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„Die Versorgung der  Hütten ist für uns ein  Zusatzgeschäft im Winter.“ JohaNn Knaus, Heli Austria

Versorgung auf höchster Ebene

11.09.2014

Oberhalb der Baumgrenze ist die Belieferung mit Lebensmitteln, Getränken oder Heizmaterial eine echte Herausforderung für Wirtsleute (und ihre Lieferanten).

Notversorgungsflug auf  die Glungezerhütte um 1970 .

Unglaubliche 3.277 Meter über dem Meeresspiegel, inmitten der Ötztaler Alpen, liegt das Brandenburger Haus. Es ist die höchstgelegene Hütte des Deutschen Alpenvereins und gehört zur Sektion Berlin. Ihre Pächterin ist Anna Pirpamer. Von Mitte Juni bis Mitte September betreut die Tirolerin das Schutzhaus mittlerweile zum fünften Mal in Serie. „Das ist eine echte Herausforderung“, gesteht sie, denn sämtliche Lebensmittel, alle Getränke und das Heizmaterial müssen per Hubschrauber gebracht werden. Das bedeutet, „alle drei Wochen liefert der Hubschrauber in mehreren Rotationen – also Rauf- und Runterfliegen inklusive Be- und Entladen – alles, was wir brauchen“, erklärt Pirpamer. 600 Kilogramm kann ein Helikopter pro Einsatz fliegen. „Da muss die Bestellung gut überlegt sein“, weiß die Wirtin. Der größte Posten im Fall des Brandenburger Hauses ist das Heizmaterial. Danach folgt Bier – alle drei Wochen werden neun 50-Liter-Fässer benötigt – der Rest sind Lebensmittel. „Das Geschäft hier oben ist extrem wetterabhängig“, sagt die Hüttenwirtin. Ein durchwachsener Sommer wie der heurige bedeutet eine Umsatzeinbuße von 40 Prozent. Bezahlen muss Pirpamer den Helikopter-Transport der Waren trotzdem: „Ein Kilo kostet mich zwischen 1,30 und 1,50 Euro. Das gilt auch für Leergebinde“, rechnet sie vor. „Das schlag ich auf die Preise drauf, aber meine Gäste verstehen das.“

Hubschrauber oder Bahn
Das Brandenburger Haus wird – genauso wie rund 20 weitere Schutzhütten im „heiligen Land“ von Heli Austria beliefert. Das Flugtransportunternehmen wurde 1982 von Johann Knaus gegründet. Mittlerweile ist auch Sohn Roy mit an Bord: „Die Versorgung der Hütten ist für uns vor allem Saisongeschäft“, beschreibt Knaus junior sein Einsatzfeld. „Wir machen auch Rettungsflüge und vor allem Bautransporte“, erklärt der Flugunternehmer. Bei der Eindeckung der Tiroler Hütten gibt es – neben dem Hubschraubertransport – auch noch andere, kostengünstigere Möglichkeiten der Zustellung von Lebensmitteln und Getränken.

Die ganzjährig geöffnete Glungezerhütte am Tor zu den Tuxer Alpen ist mit 2.610 Metern die höchstgelegene Hütte des Österreichischen Alpenvereins und verfügt über eine eigene, zwei Kilometer lange Materialbahn. „Bis auf 2.300 Meter führt eine Straße herauf“, erklärt der Hüttenwirt Gottfried Wieser. Im Sommer, wenn die Straße gut befahrbar ist, können Lebensmittel und Getränke relativ bequem über die Materialbahn geliefert werden. Transportiert wird die Ware in 250-Kilo-Kisten. Ein Bahnumlauf inklusive Be- und Entladen dauert ungefähr 20 Minuten. „Für die Wintereindeckung brauchen wir 60 Umläufe.“ Die Vorräte für die kälteste Jahreszeit werden bereits Ende September angelegt, dazu zählen „alle haltbaren Grundnahrungsmittel wie Nudeln, Mehl, Milch oder Bier. Außerdem haben wir eine Gefrier- und Kühlzelle, in der beispielsweise auch Fleisch gelagert werden kann.“ Den Strom erhält die Schutzhütte von einer nahegelegenen Militärstation. Wenn im Winter sehr viel Schnee liegt, muss der Weg vom Tal bis zur Materialbahn mit einer Schneeraupe bewältigt werden.

Gebaut wurde die Materialbahn übrigens vom Österreichischen Alpenverein (OeAV): „Das war vor knapp 25 Jahren“, erinnert sich Gerald Aichner, Vorsitzender des Tiroler Landesverbandes. „Davor waren Mulis im Einsatz oder menschliche Träger.“ Dem OeAV gehören übrigens nur knapp 38 der Tiroler Schutzhäuser. Weitaus mehr, nämlich 120, sind im Besitz des eingangs erwähnten Deutschen Alpenvereins (DAV). So auch die Jamtalhütte im Talschluss des Jamtals südlich von Galtür. Sie ist das Alpine Ausbildungszentrum der Sektion Schwaben des DAV in der Silvretta.

Preisstabil trotz Transports
Hüttenwirt Gottlieb Lorenz ist hier bereits in vierter Generation am Ruder: „Wir haben von Mitte Juni bis Ende September geöffnet. Während dieser Zeit können die Lebensmittel recht bequem über eine gute Fahrstraße geliefert werden“, beschreibt Lorenz. Im Winter dagegen, wenn die Jamtalhütte von Februar bis Mai für Tourengeher geöffnet ist, kann nur per Schneeraupe eingedeckt werden. Die Raupe fährt Lorenz selbst: „Das Teuerste dabei ist die Versicherung. Die kostet 3.000 Euro für drei Monate, weil wir ausschließlich im freien, ungesicherten Gelände unterwegs sind“, so Lorenz. Auf seine Preisgestaltung wirkt sich das jedoch nicht aus: „Wir verlangen im Sommer und im Winter gleich viel.“ Das ist in der Region Ischgl keineswegs selbstverständlich. Die Halbpension veranschlagt Lorenz mit 55 Euro. Und noch eine Besonderheit hält der Hüttenwirt bereit: „Wir backen unser Brot selbst.“ Damit müsse er auch im Winter nicht darauf verzichten, wenn die Jamtalhütte – wie im Vorjahr – neun Tage lang eingeschneit war.

 

Info
Heli Austria GmbH
Heliport
A-5600 St. Johann im Pongau
www.heli-austria.at

Brandenburger Haus
6458 Vent
T 0676/646 86 50

Glungezer Hütte
Tuxer Alpen
T 0664/470 55 22
www.glungezer.at

Jamtalhütte
6563 Galtür
T 05443/84 08
www.jamtalhuette.at

Alpenverein Österreich
www.alpenverein.at
Deutscher Alpenverein
www.alpenverein.de

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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