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Florian Phleps (38) ist seit Jänner der neue Geschäftsführer der Tirol Werbung.

Unsere Stärke ist die Kommunikation

07.03.2019

In der Vermarktung Tirols hat eine nie dagewesene Umstrukturierung stattgefunden. Über die Neuausrichtung spricht der neue Geschäftsführer der Tirol Werbung, Florian Phleps, im ÖGZ-Interview.

 

Zur Person

Florian Phleps geboren 1980 in Innsbruck, ­Studium der Rechtswissenschaften an der Universität Innsbruck, Absolvierung der Rechtsanwaltsprüfung
Juni 2012: Übernahme der ­Geschäftsführung des TVB ­PillerseeTal Dezember
2016: Prokurist und Mitglied der Geschäftsleitung in der Tirol Werbung mit Verantwortung für die kaufmännischen Bereiche, Cine Tirol, Tourismus Netzwerk und die Tirol Shop Vertriebs GmbH
seit Januar 2019 Alleingeschäftsführer der Tirol Werbung
verheiratet, zwei Söhne

Der langjährige Chef der Tirol Werbung Josef Margreiter hat die Leitung der neu gebildeten Tirol Holding übernommen. Sie haben als bisheriger Prokurist der Tirol Werbung das Bewerber-Hearing für sich entschieden. Was können Tirols Touristiker von Ihnen als neuem Geschäftsführer erwarten?
Florian Phleps: Ich bin jemand, der gerne im Team arbeitet, Leute einbindet, darauf aufbauend Entscheidungen trifft und die Verantwortung übernimmt. Sachen, die funktionieren, werde ich natürlich fortsetzen. Gleichzeitig möchte ich die Tirol Werbung nach meinen Vorstellungen prägen. 

Die Tirol-Holding „Lebensraum 4.0“ vereint Tirol Werbung, Agrarmarketing Tirol und Standortagentur unter einem Dach. Wie sehr wird die neue Struktur im Land die Arbeit und Strategie der Tirol Werbung beeinflussen?
Es wird keine gravierenden Änderungen in unserer Tätigkeit geben. Die Tirol Werbung ist Spezialist für den Tiroler Tourismus im Zusammenspiel mit den Tourismusverbänden. Außerdem fungieren wir als Dienstleister für Partner und Märkte. Und wir stellen unsere Stärken in der Kommunikation dem gesamten Standort zur Verfügung.

Wenn die Marke Tirol und der Standort zentral über die Holding beworben und gestärkt werden sollen, wie steht es da um die Rolle der Tirol Werbung? Muss sie sich neu aufstellen? 
Wir entwickeln uns gerade von einem Marketing- zu einem Kommunikationsunternehmen. Auslöser war allerdings nicht die Holding, sondern der Umbruch, der sich in den Medien und der Gesellschaft vollzieht. Aufmerksamkeit ist mittlerweile zu einer knappen Ressource geworden. Bisher waren unsere Maßnahmen auf Reichweite ausgerichtet. Jetzt geht es um Relevanz, um damit Reichweite zu erzielen. Was die Holding betrifft, bin ich überzeugt, dass die strukturelle Verbindung eine Bereicherung für alle Standortfelder ist. Wenn die Marke Tirol mit Spitzenleistungen aus Landwirtschaft, Wirtschaft, Bildung, Kultur etc. aufgeladen wird, profitiert auch der Tourismus. 

Bleibt das Budget der Tirol Werbung unverändert? Was sind die Budget-Schwerpunkte?
Für 2019 steht uns ein Budget in Höhe von 21,5 Millionen Euro zur Verfügung. Es ist damit unwesentlich höher als im Vorjahr. Den Schwerpunkt bildet heuer neben dem TirolBerg bei der Alpinen Ski-WM in Aare und dem TirolBerg-TV-Studio bei der Nordischen Ski-WM in Seefeld unsere Kampagne „Wofür schlägt dein Herz“. Mit der sind wir auf allen relevanten Märkten präsent.

In Tirol jagt ein sportliches Großereignis das andere. Wie sehr braucht Tirol solche Events? 
Tirol ist das Sportland Nummer eins in den Alpen. Diese Position wollen wir unter anderem mit großen Sportveranstaltungen festigen. In deren Zuge wird außerdem viel Infrastruktur geschaffen, die auch der heimischen Bevölkerung zugutekommt.

Heiß diskutiert wird aktuell das Urteil zur tödlichen Kuhattacke. Wie gehen Sie damit um?
Es ist die einhellige Meinung aller, von der Landwirtschaft bis zum Tourismus, dass eine gemeinsame Nutzung unserer Almen weiterhin möglich sein muss. Selbstverständlich hat das Urteil große Unsicherheiten ausgelöst. Aber im Rahmen eines runden Tisches mit allen Beteiligten haben wir eine gute Lösung erzielt. Diese gilt es nun möglichst rasch, bis zum Start der Almsaison, umzusetzen. In dieser Lösung enthalten ist ein umfassender Versicherungsschutz für Haftungssituationen im Almgebiet. Außerdem soll die gesetzliche Situation angepasst werden, unter anderem, um die Eigenverantwortung bei der Freizeitgestaltung im Almgebiet gesetzlich stärker zu verankern. Das betrifft Gäste und Einheimische gleichermaßen. Außerdem wird es eine Informationsoffensive geben, und die Vermarktung von Almprodukten wird verstärkt.

Wo hat Tirols Tourismus Nachholbedarf?
Definitiv beim Image. Der Tourismus sollte seiner tatsächlichen Rolle entsprechend vor allem im eigenen Land wieder stärker als attraktive, zukunftsfähige Branche wahrgenommen werden. Das müssen wir allen vermitteln – von der Bevölkerung bis zu den Arbeitskräften. Dafür gilt es, die richtigen Leute zusammenzubringen. Als Tirol Werbung leisten wir gerne einen Beitrag dazu.

Welche Märkte bieten Chancen?
Der Fokus unserer Maßnahmen liegt auf den Kernmärkten. Natürlich gibt es weitere Märkte, die Potenzial haben. Dazu zählt beispielsweise China, das wir seit einigen Jahren bearbeiten. Aber bei allen Bestrebungen zur Internationalisierung muss der Schwerpunkt auf den Kernmärkten liegen. Daran wird sich in absehbarer Zeit nichts ändern.

Wie schaut ein erstes Resümee zur Wintersaison aus?
Die anhaltenden und großteils ergiebigen Schneefälle Anfang des Jahres haben wie erwartet zu einem Minus bei Ankünften und Nächtigungen in der Jännerbilanz geführt. Verkehrsbehinderungen inklusive einiger Straßensperren hatten Stornierungen zur Folge, auch kurzfristige Buchungen sind ausgeblieben. Darüber hinaus hat die überspitzte Darstellung in der Berichterstattung zahlreicher, insbesondere ausländischer Medien zu einer nicht notwendigen Verunsicherung und damit einem Rückgang der Gäste beigetragen. Wie groß die Auswirkung auf das Gesamtergebnis für den Winter 2018/19 tatsächlich sein wird, lässt sich aktuell noch nicht abschätzen. Nachdem sich die Situation wieder beruhigt hatte, haben die Regionen aufgrund der traumhaften Bedingungen eine durchaus erfreuliche Nachfrage verzeichnet – bis über den stärksten Urlaubsmonat Februar hinaus.

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