische Wein-„Velt“

22.03.2019

Die Chance, dass bei der Bestellung „eines Weißen“ Grüner Veltliner gereicht wird, ist äußerst hoch. Warum? Weil er es kann. Und zwar vom fruchtigen Federgewicht bis hin zur beeindruckenden Reserve.

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Die Jury
Das Koster-Quartett

Wie kommen die Bewertungen der Weine und Spirituosen zustande? Die ÖGZ lud Produzenten und Importeure ein, kostenpflichtig ihre Muster einzureichen. Dieser Querschnitt durch das Marktangebot wurde in aufsteigender Reihenfolge nach Alkohol und thematisch in Gruppen (z. B. „GV Reserve“ bzw. „Añejo Tequila“) aufgeteilt und verkostet, um die Besten der Kategorie zu ermitteln.

Mit ÖGZ-Autor Roland Graf verkosteten im „Schlossquadrat“ dessen Geschäftsführer Jürgen Geyer sowie Sommelier Andreas Katona und Restaurant- Manager Hans Peter Ertl, beide vom Restaurant „Amador“.

Wie immer wurden alle Proben verdeckt eingeschenkt und unabhängig von den Mitgliedern des Kost-Quartetts bewertet. Die Summe der individuellen Einschätzungen ergab die jeweiligen Kategoriensieger und somit die Träger des ÖGZ-Gütesiegels 2019 in Gold.

 

Patriotischer als die Österreicher trinkt kaum jemand: 90 % aller in der Gastronomie bestellten Weine stammen aus dem Inland, so der aktuelle Jahresbericht der Österreich Wein Marketing (ÖWM). Unbestrittener Star unter den weißen Sorten ist dabei der Grüne Veltliner. Wer lange genug im Gastgewerbe tätig ist, wird sich noch erinnern, dass früher meist der Welschriesling die „offenen“ Weine anführte. Immer mehr von dessen Profil als frisch-fruchtiges Achterl hat mittlerweile der „GV“ übernommen.
Der Aufstieg des größten Weinbaugebiets, das gleichzeitig auch den weitaus höchsten Veltliner-Anteil an der Rebfläche mitbringt, hat daran keinen geringen Anteil. War früher ein wahlweise als knochentrocken oder krampensauer beschriebener „Brünnerstraßler“ ein Wein, der polarisierte, ist der heutige „Weinviertel DAC“ ein anderes Kaliber. Kommenden Montag werden in der Wiener Hofburg vom regionalen Weinkomitee die Reserven des Jahrgangs 2017 vorgestellt – ein einziges Plädoyer für intensive Veltliner für die kommenden Jahrzehnte.

Die heimische Top-Paarung

Dass die Sorte bis hin zu den Prädikatsweinen alle Stückerln spielt, kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass der „GV“ vor allem die heimischen Küchenklassiker begleitet: Backhenderl, Wiener Schnitzel und – um nicht nur bei Gebackenem zu verharren – auch Krautfleckerl werden von der zwischen Zitrusfrische und Apfel-Fruchtigkeit pendelnden Sorte perfekt ergänzt. Selbst am anderen Ende der Welt, im australischen Canberra District, baut man die Sorte mittlerweile an. Es sind mit Löss durchsetzte Böden, wie sie auch entlang der Donau und ihrer Nebenflüsse dem Veltliner taugen. Im Idealfall entwickelt er einen gewissen Körper, aber keine Üppigkeit, bleibt zugleich aber leicht genug für mehr als ein konsumiertes Glas. Das alles freilich, ohne je belanglos zu schmecken.
Zusätzlich reizt die zarte Veltliner- Säure im Restaurant den Appetit, ohne dabei zu kräftig im Eigengeschmack zu werden. Diese feine Klinge der heimischen Paradesorte bekommt zudem noch eine pfeffrige Seite, wenn der Boden und das Klima die Bildung von „Rotundon“ begünstigt. Dieser Aromastoff (Keton), der beim Shiraz bereits gut erforscht wurde, kann aber ebenso kräftig auch beim Veltliner ausfallen. Das „Pfefferl“ ist also keine Einbildung, sondern reine Biochemie. Genauso wie die Salzigkeit und die Feuerstein-Note, die sich mitunter bei Wein aus Urgesteinslagen findet und eine eigene Anhängerschaft unter den Veltliner-Fans hat.

Leicht, aber nicht zu leicht, bitte!

Ein Hinweis noch an alle Wein-Einkäufer: Speziell bei den ersten am Markt befindlichen 2018er-Sortenvertretern sollte man genau darauf achten, ob in der Freude über den mengenstarken Jahrgang nicht doch Quantität vor Qualität ging. Das Kost-Quartett der ÖGZ schaute jedenfalls sorgfältig ins Glas – schließlich hat nicht nur der „GV“ einen Ruf zu verlieren, sondern auch der Wirt, der ihn serviert. Wo Sie alles richtig machen, lesen Sie auf den kommenden Seiten.

Autor/in:
Roland Graf
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