Direkt zum Inhalt

Unnötige Kriminalisierung

05.10.2007

Verschärfte Strafen im Straßenverkehr bei einem Blutalkoholgehaltzwischen 0,5 und 0,8 Promille betreffen weniger als 0,1 Prozent aller Unfälle, die sich in Österreich ereignen.

"Die wirklich gefährlichen Promille-Lenker werden sich nicht abschrecken lassen", ist Oberndorfer überzeugt.

"Selbstverständlich vertreten auch wir die Auffassung, dass jeder einzelne Unfall und jede Einzelne bei einem Unfall verletzte oder gar getötete Person zu viel ist", stellt der Obmann der Sparte Tourismus und Freizeitwirtschaft der WKO Oberösterreich, KommR August Oberndorfer, klar. "Abzulehnen ist aber, dass sich die Politik medienwirksam mit drakonischen Maßnahmen auf einen Bereich stürzt, der weniger als 0,1 Prozent aller Unfälle ausmacht und das der breiten Öffentlichkeit als großen Schritt zur Verbesserung der Verkehrssicherheit in Österreich verkaufen will", kritisiert Oberndorfer.

Verkehrsunfälle mit einer Alkoholisierung der beteiligten Lenker in einem Bereich zwischen 0,5 und 0,8 Promille machen laut einer gestrigen Aussage des Infrastruktursprechers der ÖVP im Nationalrat, Mag. Helmut Kukacka, nur 1,5 Prozent aller Verkehrsunfälle aus. "Bezogen auf alle Unfälle, die sich in Österreich ereignen, sind das weniger als 0,1 Prozent, also wirklich ein ,Problem im Promillebereich', denn insgesamt ereignen sich pro Jahr in Österreich über 800.000 Unfälle."

Seine Kritik untermauert Oberndorfer auch damit, dass in den letzten Jahren sowohl die Anzahl der Verkehrsunfälle als auch die Anzahl der dabei verletzten oder getöteten Personen stetig zurück gegangen sind.

Wesentlich weniger bemüht und wesentlich weniger erfolgreich ist die Politik bei den Hauptursachen für Unfälle in Österreich, nämlich bei den Freizeit-, Sport- und Heimunfällen. Laut Kuratorium für Verkehrssicherheit haben nämlich bereits 87,8 Prozent aller in Österreich etwa im Jahr 2004 stationär in Krankenhäusern behandelten Unfälle ihre Ursache im Heim-, Freizeit- und Sportbe-reich. Je 6,1 Prozent hingegen entfallen auf Arbeit und Schule einerseits sowie Verkehr anderer-seits. Ebenso wie die Anzahl der Verkehrsunfälle sinkt auch die Anzahl der Arbeits- und Schulunfälle weiter, während die Heim-, Freizeit- und Sportunfälle etwa seit dem Jahr 1980 von 123.000 auf 231.000 im Jahr 2004 zugenommen haben und weiter im Steigen begriffen sind.

Während man also hier offensichtlich tatenlos zuschaut, verschärft man die Regelungen im Straßenverkehr weiter und lässt die Folgen für heimische Gesellschaft, Bevölkerung und Wirtschaft außer Acht, gibt Oberndorfer zu bedenken:

* Wenn man sich selbst überlegen muss, ob man zu einem Schweinsbraten eine halbe Bier trinken kann, werden sich wohl manche einen Sonntagsausflug überhaupt überlegen.

* Wenn ein Feuerwehrmann zum Abendessen zwei Achterl Wein getrunken hat, muss er sich wohl gründlich überlegen, ob er noch dem Ruf zu einem Einsatz folgen kann.

* Das gesellige Bier oder Achterl Wein nach der Arbeit wird wohl auch bald der Vergangenheit angehören.

"Die Auswirkungen der jetzt angekündigten Verschärfungen auf Gesellschaft, Bevölkerung und Wirtschaft werden also massiv sein. Breite Bevölkerungsschichten werden kriminalisiert. Und die wirklich gefährlichen Promille-Lenker, die nachts mit 1,5 und mehr Promille noch ein Fahrzeug in Betrieb nehmen, die werden sich auch von dieser Neuregelung nicht abschrecken lassen", zieht Oberndorfer ein durchwegs negatives Resümee zu der gestern im Ministerrat vereinbarten Verschärfung der Strafen im Straßenverkehr.

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
Werbung

Weiterführende Themen

Gewinner Bernhard Ernst, Wifi NÖ-Kurator Gottfried Wieland, Gewinnerin Daniela Görg (Weingut Malat), Obmann des Landesgremiums Weinhandel Johannes Schachenhuber, WKNÖ-Präsident Wolfgang Ecker, Gewinnerin Eva Steininger, Wifi NÖ-Institutsleiter Andreas Hartl, Gewinnerin Doris Hoffmann, WKNÖ-Direktor-Stv. Alexandra Höfer und Martin Widemann, Lehrgangsleiter für alle WIFI-Weinausbildungen und Präsident-Stv. des NÖ Sommeliervereins.
Wein
29.06.2020

Der Award fand heuer coronabedingt ohne Weinfrühling statt. Ausgezeichnet wurden Gewinner in vier Kategorien.

Weingutleiter Thomas Podsednik und Umweltstadträtin Ulli Sima.
Wein
23.06.2020

Das städtische Weingut setzt seit vielen Jahren auf naturnahe Bewirtschaftung und biologischen Pflanzenschutz. Die Umstellung auf Bio startet mit dem Beginn der diesjährigen Weinlese.

Wein
16.06.2020

Das Nusserl des Neuburgers, die Pikanz des St. Laurent und die Leichtigkeit des Pinot Noir werden unterschätzt. Schade, denn Burgunder, zu ­denen auch der „Super-Star“ Chardonnay zählt, passen oft ...

Wein
16.06.2020

Was mit Gurken und Rosen einer altbackenen Kategorie neues Leben einhauchte, geht nun mit Beeren-Aromen in eine neue Saison. Doch auch die reine Wacholder-Lehre bleibt der Bar erhalten.

Roland Graf
Wein
18.05.2020

Ein Rückblick auf die wirtelose Zeit: Die Getränkekolumne von Roland Graf in der ÖGZ.

Werbung