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Vor Ort: Türkei trifft Argentinien

10.03.2017

Manchmal betritt man ein Lokal ganz spontan. Weil es witzig aussieht, sympathisch wirkt oder einfach ein bisserl anders ist. Und weil man so etwas an diesem Ort nicht erwartet hätte. So geschehen in Wien-Favoriten. Die Gegend ist nicht gerade berühmt für innovative Gastronomie. Hier dominiert Döner Kebab. 

Ein türkisches Grilllokal war das Steak House Derya auch mal, und zwar ein ganz alteingesessenes. Doch dann reiste der Besitzer nach Argentinien und brachte von dort ein paar Ideen mit. Wenn schon Fleisch, dann richtig. Wenn schon Holzkohlegrill, warum nicht neben Adana-Spießen auch Steaks grillen? Dry Aged? Und das Fleisch appetitlich in einer riesigen Theke präsentieren oder beim Reifen im Schrank zeigen? Dazu ein bisschen Theater veranstalten, zum Beispiel dem Personal lustige Hüte aufsetzen, Tische aus ganz dicken Brettern aufstellen, recht lauten loungigen Jazz spielen und am offenen Grill ordentlich Feuer und Rauch entfachen.

Draußen vor der Tür steht ein riesiger schwarzer Stier auf einem Hänger, drinnen zeigt der Inhaber den Gästen Bilder seiner Limousin-Rinder am Handy, von denen er über 100 Stück im eigenen Stall in Alland stehen hat. 
Das Essen wird auf großen Holzbrettern gebracht: viel Fleisch, leider eher wenig Gemüse. Die türkischen Vorspeisen am Nebentisch sehen sehr gut aus. Es gibt auch Craftbier. Und viele scharfe Saucen zum Nachwürzen am Tisch. Die türkische ist die beste.

Man hat im Derya die Steakkultur nicht neu erfunden, aber inszeniert sie nonchalant witzig. Und Essen soll ja auch Spaß machen. Das tut es hier. Der Umsatz im Steak House dürfte sich gegenüber dem Vorgängerlokal vervielfacht haben. Spaßiges Steak bringt mehr als Döner. Und Konkurrenz braucht man im Bezirk auch nicht zu fürchten. Noch. 

Autor:
Thomas Askan Vierich
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