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Wachstum durch Investition

24.10.2019

Mit der ÖHT hat die Tourismusbranche einen ganz wichtigen Branchenmonitor. Keine andere Institution verfügt über mehr betriebswirtschaftliche Daten zum österreichischen Tourismus.

Was haben die wirtschaftlich zehn besten ­Hotels Österreichs gemeinsam?

Was haben die wirtschaftlich erfolgreichsten zehn Hotels Österreichs gemeinsam? Sie sind alle mit zumindest vier Sternen klassifiziert. Keines der Häuser hat weniger als 90 Betten, und von der Positionierung her sind sie entweder bergorientiert mit starker Wintersaison oder haben sich dem Wellness-Trend verschrieben. Und – ganz wichtig: Sie sind alle seit mindestens zwei Generationen im Familienbesitz und werden auch von der Eigentümerfamilie betrieben. Und auch Investitionen zahlen sich aus. Von unseren zehn Top-Unternehmen haben alle in den letzten drei Jahren höhere aktivierte Investitionen getätigt, als Abschreibungen verbucht wurden. 

Die von der ÖHT finanzierten und geförderten Beherbergungsunternehmen haben sich 2018 in wirtschaftlicher Hinsicht weiter positiv entwickelt.
Die fiktive Entschuldungsdauer hat sich in der gehobenen Qualitätshotellerie von etwa 13 Jahren im Jahr 2009 auf aktuell elf Jahre deutlich verkürzt, und das obwohl kräftig investiert wurde. Das Anlagevermögen hat sich im Schnitt (bereinigt um die jährliche Inflation) absolut um rund eine halbe Million Euro innerhalb der letzten zehn Jahre erhöht. Drei-Sterne-Hotelbetriebe benötigen für die Tilgung ihrer Verbindlichkeiten aktuell im Median nur mehr knapp zehn statt 14 Jahre (2009) und haben das Anlagevermögen um etwa 600.000 Euro aufgebaut. Gemessen am Anlagevermögen, haben demnach die Drei-Sterne-Hotelbetriebe intensiver in ihre Ausstattung und Qualität investiert als die Vier- und Fünf-Sterne-Kategorie. 

Eigenkapitalquote

Die Eigenkapitalquote der höher kategorisierten Qualitätshotellerie (4*/4*S und 5*) konnte 2018 nicht weiter gestärkt werden und liegt aktuell stabil bei einem guten Wert von 12,6 %. Zum Vergleich: 2009 lag dieser Wert im Schnitt bei nur 7,2 %. Deutlicher zeigt sich die Verbesserung bei den von der ÖHT finanzierten Drei-Sterne-Hotelbetrieben. Ihre EK-Quote lag 2009 noch im negativen Bereich, und zehn Jahre später konnte vorläufig der hohe Wert von 18 % erreicht werden. Gerade bei dieser Kennzahl werden bei fortschreitender Anzahl an ausgewerteten Jahresabschlüssen aber noch Korrekturen nach unten zu erwarten sein.

Umsätze pro Zimmer

Im Schnitt kann ein österreichischer Hotelbetrieb der Vier- und Fünf-Sterne-Kategorisierung einen Gesamtumsatz je Zimmer von rund 44.000 Euro erreichen. Die Benchmarking-Messlatte liegt dabei wesentlich höher: Die Besten im Vergleichssample erreichen hier Werte von etwa 62.000 Euro. Die Umsatzentwicklung konnte übrigens der Inflationsentwicklung standhalten. Der Umsatz je Zimmer ist inflationsbereinigt innerhalb von zehn Jahren um etwa 13 % angestiegen. 

Drei-Sterne-Hotelbetriebe erwirtschaften aktuell einen Umsatz je Zimmer von rund 30.000 Euro und konnten innerhalb der letzten zehn Jahre das Umsatzniveau ebenfalls ausweiten. Bei allen Zuwachsraten im Umsatzbereich ist es aber auch ein Faktum, dass die in der österreichischen Hotellerie (auch in Spitzenbetrieben) erzielten durchschnittlichen Nächtigungserlöse im internationalen Vergleich nachhinken. Aktuell werden von der Vier- und Fünf-Sterne-Hotellerie
durchschnittliche Nächtigungserlöse von lediglich rund 70 Euro netto erzielt. Inflationsbereinigt zeigt sich hier seit Jahren eine Stagnation des Wertes und damit eine der wesentlichsten Herausforderungen der Hotellerie: der Kampf um die Preisdurchsetzung.

Brennpunkt Mitarbeiter­kosten

Insbesondere durch hohe laufende Betriebskosten, allen voran steigender Mitarbeitereinsatz und -aufwand, bleibt der GOP unter Druck. Während die Betriebsgröße in allen Kategorien über die letzten zehn Jahre nur geringfügig ausgeweitet wurde, werden – bedingt durch höhere Erwartungshaltungen der Gäste und den verschärften Wettbewerb im Digitalisierungszeitalter – tendenziell mehr Mitarbeiter zu höheren Mitarbeiterkosten eingesetzt. Ein durchschnittliches Vier-Sterne-Hotel beschäftigt heute rund drei Mitarbeiter mehr als noch vor zehn Jahren und das zu rund um ein Drittel höherer Kosten. Dabei ist insbesondere auch festzustellen, dass der Mitarbeitereinsatz pro Kopf im Drei-Sterne-Bereich mittlerweile beinahe gleich teuer ist wie jener in den gehobenen Kategorien. 

GOP unter Druck

Das Betriebsergebnis konnte im Zehnjahresvergleich unter Berücksichtigung der jährlichen Inflation nicht in gleicher Relation wachsen wie die erzielten operativen Umsätze. Der GOP je Zimmer liegt bei den Vier- und Fünf-Sterne-Betrieben aktuell bei rund 10.300 Euro, die Besten im Sample erreichen hier einen Wert von rund 15.000 Euro. Die von der ÖHT finanzierten Drei-Sterne-Betriebe erreichen einen GOP je Zimmer von aktuell rund 6.800 Euro und entwickelten sich
auch bei diesen Kennzahlen im Beobachtungszeitraum von zehn Jahren zwar hervorragend weiter, dennoch gilt: Der GOP bleibt unter Druck. Zusammenfassend kann festgestellt werden, dass in den letzten Jahren kontinuierlich investiert und Anlagevermögen aufgebaut wurde. Die Eigenkapitalbasis der heimischen Hotellerie konnte gestärkt werden. Die operativen Umsätze konnten konstant gesteigert werden und die jährlichen Steigerungsraten waren hoch genug, um der Inflation standhalten zu können. Diese Entwicklungen lassen den Rückschluss zu, dass Förderaktionen angenommen wurden und greifen, sowohl hinsichtlich der Verbesserung des Bilanzbildes als auch bezüglich der Stärkung der Ertragskraft der von ÖHT betreuten österreichischen Hotellerie.

Text: Wolfgang Kleemann, 
Gen.-Dir. ­Österreichische Hotel- und ­Tourismusbank

 

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