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Christof Kastner setzt auf die Digitalisierung

Was bringt die Digitalisierung Ihren Kunden, Herr Kastner?

25.10.2017

Der Gastro-Großhandel wird digitaler. Kastner zählt mit seinem Webshop zu den Vorreitern. Ein Gespräch mit dem geschäftsführenden Gesellschafter Christof Kastner über die Zukunft des E-Commerce, druckbare Lebensmittel und digitale Kundenkontakte

Individuelles Design im C+C-Markt Eisenstadt
Blick in den Webshop
Kastner

Die Kastner Gruppe ist ein 1828 gegründetes eigenständiges Familien­unternehmen. Als Multifachgroßhändler werden an acht Standorten etwa 9.000 Gastronomiekunden beliefert und 31.000 Abholkunden betreut.

Der Mensch steht im Mittelpunkt, lautet ein Kastner-Slogan. Gleichzeitig forcieren Sie Digitalsierung und vor allem E-Commerce für Ihre Kunden. Passt das zusammen?
Christof Kastner: Früher haben Außendienst-Mitarbeiter Aufträge geschrieben, heute ist es selbstverständlich, dass das elektronisch abläuft. Wir nützen die Möglichkeiten der Digitalsierung und dennoch bleibt die Kundenbeziehung der Schlüssel zum Erfolg. Es geht letztlich um eine höchstpersönliche Dienstleistung, wie es auch unsere Kunden bei deren Service am Gast machen. Unser Geschäft funktioniert nur, wenn die Kundenbeziehung und das damit verbundene Vertrauen erhalten bleibt. Das ist seit der Gründung vor 190 Jahren das Thema und wird es auch in Zukunft sein. 

Sie setzen auf einen hochmodernen Webshop mit dem die Kundenbeziehungen auf eine digitale Ebene transferiert werden. Was sind Ihre Erfahrungen?
Wir wissen, dass die Kundenzufriedenheit mit dem neuen Webshop stark gestiegen ist. Weil der Kunde einfacher bestellen kann, also weniger Zeit aufwenden muss. Wir merken das aber auch durch die Steigerung der Einkaufsvolumina.

E-Commerce ist so etwas wie Ihr Steckenpferd. Sie lehren das Fach sogar an der FH Wieselburg. Was kommt da noch auf uns zu?
Bei Kastner arbeiten wir an weiteren Vereinfachungen. Wenn man sich Amazon Echo anschaut, dann sieht man schon, wo die Reise hingeht. Die Eingabe via Tastatur wird sicherlich in 5-10 Jahren Geschichte sein: Die Systeme werden intelligenter. Wir arbeiten bereits mit Spracherkennungssystemen und haben dabei schon sehr gute Fortschritte erzielt. 

Den Küchenzuruf: „Geh schreib das auf einen Zettel auf“ braucht es künftig nicht mehr?
Genau! Da haben wir fast schon fertige Lösungen: Die werden demnächst etabliert: Das wird sukzessive kommen. Wenn es funktioniert und einen Nutzen für die Kunden bietet, wird es auch gleich umgesetzt. Da wird noch einiges kommen. 

Wann können Ihre Kunden damit rechnen?
Spracherkennung wird bald kommen. Über viele andere Neuerungen kann und will ich noch nicht reden. 

Worüber können Sie denn reden?
Ich kann sagen, dass wir ein Komplettsystem zur Abwicklung gastronomischer Einheiten anbieten werden. Der Onlineshop wird mehr und mehr zu einem Tool, mit dem Kunden nicht nur einkaufen können, sondern auch Warenwirtschaft, Rezeptplanung bis zu Nährwerten und Allergenen systematisch steuern können. Das System ist an Kassen und Backoffice angebunden und wird den Arbeitsalltag erleichtern. Auch Augmented Reality ist ein Thema. Da geht es um Anwendungen, über die wir Kunden bei der Produktauswahl mit Infos unterstützen können. Bei uns gibt es die Trennung zwischen Online und Offline nicht mehr, wir arbeiten No-Line.

Sie bieten als einziger auch 3-D-Lebensmittel-Drucker an. Wird das bereits angenommen?
Man kann heute damit schon 30 Lebensmittel nach Vorlagen drucken. Das ist derzeit ein Thema für Marzipanmännchen auf Torten etc., aber vor allem für Pflegeheime. Menschen, die Breikost konsumieren, haben damit die Möglichkeit ansehnliches Essen zu bekommen. Das zu Brei zerkleinerte Huhn schaut dann wieder aus wie ein Huhn, um ein Beispiel zu nennen. Es geht um individualisierte Nahrung für Menschen mit Schluckbeschwerden. Die Nährwerte und Inhaltsstoffe sind dabei auf den Einzelnen abgestimmt. 

Sie investieren nicht nur online, sondern auch in die C+C Märkte. In Eisenstadt entsteht ein neues Projekt mit einem Schilfdesign (Bild) von Künstler Martin Kitzler. Was wollen Sie damit bewirken?
Der stationäre Handel wird nicht verschwinden, er wird sich verändern. Wir setzen darum auf Erlebnis und eine starke Individualisierung durch den Einsatz von Kunst. Das spiegelt sich in Projekten wie in Eisenstadt wider, wo wir starke regionale Elemente einbinden. Schilf steht für die Region nördliches Burgenland und für Biodiversität. Das Vordach des Kastner Abholmarktes Eisenstadt symbolisiert das Wasser des Neusiedlersees, Schilf wird durch überdimensionale Rohre dargestellt. Es entsteht somit die größte Skulptur in Österreich!

Kastner ist als Sieger beim Energy-Globe-Award oder Trigos ein in Sachen Nachhaltigkeit vorbildliches Unternehmen. Bringt das ökonomisch etwas? Muss es was bringen?
Wir tragen als Lebensmittel- und als Familienunternehmen natürlich eine besondere Verantwortung. Das hat mein Vater, der auch Umweltgemeinderat war, auch schon so gedacht. Das soll und darf kein „Marketingmascherl“ sein! Wir optimieren unseren Ressourceneinsatz und werden auch als nachhaltiges Unternehmen wahrgenommen. Letztendlich hilft uns das auch im Geschäft. 

Stichwort Bio: Im Großhandel liegt der Anteil bei rund 20 Prozent. Steckt in Bio noch Wachstumspotenzial?
Es entwickelt sich weiterhin stark nach oben. Auch Demeter ist ein Thema, das wichtiger wird. Wir suchen noch mehr regionale Produzenten, die für uns in Bio produzieren. 

Autor/in:
Daniel Nutz
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