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Urlaub ohne Auto in Österreich: Geht das?

22.10.2015

Zweiter Tourismus-Mobilitätstag: 150 Teilnehmer vernetzten sich in Wien zu Fragen regionaler Angebotsentwicklung und nachhaltiger Mobilitätslösungen. Und analysierten noch bestehende Schwächen in Österreich

Text: Marie-Theres Stremnitzer

Eine der größten Herausforderungen im Tourismus der näheren Zukunft ist der Transport urlaubswilliger Gäste zu ihren Destinationen. Darüber ist man sich unter Touristikern einig. Aber es steckt Sand im Getriebe, der Blick auf das große Ganze ist gefragt. Immer mehr Menschen reisen häufiger, dafür kürzer. Qualitativ hochwertiger Natur-Tourismus ist gefragt, die Wettbewerbsfähigkeit hängt aber von seiner Erreichbarkeit ab. Beim Treffen in der nagelneuen ÖBB-Zentrale am Wiener Hauptbahnhof waren daher echte Mobilität statt Greenwashing, Produktentwickler statt Marketingstrategen und Konsenswillen zwischen Touristikern und Transportdienstleistern gefragt.

Viele Mobilitätskonzepte stehen still, sobald die EU-Förderung ausläuft. Warum?
Weil niemand von Anfang an dahinterstand. Davon ist Manfred Kohl, Gründer von Kohl & Partner Hotel und Tourismus Consulting, überzeugt. „Um nachhaltige Mobilitätskonzepte zu erarbeiten, muss man Destinationsentwickler statt Marketingleiter engagieren, sonst verkommen Ideen zum reinen Greenwashing“, so Kohl. „Der Destinationsentwickler muss die gesamte Customer-Journey, die Ziele und Touchpoints von Anbieter und Gast vor Augen haben. Er muss als Vertrauensperson die Leistungsträger zusammenbringen und mit ihnen gemeinsam das Produkt entwickeln – vor der Fördereinreichung. Letters of Intent der Beteiligten genügen nicht. Es muss die Bereitschaft geben, die Mobilitätskonzepte finanziell mitzutragen, über die Förderung hinaus.“

Als positives Beispiel für nachhaltige Finanzierung auf Destinationsebene sieht Kohl die Konuskarte im Schwarzwald: Beteiligt sind 140 Gemeinden und neun Verkehrsverbünde. Pro Nächtigung gehen 36 Cent in die Mobilität. Positiver Nebeneffekt: Die Karte gibt auch noch Aufschluss über das Mobilitätsverhalten der Gäste. So kann und muss nach jeder Saison eine kritische Effizienzprüfung stattfinden. Das funktioniert, weil sich Touristiker und Transportdienstleister als Partner begreifen.

Lifestyleprodukt Bahn
Der Gast aus dem urbanen Raum träumt von autofreien Destinationen. Autofrei bis auf das eigene. Denn je romantisch abgelegener eine Destination, desto unpraktischer und komplizierter scheint es, sich dort fortzubewegen. Hat der Gast in seiner Wahrnehmung recht? „In Tirol gibt es bereits sehr gut entwickelte Nahverkehrskonzepte“, sagt Michael Brandl, Prokurist Tirol Werbung. „Sie werden aber nicht in vollem Umfang angenommen.“ Ein Grund könnte sein, dass es keine tirolweite Lösung, sondern lauter Verkehrsinseln gibt. „Die Gäste sind aber urbane Paradigmen gewöhnt. Daher muss sich das Image ändern“, glaubt Brandl. „Tatsächliche und psychologische Erreichbarkeit klaffen zu sehr auseinander.“ Unbesetzte Bahnhöfe seien ein zusätzliches Problem. Die Informationsleistung müsste daher verstärkt von den Betrieben übernommen werden, bereits vor der Anreise. Ein Beispiel: Die Insel Juist im niedersächsischen Wattenmeer ist autofrei. Hier wird dem Gast vom Flugticket bis zum Fahrradverleih alles organisiert. Die Beherberger informieren ihre Gäste bereits vor der Anreise über ihre Möglichkeiten zur Fortbewegung vor Ort. Brandl: „Wer nicht die Sicherheit hat, dass die Vor-Ort-Mobilität gewährleistet ist, reist nicht mit der Bahn an.“ Zum Vergleich: Ins Schweizer Wallis reisen 16 Prozent der Gäste aus Deutschland per Bahn. Nach Tirol nur fünf Prozent, trotz vergleichbarer Erreichbarkeit.

Nahverkehr als USP
Klaus Garstenauer, Leiter ÖBB Nah- und Regionalverkehr, sieht das ähnlich: „Die Fahrgäste, die mit uns fahren müssen, haben wir. Jene, die die freie Wahl haben, müssen wir gewinnen. Bahnfahren muss zum Lifestyle werden, mit Mehrwert.“ Am Servicedesign werde gearbeitet, so Garstenauer: „In drei Klicks zum ÖBB-Ticket.“ Obwohl die Österreicher im EU-Vergleich die fleißigsten Bahnfahrer seien, wolle man vor allem bei den Freizeitfahrern deutlich zulegen. Eine große Hürde sei, sagt Christian Hillbrand, Geschäftsführer Verkehrsverbund Vorarlberg, dass Österreich nach wie vor als Autourlaubsland gelte, das müsse aus den Köpfen gebracht werden. Der Kauf einer Fahrkarte etwa von Garmisch nach Innsbruck sei viel zu kompliziert. „Mit Tarifvergleichen, Anschlüssen und Fahrzeiten will sich im Urlaub niemand befassen. An diesen Barrieren müssen wir arbeiten“, ist auch Christian Schützinger, Geschäftsführer Vorarlberg Tourismus, überzeugt. „Der Mehrwert der Mobilitätskarten ist zwar ein Anreiz, oft kommt die Information beim Gast aber gar nicht an. Tourismusbetreiber müssen die Nahverkehrsangebote als USP begreifen und für ihre Gäste bedienen.“

Ein Versuch, zwei unterschiedliche Informationssysteme miteinander zu verkoppeln, ist das AlpInfoNet-Projekt, das alle Betriebe und Destinationsangebote des Alpenraums erfasst und mit einem Fahrplanangebot vernetzt. Mit dem Destinationsangebot sollen gleichzeitig Routenvorschläge bis hin zur Hotelshuttle-Telefonnummer für die letzte Meile abrufbar sein. Die größte Herausforderung hierbei ist sicherlich die Pflege der Daten. In- und ausländische Verkehrsbetriebe müssten hier über den Tellerrand blicken und private Anbieter in ihr System integrieren.

Zur Unterstützung will Wirtschafts- und Tourismusminister Reinhold Mitterlehner die Vernetzung relevanter Partner aus Tourismus, Verkehr, Umwelt- und Klimaschutz weiter vertiefen. Wirtschafts-, Verkehrs- und Umweltministerium schaffen jetzt eine eigene Plattform für nachhaltige Mobilität im Tourismus. Im Anschluss an die Impulsreferate wurden gelungene Beispiele nachhaltiger Tourismusmobilität, wie „Stoder sanft mobil“, Gseispur im Gesäuse oder Ferienregion Nationalpark Hohe Tauern in Workshops diskutiert.

Informationen zum Nachlesen unter:
www.bmwfw.gv.at/tourismus

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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