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"Unter meinem Hut haben alle Platz!"

19.02.2010

Hans Schenner will wieder zum Obmann der Sparte Tourismus und Freizeitwirtschaft gewählt werden. Der Hotelier und Kammerfunktionär im ÖGZ-Interview über sein Verständnis von Interessenvertretung, erzielte Erfolge und gesteckte Ziele

Spartenobmann Hans Schenner rechnet trotz Regenwetter mit einem Anhalten des positiven Trends beim Städtetourismus

ÖGZ: Herr Schenner, eine fünfjährige Funktionsperiode liegt hinter Ihnen, was würden Sie persönlich als Ihre größten Erfolge als Spartenobmann ins Treffen führen?
Schenner: Also eines gleich vorweg. Ich definiere mich nicht als Kammerfunktionär. Ich bin seit 40 Jahren Unternehmer, habe so wie die meisten meiner Kollegen klein angefangen und bin auch heute noch jeden Tag in meinen Betrieben. Das ist für mich Erfolg. Meine Arbeit in der Wirtschaftskammer macht mich dann zufrieden, wenn meine Kolleginnen und Kollegen im Tourismus Erfolg haben, oder wenn wir jenen helfen können, die Schwierigkeiten haben. Und genau dazu ist die Kammer da. Ich verstehe meine Aufgabe so, wie ich es als Mitglied von mir selber erwarten würde. Persönlich stehe ich für harte Arbeit und Bodenhaftung. Wischi-Waschi und Schicki-Micki sind mir wurscht.

ÖGZ: Was macht Ihrer Ansicht nach einen guten Interessenvertreter und Kammerfunktionär aus?
Schenner: Eine dicke Haut braucht man schon. Und man muss hartnäckig sein. Was für mich einen guten Kammerfunktionär ausmacht? Kompetent sein und positiv sein. Christoph Leitl, der Präsident, ist so einer. Sein Wort hat Gewicht, und er ist positiv. Es hilft uns ja nix, wenn wir dauernd darüber diskutieren, welche Bremsen uns aufhalten. Wir müssen uns damit beschäftigen, auf welches Gaspedal wir treten können. Wirtschaft braucht Mut! Ohne Zuversicht und Mut funktioniert Wirtschaft nicht. Damit meine ich nicht, die Dinge schön zu reden, sondern damit meine ich, dass wir ganz im Inneren das Ziel haben müssen, dass es weiter geht, dass wir es besser machen können. „Yes, we can wahrscheinlich nicht“, kann nicht unser Motto sein.

ÖGZ: Und wie gut ist in dieser Hinsicht die Interessenvertretung der Tourismuswirtschaft aufgestellt?
Schenner: Wir waren noch nie so gut aufgestellt wie heute. In den letzten fünf Jahren haben wir uns völlig neu orientiert. Weg vom Verwalten hin zum Gestalten. Wenn ich den neuen Wirtschaftsminister Mitterlehner gleich nach seinem Amtsantritt von einer Inlandskampagne der Österreich Werbung überzeugen kann und er dafür sofort drei Millionen Euro in die Hand nimmt, dann nenne ich das gut aufgestellt. Das Ergebnis war das beste Sommerergebnis bei den Inlandsurlaubern seit 1983.

ÖGZ: Kritiker fordern immer wieder die Abschaffung der Pflichtmitgliedschaft bei der Wirtschaftskammer. Macht es Sinn, dieses System infrage zu stellen?
Schenner: Die Pflichtmitgliedschaft in der Wirtschaftskammer steht immer wieder zur Debatte. Ich bin selbst Unternehmer und weiß, wie wichtig es für Unternehmerinnen und Unternehmer ist, eigene Entscheidungen frei treffen zu können. Da trifft die Kritik an der Pflichtmitgliedschaft, die dann schnell als Zwangsmitgliedschaft bezeichnet wird, natürlich schon irgendwie das Bauchgefühl freier Unternehmer, die laut Definition ja selbstständig sind. Und damit spielen so manche Kritiker, die das bewusst einsetzen. Aber eines ist auch klar. Wir leben in einem politischen System bis hin zur EU, und da macht die Wirtschaftskammer schon Sinn. Wir Unternehmer sind ja auch Pflichtmitglieder in diesem Staat und in der EU und an die Gesetze gebunden, die das Parlament beschließt etc. Da ist es gut, dass sich die Wirtschaftstreibenden gegenüber der Politik entsprechend vertreten. Und das mit einer großen gemeinsamen Vertretung und nicht in Vereinen. Da ist die Wirtschaftskammer eben als gesetzlicher Vertreter ein Garant dafür, dass die Politik sich nicht verläuft und nur mehr Konsumentenschutzpolitik macht. Außerdem bieten wir jedem Mitglied kostenlos Rechtsberatung, Förderservice und vieles mehr. Wir sind für das Mitglied da und nicht das Mitglied für uns.
Das WIFI ist der größte Ausbildner im Land und auch für den Export haben wir viele Angebote.

ÖGZ: Worin sehen Sie die größten Vorteile im aktuellen System der WKO?
Schenner: Wir sind kein abgehobenes System, sondern sowohl regional wie auch in den Ländern und im Bund verankert.

ÖGZ: Auch die Wirtschaftskammer spiegelt bekanntlich politische Lager wider. Wie viel Parteipolitik tut einer Interessenvertretung gut?
Schenner: Die politischen Lager sind natürlich besonders bei der Kammerwahl interessant. Ansonsten haben wir wirklich eine konstruktive Arbeitsbasis. Gerade in der Tourismussparte.
Ich bin aber ein Verfechter dieses politischen Systems und der Kammerwahl. Erstens, weil sich jede Fraktion der Wahl und dem Mitglied stellen muss, und zweitens, weil sich jeder Funktionär auch in seiner jeweiligen Partei für unsere Anliegen einsetzen kann. Parteipolitik schadet der Kammer nicht. Aber im Vergleich zur Parlamentspolitik haben wir das Prinzip des Interessenausgleichs, und der läuft sachlich ab. Dumme Parteistreitereien sind bei uns Mangelware, und das ist gut so.

ÖGZ: Die Sparte Tourismus und Freizeitwirtschaft umfasst ein breites Interessenspektrum. Wie bringen Sie das als oberster Interessenvertreter unter einen Hut?
Schenner: Das ist relativ einfach. Wir haben sechs Fachverbände in der Tourismussparte, von der Gastronomie bis zu den Kinos, von der Hotellerie bis zu den privaten Gesundheitsbetrieben, von den Reisebüros bis zu den Freizeitbetrieben. Und jede Branche hat ihren Sprecher. So wie Helmut Hinterleitner für die österreichische Gastronomie spricht oder Gerhard Span für die Freizeitbetriebe oder Julian Hadschieff für die privaten Krankenhäuser und Kurheilanstalten. Unter meinem Hut haben alle Platz.
Es gibt die sogenannte Spartenkonferenz wo alle Branchensprecher vertreten sind. Sofern ein Thema mehr als eine Branche betrifft, bin ich nach dem Kammergesetz automatisch mit zuständig, ansonsten arbeiten die Fachvertretungen sehr eigenständig.

ÖGZ: Bei jeder Wahl stellt sich die Frage, wie viel der einzelne Wähler bewirkt. Wie viel kann das einzelne Kammermitglied bewirken?
Schenner: Das ist wie bei jeder Wahl. Sicher ist, dass jede Stimme zählt und somit wirkt sie auch. Wir sind nicht die DDR und auch keine Bananenrepublik. Wenn mehrere Fraktionen antreten, hat jede Stimme 100 Prozent Wert und Wirkung.

ÖGZ: Worin sehen Sie die größte Herausforderung für die Interessenvertretung der nächsten Jahre?
Schenner: Also aktuell steht die Tourismusstrategie des Wirtschaftsministers im Fokus. Neben Österreich Werbung und Tourismusförderung sind uns vor allem die Themen wichtig, die unseren Mitgliedern direkt helfen. Wir haben ganz klare Vorschläge gemacht: Steuerpauschalierung in der Gastronomie bis 700.000 Euro Umsatz, flexiblere Abschreibungsdauer bei Investitionen in der Hotellerie sowie die Möglichkeit einer Aufwertungsbilanz für das Bankgespräch, eine Aktion zur Förderung der Schulskikurse und natürlich Maßnahmen am Arbeitsmarkt.
Der ewige Kampf um Mitarbeiter und Saisoniers geht mir auf den Wecker. Wenn etwa die Industrie 200 Mitarbeiter einstellen will, läuft die Regierung zusammen. Wenn wir 200 Mitarbeiter brauchen, müssen wir betteln gehen. Unsere Betriebe brauchen Mitarbeiter. Wir haben mehr Beschäftigte in der Branche als je zuvor, trotz Krise! Und wir sind eine Branche mit Standortgarantie, wir produzieren in Österreich und lagern keine Produktion nach Rumänien aus.
Eines ist fix: Wenn Minister Mitterlehner hier am 26. Februar keine klaren Antworten gibt, ist seine „Tourismusstrategie“ aus Sicht der Wirtschaftskammer eher gescheitert als erfolgreich.

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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