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Urlaub in Österreich: teuer, aber gut?

20.12.2015

Um im Wettbewerb mit den Nachbarn weiter reüssieren zu können, müssen österreichische Touristiker konsequent auf Qualität setzen. Das heißt nicht unbedingt mehr Vier- und Fünf-Sterne-Angebote, sondern mehr exzellenten Service. Das geht aus einer Studie des Wiener Institiuts für Freizeit- und Tourismusforschung (IFT) hervor

Studie des Wiener Institiuts für Freizeit- und Tourismusforschung (IFT)

Ziemlich weit hinten steht in dieser lesenswerten Studie über die Herausforderungen des österreichischen Tourismus, dass nur 18 % der deutschen Urlauber mit dem österreichische Preis-Leistungs-Verhältnis zufrieden sind. Der direkte Konkurrent Bayern schneidet besser ab. 
Nun wird man nicht an der Preisspirale drehen wollen und können. Das empfehlen die beiden Autoren Peter Zellmann und Sonja Mayrhofer vom Wiener Institut für Freizeit- und Tourismusforschung (IFT) auch nicht. Denn sonst schneide Österreich als Urlaubsziel bei den Deutschen recht gut ab. Vor allem werde es auch immer beliebter bei den Österreichern selbst. Hier hilft der Trend zum kürzer und dafür öfter Verreisen: Für Kurztrips steigt man eher nicht ins Flugzeug, sondern sucht sich ein Nahziel. Die entscheidende Frage, die sich der Urlauber heute und in Zukunft stellt, lautet: „Welches Urlaubserlebnis gibt es zu welchem Preis-Leistungs-Verhältnis?“ Dazu kommen Faktoren wie Sauberkeit, Sicherheit und schöne Landschaften. Da kann Österreich überall punkten. Allerdings sparen Urlauber mittlerweile auch beim Urlaub, haben aber ihre Reiselust nicht verloren. 

Anspruchsvoll, preisbewusst

Unter den österreichischen Inlandsurlaubern sind besonders viele Personen jenseits von 55 Jahren mit eher niedrigem Haushaltseinkommen. Wer jünger ist und mehr Geld zur Verfügung hat, fährt eher ins Ausland. Auch die Tatsache, dass nur noch zehn Prozent der Österreicher den Wintersport als Haupturlaubsmotivation angeben und mehr als die Hälfte aller Österreicher für den Wintersport gar nichts mehr ausgeben, sind keine guten Nachrichten. Wenn überhaupt, dann fahren noch die Ostösterreicher in die Skiferien. Westösterreicher, haben die Autoren festgestellt, fahren vielleicht in ihrer Freizeit Ski, aber für die Ferien suchen sie sich etwas anderes.
Daraus leitet Zellmann mehreres ab: Die Touristiker sollten die Tagestouristen mehr hofieren, ihr Angebot sollte auch die Wohnbevölkerung ansprechen: Freizeitwirtschaft und Tourismus haben mehr miteinander zu tun, als viele glauben. Vor allem sollten sie Urlaub noch mehr inszenieren, zu einem Erlebnis machen und dazu zählt durchaus auch ein Erlebnispark. Aber in erster Linie schafft das ein erstklassiger Service. Der Gast, besonders der ältere, will keine Kompromisse eingehen und sich vor allem wohlfühlen. 

Der Wohlfühlfaktor

Dafür braucht er nicht unbedingt eine teure Wellnessoase, sondern Mitarbeiter, die sich wirklich um ihn kümmern und auf seine tatsächlichen Bedürfnisse eingehen. Zellmann wird nicht müde zu betonen, dass Hoteliers weniger in die Hardware und mehr in die Software investieren sollten. Und er weiß auch, wie schwierig das ist. Aber für das Umsorgtsein ist der Gast bereit, (mehr) zu zahlen. 
Qualitätstourismus wird immer mehr nachgefragt, auch von Kurzreisenden. Gerade die wollen in den wenigen Tagen möglichst viel geboten bekommen. Das muss man ihnen anbieten, dann kann man verdienen. 

Kooperationen ausbauen

Möglichkeiten gibt es viele: Zellmann plädiert dafür, die Zusammenarbeit in den Regionen zu verstärken, um Ressourcen zu sparen und preisgünstiger anbieten zu können. Vor allem die Landwirte sollten mit ihren Angeboten touristisch mehr eingebunden werden. Um Mitarbeiter zu motivieren, empfiehlt er, diese mehr in die Entscheidungsprozesse vor Ort einzubinden: Verantwortung motiviert  – und eine ganzjährige Anstellung sowieso. Außerdem müsse man „Dienstleistung“ neu definieren: Sie hat nichts mehr mit „Dienstbotentätigkeit“ und schlecht bezahlter Saisonarbeit zu tun. 
Darüber hinaus sieht er viele neue Berufsfelder im Tourismus: Erscheinungsbild-Manager, die sich u. a. um Rad- und Wanderwege kümmern. Gästebetreuer in Hotels und Resorts, die nichts anderes machen, als Gäste nach ihren Wünschen zu befragen – und eventuell auch wissen, was man in der Region Spannendes erleben kann. Es müsse gut ausgebildete Fachleute geben, die aus der ansässigen Bevölkerung neue Angebote herauskitzeln. Dann entstehe so etwas wie die „Logistik der Lebensgefühle“. So etwas muss moderiert werden, von Leuten vor Ort. So komme man zu authentischen Angeboten, die einen unterscheidbar machen. Und nur darin liege die Zukunft des Tourismus. Nicht unbedingt in immer exklusiveren Angeboten.

Buchtipp

Die Urlaubsrepublik. 
Die Zukunft des Tourismus in Österreich 
Peter Zellmann, Sonja Mayrhofer, Manz, 240 S., 21,90 Euro

 

Autor/in:
Thomas Askan Vierich
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