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Sohn Markus hat die Brauerei mittlerweile von Vater Harald übernommen.

Unternehmertum: Wer tut sich das noch an?

24.10.2020

Harald Sautner besitzt die größte Brauerei im Burgenland: Golser. Er ist ein Quereinsteiger. Aber Craftbierbrauer will er sich nicht nennen.

Was wir gemacht haben, geht eigentlich nicht“, sagt Harald Sautner (58), als wir auf ein Golser bei ihm in der Brauerei in – no, na – Gols sitzen. „Wir hatten keine Ahnung vom Brauen und eigentlich keine Kundschaft. Wir waren in den 1980ern ein erfolgreicher Getränkegroßhandel am Neusiedler See. Aber Bier brauen?“ Das gastronomische Angebot und das Geschäft wurden damals von wenigen Big Playern diktiert. Am Ende ging es immer um den Preis, Verträge, selten um die Qualität. „Es gab in den Lokalen zwei Leitungen, das war’s“, erinnert sich Sautner. Wenig Innovation, viel Druck.

Aus diesem System wollte er aussteigen und zeigen, dass es auch anders geht. Er kaufte zwei Kupferkessel einer alten Brauerei in Ulm und stellte einen Braumeister ein. Errichtete eine Fassabfüllanlage, eröffnete einen Shop für den Detailhandel. Gastrokunden werden wöchentlich direkt beliefert, auch mit kleinen Mengen. Das Motto war von Anfang an: „Wir arbeiten hier, wir leben hier, wir lassen unser Geld hier.“

Regionale Solidarität

Er hoffte, dass seine Kunden das verstehen, sich solidarisch zeigen: „Wir wollen es anders machen, helft’s mir!“ Und sie taten es. Heute braut Sautner – beziehungsweise seit 2015 sein Sohn Markus, studierter Ingenieur, Diplom-Sommelier und Master of Beer – eine Reihe von Klassikern und Spezialbieren aus regionalen Zutaten, teilweise in Bio-Qualität, täglich ein bis zwei Sude à 5.000 Liter, im Sommer mehr als im Winter. Er lässt das Bier sechs Wochen ruhen, die Hauptgärung dauert eine Woche, teilweise in offenen Bottichen. Sein Pale Ale wird kalt gehopft und mit regionalen Kräutern versetzt: Eberraute und Zitronenthymian. Im Herbst gibt es auch ein Kastanienbier. Sowohl die Kräuter wie auch die Kastanien kommen aus burgenländischen Genussregionen. 

Golser setzt sowohl Hightech mit Computersteuerung also auch traditionelle Braumethoden ein. „Unser Bier soll gleich werden, aber nicht ident.“ Damit unterscheidet sich Golser sowohl von den kleineren Craftbierbrauern, denen es oft schwerfällt, eine gleichbleibende Qualität zu erzeugen, als auch von den richtig großen Brauereien, die eher auf standardisierte Drinkability setzen. Sein Getreide bezieht Sautner teilweise in Bioqualität von Esterházy aus der Region und lässt es in Oberösterreich mälzen. Dort wird auch sein Bier in Flaschen abgefüllt. Aus dem Mühlviertel bezieht er seinen Hopfen. 

Die steigende Nachfrage nach regionalen Produkten in der Gastronomie kommt Golser zugute. Seit kurzem gibt es in Wien zwei eigene Lokale, weil Spezialbiere eigentlich immer noch nur im urbanen Raum funktionieren oder im Direktverkauf im Shop. In der Gastronomie am Land gehen eher traditionelle Sorten wie das preisgekrönte Premium Märzen oder das dunkle Rotgold. Golser ist auch stark im Eventbereich vertreten. Dass es heuer kein Novarock gibt, trifft Sautner schwer. Dort ist er immer stark vertreten. Überhaupt hatte auch er wie viele andere Brauer in diesem Coronasommer zu kämpfen.

Brauer mit Haut und Haar

Aber Kämpfen ist er gewohnt. „Man kommt nie weg. In Urlaub gefahren bin ich erst mit 50“, sagt er. „Jeder kennt einen, man wird immer auf die Firma angesprochen, man ist Tag und Nacht Brauer.“ Diesen Einsatz möchten heute nur noch wenige bringen, sagt er. Nine to Five sei für die junge Generation oft attraktiver. Umso glücklicher ist er, dass sein Sohn nicht so denkt und die mittelständische Privatbrauerei Golser in die Zukunft führt, auf ihrem Weg zwischen allen Stühlen.

Autor/in:
Thomas Askan Vierich
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