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Vater und Sohn: Hans Gerst (rechts) und sein Sohn Walter Brandner.

Vom Tischlerlehrling zum Hotelier im hohen Norden

21.11.2016

Der Bad Gasteiner Hans Gerst betreibt in Norddeutschland die Raphael-Hotelgruppe mit neun Häusern. Über 20 Jahre war er Geschäftsführer der Best Western Hotels Deutschland. Die Nachfolge ist ebenfalls geregelt. Eine Erfolgsgeschichte.

 

Raphael Hotel Wälderhaus.
Kaminzimmer im Stella Maris.

Die Marke Raphael Hotels hat in der Hamburger Hospitality-Branche einen ganz hervorragenden Ruf, auch wenn sie nur Insider kennen. Kein Wunder. Außer dem Hotel St. Raphael, wo Gerst 1974 als Direktionsassistent seine Hamburger Hotelierkarriere startete, führen nur zwei weitere Häuser diese Marke auch im Namen. Bei allen neun Hotels handelt sich um sehr individuelle Häuser im Zwei- bis Vier-Sterne-plus- Segment, die entweder für sich alleine stehen oder über eine überregionale Marke (Best Western, Romantik Hotels) vermarktet werden.

Wie es zu dieser Vielfalt kam, ist rasch erklärt: „Um den zweiten Betrieb in Altona hatte ich mich 1981 noch aktiv bemüht, danach wurden wir immer gefragt. Wenn die Rahmenbedingungen stimmten, haben wir zugesagt. So ist unsere bunte Kollektion entstanden, die sich für ein durchgängiges Dachmarken-Konzept einfach nicht eignet. Die Synergien finden operativ und im Hintergrund statt“, erklärt Gerst die Raphael Gruppe.

Legendäre Größe

Für Insider der deutschen Hotellerie-Szene ist Hans Gerst eine fast schon legendäre Größe. Als Präsident von Best Western Deutschland (1991–2013) und Vorsitzender des Hamburger Ausschusses für Tourismus (1999–2008) sowie als Aufsichtsratsvorsitzender der DEHAG Hotel Service AG hat sich Gerst auch außerhalb der eigenen Betriebe über die Maßen engagiert. Gerst absolvierte von 1963 bis 1965 in Bad Gastein eine Tischlerlehre, die ihn jedoch nicht wirklich befriedigte.

Aushilfsjobs

Spannender waren seine Aushilfsjobs während der Hochsaison in benachbarten Hotels. Er machte seine Sache so gut, dass ihm ein deutscher Hotelier, der in Bad Gastein Urlaub machte, anbot, in seinem Hotel in Bielefeld anzufangen. Neben der regulären Arbeit absolvierte Gerst in Bielefeld die zweijährige Ausbildung zum Hotelkaufmann, welche Voraussetzung war, um die Hotelfachschule besuchen zu können. Die machte er dann in Hamburg. Nach dem Abschluss begann er an der Elbe als Direktionsassistent im Hotel St. Raphael, wo er nach drei Jahren zum Direktor befördert wurde. Beim St. Raphael Hotel handelte es sich um ein katholisches Gästehaus, das Schritt für Schritt zu einem regulären Hotel umgestaltet werden sollte. „Für einen jungen Mann die perfekte Herausforderung, weil ich unglaublich viel Gestaltungsfreiheit hatte“, erinnert sich Gerst.

Innovative Ideen

Es gelang ihm, mit vielen innovativen Ideen das Haus in Schwung zu bringen. Neben einem optischen Relaunch, bei dem verschiedene Architekten jeweils ein Zimmer gestalteten, war es vor allem die Vertriebspartnerschaft mit Best Western, die für Nachfrage sorgte. Das St. Raphael Hotel wurde nach der Neupositionierung in eine eigene Gesellschaft übergeführt, die Gerst fortan leitete.

Erfolg mit Best Western

Nachdem das Stammhaus auf Kurs war, übernahm Gerst 1981 zusätzlich die Leitung eines schwächelnden Hotels in Altona, das er ebenfalls mit der Dachmarke Best Western zum Laufen brachte. Gerst war von der Vertriebskraft und dem Vermarktungskonzept von Best Western überzeugt. 1991 bis 2013 agierte er als Präsident von Best Western Deutschland, vier Jahre stand er auch dem Regionalverband Best Western Europe vor. Heute sind vier seiner neun Hotels bei Best Western dabei, auch das in Planung befindliche Hotel in Hamburg-Harburg wird 2018 als Best Western Premier Hotel in Betrieb gehen.

Herausforderung Übergabe

Bei seiner Tätigkeit für Best Western lernte Gerst auch die strukturellen Probleme der Branche genau kennen. Zum Beispiel die Übergabe an die nächste Generation: Weil der Verkauf an einen anderen Inhaber mitunter dazu führt, dass die Vermarktungsplattform gewechselt wird, gründete Gerst eine eigene Gesellschaft, die sich um die Fortführung von Einzelhotels gekümmert hat. Gleichzeitig begann er damit, sich selbst mit dem Nachfolgethema zu beschäftigen. Sein Sohn Walter Brandner lebte damals in München und war in den Bereichen Marketing, New Economy und Design tätig, das väterliche Hotelgeschäft interessierte ihn kaum.

„Als ich 2004 das ehemalige Seemannsheim Stella Maris angeboten bekam, wollte ich es zuerst nicht machen. Wir hatten bereits sechs Häuser im Management. Wieso also ein weiteres Hotel dazunehmen, wenn der Sohn ganz andere Pläne hat?“, erinnert sich Gerst. Schlussendlich konnte er seinen Sohn doch überzeugen, sich mit der Hotellerie anzufreunden und mit seiner Familie nach Hamburg zu ziehen. 

Eigene Wege

„Ich wollte nicht als Junior den Vater auf Terminen begleiten, um zu lernen, wie Hotellerie geht“, sagt Walter Brandner. „Dafür war ich zu alt. Aber mit dem Stella Maris hatte ich gleich eine selbstständige Herausforderung, bei der anfangs auch nicht so sehr der Hotelier, sondern ein Generalist gefragt war. Es galt ja zuerst das Haus umzubauen und Schritt für Schritt zum Hotel zu entwickeln.“ Der Vater hat ihn bewusst eigene Wege gehen lassen. Auch heute, wo Brandner bereits einen Großteil der Anteile der Raphael Hotels übernommen hat, achtet Gerst auf die strikte Einhaltung der unterschiedlichen Rollen. „Wenn ich in einem Hotel bin, das Walter leitet, rede ich prinzipiell nicht mit Mitarbeitern über betriebliche Dinge. Wenn mir etwas auffällt, sage ich das meinem Sohn, der das dann ändert oder auch nicht“, meint Gerst.

Brandner kümmert sich um das operative Tagesgeschäft, während Gerst seine hervorragenden Kontakte dazu nutzt, die Raphael-Gruppe weiter auszubauen: Im Juli fand die Grundsteinlegung für das Liberty Hotel in Bremerhaven statt, das mit 98 Zimmern im Vier-Sterne-Plus-Segment positioniert 
ist.            

Text: Wolfgang Schedlberger

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