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Urlaub unter (Jagd-)Freunden

02.06.2008

Althofen in Kärnten kennt man vor allem wegen des Kurzentrums. Groß und mächtig schmiegt es sich an den Hang, gegenüber des malerischen Burgberges. Unter dieser Burg wiederum liegt der Prechtlhof der Familie Krassnitzer.

Ein uraltes Haus wurde mit viel Feingefühl renoviert – so präsentiert sich der Prechtlhof heute.

Fast bescheiden im Vergleich zur Kuranlage wirkt der renovierte Gasthof, den die Familie Krassnitzer in der zweiten Generation betreibt und zum modernen Vier-Sterne-Hotel-Restaurant umgestaltet hat. Zwei vielgenutzte Seminarräume, Internet-Anschluss in allen Zimmern und was sonst noch alles dazugehört, findet man hier. Für Entspannung ist auch in der Sauna-Grotte, im Solarium, in der Infrarotkabine, im Whirlpool, im sonnengeheizten Schwimmbecken gesorgt ... Was will man mehr?

Fließendes Wasser belebt ... Der Hausherr, Leopold Krassnitzer, ist leidenschaftlicher Jäger. Davon zeugen die zahlreichen Trophäen, auch aus fernen Gegenden, die Hallen, Gänge, Stiegenhaus und Jagdstube schmücken. Die 25 komfortablen Zimmer, einige mit Veranda, sind im besten Sinn des Wortes, angenehm schlicht gehalten. Aus allen Wasserhähnen fließt belebtes Wasser nach der Grander-Methode, das auch bei Tisch angeboten wird. Ausgesprochen mild schmeckt es. „Unser Wasser ist natürlich sehr eisenhältig, wie überall in der Gegend, da gab es schon hin und wieder Beschwerden, also haben wir die Vorrichtung gleich im ganzen Gebäude installiert und alle sind zufrieden“, berichtet der Hausherr. Ein Stockwerk ist für Nichtraucher reserviert. „Es soll sich hier jeder wohl fühlen, Seminarbesucher, Familien und Durchreisende. Das größte Kompliment ist für uns, wenn Gäste, die beruflich, auf einer Tagung oder rein zufällig hier waren, im Urlaub wiederkehren“, meint Birgit Krassnitzer, die charmante Wirtin. Also, eigentlich ist sie ja nicht nur Wirtin, sondern auch Diplom-Sommelière mit einer Vorliebe für heimische Weine, die in einem sehr kompletten und doch überschaubaren Angebot in einem gepflegten Keller reifen. Sie kümmert sich, unterstützt von Frau Krassnitzer senior und ausgesprochen freundlichen, jungen Angestellten, um die Gäste im Speisesaal, berät sie mit jener zurückhaltenden Sicherheit und Sachlichkeit, die den wahren Fachkundigen eigen ist.

Restaurieren – Renovieren – Innovieren … „Wir hatten ein schönes, altes Gastzimmer, das die Nachbarn und Leute der Umgebung sehr schätzten. Nur war es eben wirklich schon zu alt und dadurch eben auch etwas heruntergekommen. Eine behutsame Renovierung hätte den heutigen Ansprüchen auch nicht genügt. Wir haben uns daher entschieden, etwas vollkommen Neues zu machen und dabei trotzdem die Stammgäste, viele davon sind ja Freunde, nicht zu verlieren. Das war gar nicht so einfach, ist aber dank unseres Tischlerei-Partners Thennemayer schluss-endlich toll gelungen!“
Die Rechnung ging auf, wovon man sich mittags und abends an der Schank bei einem Bier aus dem benachbarten Hirt oder im hellen Speisesaal überzeugen kann. Hier unterhalten sich Urlauber ungezwungen mit Einheimischen und Seminarteilnehmern. In Kärnten redet es sich halt besonders leicht ...

Fröhlichkeit, ein Rezept … Der Chef Leopold – von allen nur „Poldi“ gerufen – ist eine Frohnatur, wenngleich seine Arbeit als Küchenchef nicht immer einfach ist. Vor allem dann, wenn das Haus und die Terrasse voll sind und womöglich noch gleichzeitig ein Catering ansteht. „Irgendwie geht das schon, man muss eben auch ‚a bissale‘ zaubern können“, versichert der Herr Wirt und schmunzelt. In der Küche sind sie meist zu sechst. Was auf die Tische kommt, kann sich wirklich sehen lassen. Der „Küchengruß“ allein gehört erwähnt, nicht nur, weil es sich eigentlich eher um eine leichte Vorspeise handelt als um ein schnödes Häppchen, sondern vor allem, weil da ein viel zu selten angebotenes, sehr gutes Karotten-Soufflé dabei war. Ausgezeichnete Kärntner Hausmannskost gibt es, wie Fleisch- und Kasnudeln, Gurktaler Luftgetrocknetes mit Balsamico und Kren, besondere Wurstzubereitungen, feine Kräutersuppen ... ach, und Ritschert-Meister ist er auch noch, der Chef! Für alle Nichteingeweihten: Das ist ein Kärntner Festtagsessen, ein Eintopf aus Bohnen, Rollgerste, Rauchfleisch und vielen Kräutern, allen voran Liebstöckel. Der Rest bleibt „Poldis“ Küchengeheimnis.
Steaks, Lamm, Geflügel, aber auch die Klassiker der österreichischen Küche wie luftiges Schnitzel und Rostbraten folgen. In der Saison von Mai bis Oktober selbstverständlich Wild in vielen Variationen. Besonders stolz, und das zu Recht, ist man auf das Hirschsteak, das es eigentlich immer gibt, „außer es ist aus!“, lacht der Herr Krassnitzer. Das gesamte Fleisch ist von seltener Güte und wird fast ausschließlich von Bauern aus der Umgebung bezogen. Dieses Prinzip hält man überhaupt hoch im Prechtlhof. Auch der Bäcker, der das wunderbare Bauernbrot bäckt, wohnt gleich ums Eck.
Dem Gemüse, lange Zeit seltsamerweise gerade in ländlichen Gasthöfen vernachlässigt, wird hier mit besonderer Liebe „begegnet,“ in der Auswahl und in der Zubereitung. Das Land Kärnten würdigte das auch mit zwei grünen Herzen, einer Auszeichnung für gesunde Küche. Das ist schön, aber noch schöner wird es, seit Birgit Krassnitzer, neben ihren anderen Aufgaben einen Gemüse-Schnitzkurs absolviert hat. „Aufpassen, liebe asiatische Freunde und Kollegen, da ist jemand begabt“, meinte auch prompt der Fotograf, ein Auskenner in fernöstlicher Kampfessenskunst. Für die hausgemachten Nachspeisen wird eine eigene Pâtissière hinzugezogen. Den zufriedenen Gesichtern an den Nebentischen nach zu urteilen, muss es sehr gut gewesen sein, wir konnten nämlich beim besten Willen nicht mehr probieren. Doch das wird nachgeholt.

Gäste und: Gäste … „Natürlich könnten wir unseren Ehrgeiz auf das Erlangen von Hauben und Sternen ausrichten. Das ist ja auch eine Ehre, wenn man sie bekommt, eben eine gewisse Form von ,offizieller‘ Anerkennung der geleisteten Arbeit und des Könnens, der Kreativität. Wir meinen nur, dass dann oft etwas anderes auf der Strecke bleibt, nämlich die Verbundenheit zu unseren Gästen, der familiäre, einfache, dennoch höfliche Umgang mit ihnen“, sind sich die Krassnitzers einig. Überhaupt strahlen die beiden Harmonie und Übereinstimmung aus. Man hat das untrügliche Gefühl, dass jeder weiß, was er zu tun hat und somit den anderen ergänzt. Sie schaffen es auch, diesen Eindruck ihren Gästen zu vermitteln. Denn die Krassnitzers besitzen etwas in der Gastronomie wirklich Wertvolles: die gelungene Kombination von Professionalismus und ehrlicher Herzlichkeit. Es allen recht zu machen, ist eine Kunst, und für die gibt man sich in diesem Haus alle Mühe.

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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