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Viel Rauch, da und dort Feuer

09.12.2010

Das neue Tabakgesetz für die Gastronomie wird nun fast seit einem halben Jahr umgesetzt – Zeit für einen Lokalaugenschein. Als das neue Gesetz in Kraft getreten ist, haben Lokalbesitzer um ihre Existenz gefürchtet.

Eines vorweg: Die Gäste sind geblieben. Als Anfang Juli dieses Jahres das neue Nichtraucherschutzgesetz in Kraft getreten ist, haben Lokalbesitzer aus allen Bundesländern um ihre Existenz gefürchtet. Ein halbes Jahr später steht fest: Die Angst war bis jetzt großteils unbegründet, da es bei moderaten herbstlichen Temperaturen kein Problem ist, die eine oder andere Zigarette im Freien zu rauchen, wenn der Raucherteil voll besetzt ist.

Wie sich nun aber der Wintereinbruch auf die Umsätze auswirkt, kann vorerst noch nicht abgeschätzt werden. Eines kann gesagt werden: Gastronomen und Cafétiers sollten sich warm anziehen, denn die Auswirkungen des Tabakgesetzes machen sich in den letzten Tagen durch das Ausbleiben der rauchenden Stammkundenschaft erstmals bemerkbar. Die eisigen Temperaturen und Schneefälle stellen nun viele Betreiber auf die Probe. Gerade „unfreiwillige Nichtraucherlokale“ (Lokale, die aufgrund des Denkmalschutzes keine Trennwände aufstellen durften, Anm.), wie das Wiener Café Sperl, sind davon betroffen. Dazu Cafétier Manfred Staub: „Von meiner Stammkundschaft waren 80 Prozent Raucher. Die drehen sich jetzt am Absatz um.“

 Jetzt muss jeder, der rauchen will, hinaus in die Kälte. Das macht niemand lange mit. Einen Appell richtete Staub an alle Nichtraucher, die sich ein rauchfreies Kaffeehaus gewünscht haben: „Die Nichtraucher sagen, sie freuen sich, nur vermisse ich sie in meinem Café.“

Im traditionsreichen Schweizerhaus im Wiener Prater musste bis auf eine Pendeltüre, die Raucher- von Nichtraucherbereich trennt, nichts in einen Umbau investiert werden. Von den 600 Innenplätzen gehört nun die Mehrheit den Nichtrauchern. Durch den großen Gastgarten betrifft das Schweizerhaus die Nichtraucherdebatte jedoch nicht wirklich. Dennoch hat Karl Jan Kolarik die unvollständig geführte Diskussion gestört: „Nie hat jemand nach Lüftungsanlagen gefragt. Die funktionieren nämlich im Schweizerhaus so gut, dass ein eigener Nichtraucherbereich gar nicht notwendig gewesen wäre.“ Im Schweizerhaus werden die Umsätze nicht weniger: „Die Gäste kommen nach wie vor gerne zu uns.“

Berndt Querfeld, Obmann der Fachgruppe Kaffeehäuser in der Wirtschaftskammer und Chef des Cafés Landtmann, versteht die Sorgen der „unfreiwilligen Nichtraucherlokale“, weist allerdings den Vorwurf, die Cafétiers nicht unterstützt zu haben, zurück. Zudem sei der Erfolg eines Kaffeehauses am Gesamtprodukt zu messen und nicht, ob man dort rauchen darf oder nicht: „Viele haben ihren Palast auf Tabak aufgestellt.“ Es gebe aber auch Gegenbeispiele: So würden aufgrund der guten Buchungslage im Tourismus eine Reihe von Innenstadtkaffeehäusern ein deutliches Umsatzplus verzeichnen. Zudem steige in vielen Lokalen sogar die Nachfrage nach Nichtraucherplätzen.

Günter Hager vom Josef in Linz ärgern ganz andere Dinge, da er erst vor Kurzem ein Aktion scharf der selbsternannten Rauchersheriffs von Dietmar Erlacher hautnah erleben durfte: „Wir haben 70 Prozent Nichtraucher- und 30 Prozent Raucherbereich. Zwischen den Bereichen gibt es eine Verbindungstür, die vom Service und den Gästen regelmäßig geöffnet wird. Bei der „Sheriffprüfung wurde gestoppt, wie lange die Türe offen steht beziehungsweise wie lange sie braucht, um sich wieder zu schließen“. Insgesamt wurden 127 Wirte angezeigt mit der Vorwarnung, dass man sich als nächstes St. Pölten vornehmen wolle.

Vonseiten der WKÖ wird dazu von Spartengeschäftsführer Dr. Thomas Wolf festgestellt: „Die Umsetzung des Nichtraucherschutzgesetzes klappt sehr gut. Viele Gastronomen haben auch noch nach dem 1. Juli um- bzw. nachgerüstet. Auch die Kennzeichnung ist nun größtenteils gesetzeskonform durchgeführt. Von Gästen kommen kaum Beschwerden. Die Anzeigen der Rauchersheriffs müssen aber auch daraufhin überprüft werden, zu wie vielen Verurteilungen es tatsächlich dabei kommt. Nach unseren Informationen wenigen. Aber wir werden das in einer groß angelegten Umfrage Ende des Jahres abfragen.“

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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