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Verbote gegen dunkle Pommes und Schleier

04.10.2017

Was uns derzeit alles so bewegen muss: Pommesverordnung und Schleierverbot. Es gäbe vielleicht wichtigere Themen.

Was haben ockerfarbene Pommes und vollverschleierte Menschen gemein? Beide soll es bald in Österreich nicht mehr geben. Vor zu dunkel frittierten Pommes schützt uns die kommendes Jahr in Kraft tretende europäische  Acrylamid-Verordnung. Weil kaum jemand sich den Namen des Stoffs merken kann, nennen wir sie gemeinhin „Pommesverordnung“. Worum geht es? Acrylamid ist nachweislich krebserregend, darum soll es nicht auf den Teller. So weit, so verständlich. Weil man offensichtlich annimmt, dass den europäischen Wirten und Wirtinnen die Gesundheit ihrer Gäste nicht besonders am Herzen liegen könnte, müssen Restaurantketten und Großbetriebe ab 2018 regelmäßig Proben entnehmen. Sie müssen Pommes frites vor dem Braten einweichen und dokumentieren, dass diese anhand von Farbtafeln die richtige Bräunung haben. Für Kleinbetriebe und Gasthäuser wird es einfachere Anforderungen geben. Trotzdem: Gastronomen werden also bald keinem Malermeister mehr in der Benennung der Farbskala von braun bis gelb nachstehen. So viel zum Schutz der Gesundheit. 

Schleierverbot 

Als Abwehr des politischen Islams kommt das Verschleierungs- vulgo „Burkaverbot“. Da es in Österreich relativ wenige vollverschleierte Frauen gibt, trifft das Thema vermutlich mehrheitlich Touristinnen. Die Exekutivbeamten werden angehalten, „sensibel mit der Rechtsmaterie umzugehen“ und aufzuklären, anstatt gleich abzustrafen. Dass saudische Damen in der Nobeleinkaufsmeile am Wiener Kohlmarkt verhaftet oder im Burkini gewaltsam aus dem Zeller See gefischt werden (einen ähnlichen Fall gab es vergangenes Jahr in Frankreich) bleibt uns also hoffentlich erspart. Auch, dass japanischen Touristen am Flughafen Schwechat die Atemschutzmasken abgenommen werden, sofern sie kein ärztliches Attest dabei haben. Klar muss was gegen gesundheitsgefährdendes Essen und religiösen Extremismus getan werden. Man sehnt sich aber manchmal nach einer Gesellschaft, die mit weniger Verboten auskommt. 

Autor/in:
Daniel Nutz
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