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Unternehmer gegen Zentralisierung

25.03.2010

Das Bad Blumauer Manifest zur Sanierung der Wirtschaft durch Nach­haltigkeit wird um eine Forderung erweitert: „Dezentralisierung nötig“

Die Initiatoren und Befürworter des „Bad Blumauer Manifestes“ fordern mehr regional und weniger global: Wolf Lüdge (hessnatur), Josef Zotter (Zotter Schokoladen), Johannes Gutmann (Sonnentor), Robert Rogner (Rogner-Tourismus-Betriebe), Julia Fandler (Ölmühle Fandler) und Ernst Gugler (gugler)

Die Initiatoren und Unterstützer der österreichischen Nachhaltigkeits- und Krisen-Bewältigungs-Deklaration „Bad Blumauer Manifest“ treten mit einer neuen Forderung an die Öffentlichkeit: In Anbetracht der ungesunden Kräfteverhältnisse auf nationalen und internationalen Märkten müsse es zu einer „Dezentralisierung der Wirtschaft“ kommen. Konkret wird eine Besinnung auf kleinere, mittelständische Einheiten gefordert, „die von den Banken adäquate Finanzierungen erhalten“.

Globale Riesen und Shareholder Value liegen derzeit zu stark im Trend, kritisieren die Initiatoren Robert Rogner jun. (Rogner Tourismusbetriebe), Johannes Gutmann (SONNENTOR) und Josef Zotter (Zotter Schokoladen Manufaktur).
Dass Wirtschaftserfolge nur mehr in Wachstumsraten definiert werden, würde die Erde und ihre Ressourcen innerhalb kurzer Zeit erschöpfen, warnt Zotter. Er setzt sich für ein „qualitatives Wachstum“ ein, bis ein ausgeglichener ökologischer Fußabdruck erreicht ist.

KMUs gehen in Insolvenz
Wachstum werde meist durch Verdrängung erzielt: „Noch in den 60er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts gaben die Konsumenten 40 Prozent ihres Gehalts für Lebensmittel aus. Heute sind es nur mehr unter 10 Prozent. Trotzdem verzeichnen die Lebensmittelunternehmen zweistellige Zuwachsraten“. Eine Folge dessen, dass Klein- und Mittelstand in die Insolvenz gehen und der Markt sich auf ein paar große Unternehmen konzentriert, die mit immer neuen Filialen für mehr Marktanteile und mehr Umsätze sorgen, veranschaulicht Zotter die Situation. Die Befürworter des „Bad Blumauer Manifests“ fordern darüber hinaus, dass heimische Betriebe künftig die Werte und Grundsätze nachhaltigen und verantwortungsvollen Wirtschaftens auch über die Grenzen Österreichs hinaus anwenden. Seit Jahren seien die wichtigsten Maßnahmen im Kampf gegen die Wirtschaftkrise nicht nur bekannt, sondern würden von innovativen Unternehmen auch erprobt und weiterentwickelt. Im internationalen Wirschaftskontext sind sie trotzdem noch immer nicht integriert, monieren die Unterstützer.

An Mitstreitern fehlt es der Proklamation nicht
Das Manifest hat internationale Aufmerksamkeit erreicht. So zählen unter anderen nicht nur die Ölmühle Fandler oder das Kommunikationsunternehmen gugler zu den Unterstützern, sondern auch der deutsche Unternehmer Wolf Lüdge: Die Wirtschaft habe ihren ursprünglichen Auftrag aus den Augen verloren, so der Geschäftsführer des Modeunternehmens hessnatur. „Es ging einmal darum, dass Unternehmer im wahrsten Wortsinn etwas ‚unternehmen‘, dass sie ihr Gedankengut in die Tat umsetzen. Der Trend heute geht jedoch hin zu global agierenden Konzernen, die sich hauptsächlich am Shareholder Value orientieren“, kritisiert Lüdge. Sein Unternehmen habe sich gerade dank konsequenter Qualitätsphilosphie in der Krise hervorragend entwickelt.
Dass nachhaltiges Wirtschaften in harten Zeiten zum Erfolg führen kann, zeigen auch die drei Gründungsbetriebe des „Bad Blumauer Manifests“. Alle drei konnten im schwierigen vergangenen Jahr 2009 mit ihrer Strategie punkten und sogar Zuwächse verbuchen. So steigerte etwa der Waldviertler Bio­pionier Sonnentor seinen Umsatz um satte 15 Prozent auf 20 Mio. Euro, die Mitarbeiteranzahl wuchs um 16 Prozent auf 130 Beschäftigte an.

Das Bad Blumauer Manifest
Bei dem „Bad Blumauer Manifest zur Sanierung der Wirtschaft“ handelt es sich um ein umfassendes Programm, das den Ausweg aus der Finanzkrise durch nachhaltiges Wirtschaften skizziert. Insbesondere geht es dabei um neue Bilanzierungsregeln, bei denen die Unternehmensbonität auch an Mitarbeiter- und Geschäftspartnerzufriedenheit oder ökologische Aspekte gebunden ist („Basel III“), sowie um neue Bewertungssysteme für die Managementleistungen („Weg mit der Gier“) und um Richtlinien für den globalen Austausch zwischen Arm und Reich („fair und solidarisch“).
Die neue, ergänzende Forderung der „Dezentralisierung“ soll die Ausrichtung des Manifests noch einmal unterstreichen: „Mehr regional, weniger global“ lautet das Schlagwort.

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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