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Vernunft ist besser als Zorn

11.04.2003

Verletzte reagieren oft irrationell. Es gibt tausende Fälle, die das belegen: Der ungeliebte Mitarbeiter, der „in den Wald ge-
schickt“ wurde und sich bei der nächsten Gelegenheit rächte, indem er einen anonymen Brief bei der Steuerbehörde deponierte, beim Marktamt über unhygienische Standards seines alten Betriebes klagte, den Betrieb bei der Gewerkschaft anschwärzte oder noch ärgere Aktionen unternimmt.

Wie viel Zeit Unternehmer aufbringen müssen, um derartige Attacken abzuwehren, ist unbekannt, volkswirtschaftlich gesehen wird es sich aber um einen mehrstelligen Millionen-Betrag handeln. Sind Sie daher klug und kündigen Sie in aller Ruhe und entlassen Sie beherrscht und menschlich.

Kündigung und Entlassung. Verwenden Sie diese beiden Begriffe richtig und beherzigen Sie, dass eine Kündigung ohne Anlass und ohne Angabe von Gründen für kündbare Mitarbeiter jederzeit möglich ist. Sie kann zwar angefochten werden, in den meisten Fällen wird sie aber vom Arbeits- und Sozialgericht bestätigt werden. Sie werden die gesetzlich vorgeschriebene Kündigungsfrist und Gehaltszahlungsvereinbarungen einhalten müssen und sich zu überlegen haben, ob Sie den gekündigten Mitarbeiter bis zum Ende seiner Kündigungsfrist beschäftigen wollen. Oft ist es nämlich ratsam, auf die, dann sicher nicht mehr engagierte, Arbeitskraft zu verzichten.
Bei einer Entlassung, die fristlos ist, muss sich der Mitarbeiter etwas zu Schulden kommen lassen, und es gibt keinen wie immer gearteten Entlassungsschutz. Auch ein Betriebsrat, eine werdende Mutter, ein Präsenzdiener und ein Behinderter, die sich eines groben Vergehens schuldig gemacht haben, können entlassen werden. Sorgen Sie in einem derartigen Fall für eine schlüssige Beweislage und seriöse Zeugen, sonst könnte es teuer für Sie werden. In vielen Fällen, wenn es nicht leicht ist dem Mitarbeiter den Griff in die Kasse oder andere Verfehlungen zu beweisen, ist man gut beraten, eine Kündigung auszusprechen und auf die weitere Arbeitsleistung des Täters zu verzichten. Erinnern Sie sich an den mehrstelligen Millionenbetrag! Ein gutes englisches Sprichwort sagt: „Don’t throw good money after bad money!“, was soviel bedeutet wie: „Man sollte einen Schaden, der unbehebbar ist, nicht mit gutem Geld zu beheben versuchen!“.

Das Zeugnis – die Arbeitsbestätigung. Der ehemalige Mitarbeiter hat ein Recht auf eine Arbeitsbestätigung, nicht aber auf ein „gutes“ Zeugnis. Hier sollten alle Unternehmer zusammenhalten und einem unliebsamen Mitarbeiter kein „Gefälligkeitszeugnis“ ausstellen, damit er keine „Scherereien“ verursacht.

„Hat bei uns gearbeitet“ heißt, dass er unter jeder Kritik war, „hat zu unserer Zufriedenheit gearbeitet“ heißt, dass er nicht schlecht, aber auch nicht gut war, „hat zu unserer vollen Zufriedenheit gearbeitet“, dass er gut war und „zur vollsten Zufriedenheit“ sollte man nur ehemaligen Mitabeitern ins Zeugnis schreiben, von denen man sich gewünscht hätte, dass sie bleiben. Schreiben Sie auch Details ins Zeugnis, die der Wahrheit entsprechen, wie „war bei unseren Gästen (seinen Kollegen) beliebt“, „war umsichtig“, „war genau“ oder „zuverlässig“.
Auch Sie wünschen sich von Ihren Kollegen, dass Sie richtig über einen Bewerber informiert werden.

Das Wichtigste in Kürze:
* Hüten Sie sich vor „bösen“ gekündigten oder entlassenen Mitarbeitern.
* Sprechen Sie über „Kündigung“, wenn Sie Kündigung meinen.
* Sichern Sie sich bei Entlassungen durch Zeugen und Beweismaterial ab.
* Stellen Sie Zeugnisse aus, die „Hand und Fuß“ haben.

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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