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Vive le vin: Inspirationsquelle Frankreich

07.11.2017

Immer umweht ein Hauch Noblesse die „französische“ Getränke-Begleitung – vom Champagner bis zum Digestif mit Armagnac und Cognac. Die lange verfemten Sorten Sauvignon Blanc und Chardonnay, Frankreichs Beitrag zur Globalisierung der Weinwelt, sind aber ebenfalls zurück.

Champagner unter der Lupe: Eugen ­Lamprecht beim Verkosten.

Die Mode kommt, die Mode geht – da machen auch Weinkarten keine Ausnahme. Doch während man kaum mehr kalifornischen Pinot Noir oder australischen Shiraz sieht, findet man vermehrt französische Abfüllungen in den Vorschlägen der Sommeliers. Eine junge Garde hat das Land der Biowein-Extremisten entdeckt, doch im Gefolge kommen auch andere Raritäten nach Österreich. Die „Grower’s Champagnes“, wie die Schaumweine von unabhängigen Abfüllern heißen, sind ein Beispiel dafür. Überhaupt Champagner: Seit man vermehrt Wert auf die Angabe von Einzellagen und weniger Dosage legt – soeben stellte etwa die Maison Perrier-Jouët ihren „Zéro dosage“ vor –, kommt auch abseits des Jahreswechsels mehr vom legendären Schaumwein ins Glas.

Denn irgendwann, wenn man alle avantgardistischen Alternativen verkostet hat, landet man – frei nach der Frage „Wer hat’s erfunden?“ – immer wieder in der Grande Nation. Das gilt für den Sauvignon Blanc von der Loire, dessen leichter und tropenfruchtiger Stil auch für Österreichs Winzer mehr und mehr zur Messlatte wird. Statt der berüchtigten „Katzenpisse“ im Duft und des Pyrazin-Geruchs nach Grünem Paprika wird wieder stilbildend, was Winzer Didier Dagueneau einforderte: „Die Komplexität des Sauvignon zu extrahieren, auch wenn es sehr schwer ist.“ Lagenweine, speziell aus der Steiermark, gehen diesen Weg mit Konsequenz. Vor allem die älteren Reblagen bieten jene Komplexität, einen Hauch grünen Pfeffer und auch Salzigkeit, die zum Trinken animiert. Ohne Frankreich wäre zudem auch ein weiteres Comeback nicht denkbar gewesen, nachdem der Spruch „Anything but Chardonnay“ (ABC) jahrelang erschallte, wenn es um das gewünschte Glas Wein ging. Mit Blick in das Burgund, wo buttriger Schmelz und salzige Leichtigkeit keinen Widerspruch, sondern eine Symbiose (und das seit Jahrzehnten) darstellen, ging man auch hier ans Werk. Vor allem das Fass-Management, das mittlerweile auch bei Österreichs Winzern weg vom kleinen Barrique und hin zum großen Fass geht, kam auch dem Weißwein zugute, der gerne ein wenig Holz verträgt.

Wein-Vorbilder für Österreich

Während klare und fruchtbetonte Weine der Marke Welschriesling und Veltliner zur DNA des heimischen Weinbaus gehören, konnte man in puncto Reifung im Holz einiges von den Chardonnay-Machern in Frankreich lernen. Dann entstehen jene „gastronomischen“ Weine, die sich nicht nur über Frucht und Säure definieren und somit zu Speisen passen, die ansonsten nicht so leicht zu begleiten sind. Die scharfen Aromen der Asia- oder Fusion-Küche, überhaupt Süß-Saures wie Krautfleisch, liebt der karamellig-präzise Chardonnay nach burgundischem Vorbild. Und so wächst gerade eine zweite Generation von Weinen heran, die auf die intensiven Chardonnay-Monumente von Andreas Kollwentz (Tatschler) und Heinz Velich (Darscho) folgt. Denn bisher war es entweder ein mächtiger Wein, der nach dem Burgunderglas und viel Luft verlangte, oder ein am Rande der Ausdruckslosigkeit geparkter junger Chardonnay, der das Feld dominierte. Tertium non datur? 

Allerdings zeigte die bewusste Auseinandersetzung, dass die Komplexität nicht unbedingt mit Kraft zu tun haben muss. Leichtfüßigere und mineralische Abfüllungen – etwa vom Leithaberg (hier gerne mit Weißburgunder zu noch höheres Trinkanimo gebracht) – halfen dem Chardonnay zurück in die Weinkarten. Oder, um ein Bonmot zu bemühen: Die Sorte fühlt sich mittlerweile wie Gott in Frankreich bei uns.

Der klassische Abschluss

Apropos mächtig: Wenn es beim Essen zu viel oder zu schwer wird, darf es traditionell auch ein Weinbrand danach sein. Auch hier haben sich heimische Winzer an der Charente (Cognac) oder der Gascogne (Armagnac) orientiert. Zwanzig Jahre gelagerte Weinbrände sind keine Seltenheit mehr, auch wenn man hierzulande nicht auf Ugni Blanc als Rebsorte und einen Blend aus dem reich gefüllten Fasskeller zurückgreift. Wer seine Gäste überraschen will, die über den Rum zum Kaffee das Digestif-Trinken wiederentdeckt haben: Der Armagnac steht immer noch im Schatten des Cognac, der ewigen Benchmark für den entspannten After-Dinner-Drink.

Originale Franzosen – Champagner wie Cognacs müssen ja per Gesetz von dort kommen – und die heimischen Interpretationen von Chardonnay und Sauvignon Blanc standen im Fokus des ÖGZ-Weinquartetts. Die Verkostreihenfolge zeichnet eigentlich auch eine ideale Speisenbegleitung nach. Was in der Abfolge Apéro – Weißwein – Digestif am meisten begeisterte, finden Sie umseitig. Santé!

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