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Kinder wollen was erleben – und können so gemeinsam mit ihren Eltern die Natur entdecken. Das ist mehr als Animation.

Vorzeigeprojekt in Oetz

11.09.2018

Entstanden als Sommerbetreuung für einheimische Kinder, ist das Kinderbetreuungsprogramm in Oetz heute ein Tourismus-Vorzeigeprojekt – dank spannender Aktivitäten wie Grasskifahren, Piratenrafting und Wanderreiten.

 

Turnen im Hochseilgarten, immer ein Hit.

Durch den Ort schallt lautes Kinderlachen. „Schneller, schneller!“, tönt es aus dem Garten im „Natur & Aktiv Resort Ötztal“ mitten in Oetz, wo ein Dutzend Kinder durch das Gras flitzt. Wer am schnellsten durch den Parcours kommt, hat gewonnen, doch die Kinder laufen nicht, sie fahren mit hölzernen Ski durch das Gras. Was schräg klingt, ist eine der vielen Ideen, die die Kinderbetreuung hier so erfolgreich macht. Ja, es wird gespielt, es wird gebastelt – aber vor allem werden hier Abenteuer für die Kleinen abseits des Mainstream inszeniert. Neben Grasskifahren stehen Piratenrafting, Klettern im Hochseilgarten oder Reiten auf Islandpferden auf dem Programm. „Für die Kinder soll der Urlaub zu einem unvergesslichen Erlebnis werden“, so Christoph Rauch, Destinationsleiter Ötztal Tourismus. Er hat das Kinderprogramm vor acht Jahren ins Leben gerufen. „Am Anfang wurde es als Projekt mit der Gemeinde Oetz und den einheimischen Kindern im Rahmen der Sommerbetreuung als Gemeinschaftsprojekt ini-tiiert. Seit 2015 gibt es „WIDI’s Sommerprogramm“ für Gästekinder und Einheimische getrennt.“ 

Zwischen Action und Natur

Bei allen Abenteuern geht es aber auch um eine gesunde Balance und die Nähe zur Ötztaler Natur. „Das Kinderprogramm besteht nicht nur aus Action wie beim Kinderrafting oder am Hochseilgarten, die größte Bühne bietet die Natur selbst. Mit einer einfachen Waldkugelbahn zum Beispiel können sich kleine und größere Kinder stundenlang beschäftigen, ganz ohne Animation und Smartphone“, erklärt Rauch seine Vision. „Es geht nicht um eine standardisierte Animation und ohrenbetäubende ‚Bespaßung‘, sondern um eine nachhaltige Form des Familienerlebnisses.“ Deshalb sind auch Eltern eingeladen, ihre Kleinen, die ab drei Jahren kommen dürfen, in die Kinderbetreuung zu begleiten. „Wir laden Familien ein, die Tage individuell betreut und vor allem gemeinsam in den Bergen zu erleben. Die Interaktion zwischen Kindern + Eltern + Betreuerinnen und die Möglichkeit, die freie Natur gemeinsam zu entdecken, zeichnen das Programm aus. Somit unterscheiden wir uns von den großen Pauschal-Familienurlauben und Animationsangeboten in den Sun-and-Beach-Regionen“, so Rauch. 

Eine Idee, viele Partner

Ein Grund für den großen Erfolg ist auch die Zusammenarbeit mit unterschiedlichen Partnern. „In der Region gibt es 15 Unterkunftspartner, die sich auf Familien spezialisiert haben, sogenannte WIDI-Partnerbetriebe. Diese werden regelmäßig vom Verein der Tiroler Familiennester unter Einhaltung der Qualitätskriterien geprüft und auch als familienfreundlicher Betrieb zertifiziert“, erklärt Rauch. „Extern arbeiten wir mit mehreren Organisationen zusammen, z. B. ISI Rider zum Pferdereiten, Feelfree für das Rafting, Ötztaler Outdoorparcours für den Hochseilgarten für größere Kinder, Mühlenverein Piburg zum Brotbacken etc.“ Die Rechnung geht auf: Touristen zahlen regulär 25 Euro, wenn sie ihr Kind einen Tag in die Kinderbetreuung schicken, besondere Aktivitäten kosten extra (z. B. Hochseilgarten um 25 Euro oder Kinderrafting inkl. Mittagessen um 45 Euro). Der Clou: Für Gäste der WIDI-Partnerbetriebe ist die Betreuung kostenlos. Das wird von Touristen fleißig genutzt: „Es kommen hauptsächlich – ca. 85 % – Kinder aus den Partnerbetrieben, aber auch andere Gäste aus dem gesamten Ötztal nutzen das Programm“, so Rauch. „In den letzten Jahren konnten wir eine kontinuierliche Steigerung verzeichnen. Circa 500 Gästekinder pro Jahr nehmen das Angebot in Anspruch.“ Und weil es eine so große Nachfrage gibt, wurde nun auch die Saison verlängert. „Anfangs fand das Programm nur in der Hauptreisezeit im Juli und August statt, mittlerweile bieten wir das Programm von Anfang Juni bis Mitte Oktober an.“

Text: Jasmin Kreulitsch

 

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