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Vom Öko-Spinner zum Paradewinzer

13.09.2007

Als Rainer Loacker 1979 als Quereinsteiger den Schwarzhof bei Bozen übernahm und diesen auf biodynamischen Weinbau umstellte, wurde er belächelt. Heute gilt er als angesehener Bio-Pionier.

Die Wahrheit ist eine Tochter der Zeit. Dieses Sir Francis Bacon zugeschriebene Zitat passt auch sehr gut auf die öffentliche Wahrnehmung der Arbeit von Rainer Loacker. Die aus Vorarlberg stammende Unternehmerfamilie (Alfons Loacker ging 1925 nach Bozen) hat ihn Südtirol mit der Herstellung von Waffeln und Schokolade ein kleines Vermögen erwirtschaftet. Doch nach einigen Jahren im elterlichen Betrieb verspürte der gelernte Drogist Rainer Loacker das Bedürfnis, etwas Eigenes auf die Beine zu stellen, und erwarb den über 300 Jahre alten Schwarhof hoch oberhalb Bozens mit bescheidenen 3,5 Hektar Rebflächen.
Von bescheidenen Anfängen ...
Als er den Betrieb damals konsequent auf biodynamischen Weinbau umstellte und statt Pestiziden mit homöopathischen Stimulanzen arbeitete, wurde er als weltfremder Spinner abgetan. Allein, Rainer Loacker war lediglich seiner Zeit voraus und blieb konsequent bei seiner Linie. Heute produziert er gemeinsam mit seinen Söhnen Hayo, der als Önologe verantwortlich ist, und Franz Josef auf dem Schwarzhof und den zwei dazugehörigen Lagen Kalter Keller und Kohlerhof auf insgesamt sieben Hektar eine Vielzahl unterschiedlicher Rebsorten, die – weiß wie rot – auch rein sensorisch begeistern. So ist der aktuelle Merlot Iwain 2004 im jüngsten Gambero Rosso mit der Höchstwertung von 3 Bicchieri ausgezeichnet worden.
„Die Natur war für mich immer der Mittelpunkt, deshalb wollte ich in die Landwirtschaft. Von meiner Ausbildung her wusste ich, was man mit chemischen Mitteln alles machen kann, aber auch welchen Schaden sie mitunter anrichten. In meinen Weingärten haben sie jedenfalls nichts verloren“, so Loacker.
... zu einem kleinen Imperium
Wie es bei erfolgreichen Unternehmen oft der Fall ist, wuchs auch der Betrieb der Loackers beständig. Zuerst kamen ein paar Hektar in der Umgebung dazu, doch irgendwann reizte es Rainer Loacker, seine Anbaumethoden auch woanders zu probieren. Und wenn sich ein Loacker eine Herausforderung sucht, dann gleich richtig. Also erwarb er 1996 das 91 Hektar große Gut „Corte Pavone“ (davon 17 ha Rebfläche) in Montalcino und keltert dort einen gehaltvollen Brunello sowie einen Rosso di Montalcino. Nach der Fertigstellung des neuen Kellers im Februar 2005 dauerte es nicht lang, bis Loacker wieder unruhig wurde und sich nach neuen Aufgaben umsah.
In der boomenden Weinbauregion Maremma (bei Grosseto) kaufte er das Gut Valdifalco, wo insgesamt 21 Hektar neue Weingärten mit Sangiovese, Cabernet, Syrah und Primitivo ausgepflanzt wurden.
Alle Weingärten werden natürlich komplett biodynamisch bewirtschaft. Das skeptische Kopfschütteln der Winzer-Kollegen hat inzwischen aufgehört und ist einem anerkennden Nicken gewichen. Es hat halt ein bisschen gedauert.

Vertriebspartner in Österreich: Döllerer in Golling; T.: 0 62 44/ 205 67; www.doellerer.at, Infos: www.loacker.net

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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