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Verpflichtung zur Kontaktaufnahme

20.01.2010

Rechtsanwalt Dr. Wolf-Georg Schärf über ein Gerichtsurteil, das sich mit dem richtigen Servieren von (Heiß-)Getränken in der Gastronomie befasst

Das Landesgericht Feldkirch hat in einem bahnbrechenden Urteil 2009 grundsätzliche Ausführungen zur Frage des Servierens von heißen Getränken und Speisen im rechtlichen Rahmen erstattet. Ausgangspunkt für den Prozess war ein tragischer Vorfall, bei dem ein Säugling durch ein – wie vom Gericht festgestellt – unsachliches Servieren von heißem Wasser verbrüht worden ist. Es stellt sich somit die Frage, wie (heiße) Getränke und (heiße) Speisen serviert werden müssen, sodass es zu keinen Beschädigungen von Fahrnissen von Gästen oder Verletzungen dieser kommt. Insbesondere bei einem vollen Haus und hektischem Betrieb werden die Regeln des ordnungsgemäßen Servierens oft missachtet. Solange nichts passiert, ist dies bedeutungslos, jedoch im Falle eines Unfalls, stellt sich die Frage umso mehr, je höher der Schaden ist.

Grundsätzlich gilt beim Servieren von Getränken die sogenannte „Rechtsregel“, dies bedeutet, dass das Hinstellen der Getränke an der rechten Seite des Gastes zu erfolgen habe. Die Getränke werden somit beim Servieren von der linken Hand gehalten und mit der rechten Hand am Tisch des Gastes hingestellt. Wenn die Tischposition dies nicht ermöglicht, ist eine der Situation angepasste Variante anzuwenden.
Höchste Priorität hat die Unfallverhütung. Daher ist beim Servieren stets auf eine ausreichende Kontaktaufnahme mit den Gästen zu achten. Dies bedeutet, dass der Servierende sicherzustellen hat, dass der Gast auf die – verbale – Kontaktaufnahme reagiert und somit signalisiert, dass ein Serviervorgang vorgenommen werde.

„Volles Haus“ ist keine Ausrede
In der Praxis stellt sich oft die Frage, ob dies auch bei einem „vollen Haus“ möglich sei. Viele Betreiber von Gaststätten und Lokalen werden dies verneinen, jedoch ist dazu anzumerken, dass im Falle eines Unfalles nach dieser genannten Judikatur sehr wohl eine Verpflichtung bestünde. Die Ausrede, dass ein Haus voll ist, und der Betrieb hektisch ist, ist im Sinne der Rechtsprechung kein tauglicher Entschuldigungsgrund. Nur durch eine entsprechende Schulung und andauernde Belehrung des Personals ist es möglich, solche Vorfälle, wie dies der Anlassfall für dieses Urteil war, zu vermeiden und somit auch einer strafgerichtlichen Verfolgung zu entgehen.
Dr. Wolf-Georg Schärf ist Rechtsanwalt in Wien und auf Fragen des Zivilrechts spezialisiert.

Tel.: 01/533 39 51,
office@lawschaerf.at

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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